Einen Designer besser verstehen (1/2) – so denkt und arbeitet er oder: Warum gute Ergebnisse Zeit brauchen

4. Juni 2008 von Martin Riekert

Designer sind Ästheten, Macher, Kreative, Denker, Verwirklicher, Selbstdarsteller und Visionäre. Sie sind sensibel, feinfühlig, kritisch und selbstkritisch, teilweise unzufrieden und unsicher, teilweise impulsiv und euphorisch und manchmal überschätzen sie sich selbst. Doch je größer die Leidenschaft und der Ehrgeiz, desto besser fallen die Ergebnisse aus.

Ein Designer geht stets kontextuell vor: Die Lösung geht aus dem Inhalt des Unternehmens und aus der spezifischen Aufgabe hervor. Es gibt keine Dogmen und Gesetze. Richtig ist, was die Bedürfnisse des Unternehmens befriedigt, der Zielerreichung dient und zur Lösung der Aufgabe führt. Ein neues Projekt wird stets mit Spannung und Neugier angegangen.

Analysephase: Den Kunden verstehen lernen
Jedes Projekt ist etwas Einzigartiges und zwingt den Designer zur Unvoreingenommenheit und dazu, alle Routine über Bord zu werfen und bei Null anzufangen. Im ersten Schritt werden der Kunde und sein Unternehmen genau analysiert. Das bedeutet, nach den tatsächlich wesentlichen Eigenschaften zu suchen und diese herauszustellen, sowie die Kundenbedürfnisse zu formulieren und daraus Projektziele und Aufgabenstellungen abzuleiten.

Sind diese ersten Ergebnisse zusammengestellt, müssen sie sogleich hinterfragt werden: die wesentlichen Eigenschaften, die Ziele, die Aufgaben. Durch den ersten Denkprozess ist nämlich eine neue Ausgangssituation entstanden. Aus dieser neuen Perspektive stellen sich die Dinge wieder anders dar und lassen sich besser beurteilen. Je tiefer man vordringt, desto zielgenauer können alle weiteren Arbeiten ausgerichtet werden.

Phase der Ideenfindung: Der erste kreative Prozess
Die Ideenfindung ist immer ein Prozess und die Idee ist durch Methoden wie Brainstorming, kategorisches Denken (assoziativ, thematisch oder metaphorisch), Recherche oder Brainfloating beeinflussbar. Doch eine gute Idee kommt eben nicht auf Befehl, sondern manchmal früher und manchmal später.

In den seltensten Fällen ist die erste Idee auch die beste – richtig gute Ideen kommen zumeist erst ganz am Schluss. Je mehr Zeit man in die Ideenfindung investiert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine wirklich großartige Idee zu kommen.

Gestaltungsphase: Vom leeren Blatt zur Entscheidungsfindung
Wie die Ideenfindung ist auch das Gestalten stets ein Prozess mit einem weißen Blatt Papier oder einem leeren Bildschirm als Ausgangssituation. Nun beginnt man zumeist damit, die Fläche in Bereiche einzuteilen und ein System oder verschiedene Elemente zu entwickeln, um unterschiedliche Bereiche voneinander zu trennen (Flächen, Boxen, Linien, Punktlinien etc.). Man platziert das Logo, danach die aktiven und großen Elemente wie auffällige Bilder und Grafiken und schließlich den Text. Damit steht der erste grobe Entwurf.

Doch ist diese Lösung die richtige und optimale? Bewerten heißt immer, Möglichkeiten miteinander zu vergleichen. Ideen muss man sehen, man kann sich nur schwer in sie „hineindenken“. Deshalb ist jede Variation des Entwurfs notwendig und bringt das Projekt voran.

Das gute und mitreißende Gefühl, sich der richtigen Lösung zu nähern, steigert sich mit der Dauer der Entwurfsphase und mit der Intensität, mit der man sich mit den Alternativen beschäftigt. Sich für etwas zu entscheiden bedeutet auch, sich gegen etwas zu entscheiden. Das fordert vom Designer Durchhaltevermögen, Mut und den Willen, etwas Großartiges zu schaffen. Wenn dann das Ergebnis stimmt, stellen sich das Glücksgefühl und die Erleichterung ein, eine richtige und gute Lösung entwickelt zu haben.

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