Intrinsische Motivation: Warum berechtigtes Lob ebenso wichtig ist wie berechtigte Kritik

14. Juli 2008 von Martin Seibert

Verdiente Anerkennung ist eine weiche Währung, die vielen Mitarbeitern kaum weniger wichtig ist als das harte Gehalt. Und Lob ist ein mächtiges Motivationsinstrument.

Intrinsisch motivierte Mitarbeiter engagieren sich

„Die intrinsische Motivation ist ein Konstrukt aus der Motivationspsychologie. Es besagt, dass der Anreiz für ein Verhalten in der Person selbst liegt. Das Verhalten wird demnach auch dann begonnen und aufrechterhalten, wenn mit ihm keine externen Belohnungen (wie z.B. monetäre, materielle Anreize) einhergehen. Die Belohnung erfolgt vielmehr durch (körperinterne) kognitive und affektive Prozesse. […] Die intrinsische Motivation steigt mit der Übereinstimmung […] zwischen Eigenschaften der Person und ihrer Aufgabe.“ (Quelle: Wikipedia)

Das bedeutet zunächst, dass ein Mitarbeiter – um es mit Jim Collins auszudrücken – auch auf genau dem Platz im fahrenden Bus sitzen muss, auf den er passt (und also im Unternehmen die Position bekleidet, die seinen Fähigkeiten am besten entspricht).

Intrinsisch motivierte Menschen erfahren Befriedigung aus den Ergebnissen ihrer Arbeit. Solche Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Unternehmen und seinen Zielen, suchen eigenständig nach Problemlösungen und sind bereit, mehr zu leisten, wenn eine Situation es erfordert. Lob und Anerkennung – darin ist sich die Motivationspsychologie einig – gehören zu den wirksamsten Faktoren zum Aufbau intrinsischer Motivation.

Aus Lob resultiert eine bessere Selbsteinschätzung

Doch Lob ist nicht ausschließlich ein Motivationsfaktor. Durch Lob und Anerkennung sind Mitarbeiter oft erst in der Lage, ihre eigenen Arbeitsleistungen tatsächlich einzuschätzen, denn eine wirklich objektive Bewertung der eigenen Ergebnisse ist in vielen Fällen nur schwer möglich. Mitarbeiter benötigen die positive Rückmeldung von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden, um zu sehen, wo sie stehen, ob ihre Arbeit gut oder herausragend ist. Wer gelobt wird, sieht sich in seinem Engagement bestätigt.

Der Unterschied zwischen „Danke!“ und „Sehr gut gemacht!“

Dank und Lob sind keine Synonyme. Bedankt wird sich für die Heraussuchen einer Telefonnummer, für die Anwesenheit, für die Aufmerksamkeit im Meeting. Dank haben Mitarbeiter verdient, wenn sie erledigen, was von ihnen erwartet wird. Und Dank ist ein Teil des fairen Umgangs mit Mitarbeitern: nicht inflationär und verschwenderisch, aber hin und wieder und regelmäßig.

Hat ein Mitarbeiter mehr als seine Pflicht getan, hat er Konzepte zur Verbesserung interner Prozesse erarbeitet, hat er sich mit seinem Arbeitsergebnis selbst übertroffen, hat er mehr geleistet, als eigentlich von ihm verlangt wird, verdient er nicht nur Dank, sondern ein aktives Lob.

Loben muss gekonnt sein

Lob ist kein Allheilmittel und vor allem ist das Lob ein Instrument, dessen Klaviatur beherrscht sein will. Einige Hinweise und Erfahrungswerte:

  • Unaufgeforderte Anerkennung wirkt. Aber Lob sollte auch dann ausgesprochen werden, wenn ein so hochwertiges Ergebnis wohl zu erwarten war.
  • Lob muss immer aufrichtig gemeint sein und auch so kommuniziert werden.
  • Lob sollte sich an der Qualität der Arbeitsergebnisse orientieren. Ein „OK!“ für eine hervorragende Leistung ist ebenso unangemessen wie überschwängliche Begeisterung für eine abgearbeitete Routineaufgabe.
  • Die Dosis ist wichtig. Wer nie gelobt wird, bekommt den Eindruck, seine guten Ergebnisse würden nicht objektiv und angemessen bewertet. Ständige Euphorie dagegen ist unglaubwürdig und das Lob verliert an Wirkung.
  • Berechtigtes Lob muss ebenso selbstverständlich wie berechtigte Kritik sein. Und Lob darf getrost öffentlich geäußert werden – sofern ein anderer Mitarbeiter das Lob für den Kollegen nicht als Kritik an der eigenen Person auffassen muss.

Mitarbeiter, die gelobt werden, sehen sich bestätigt und leisten Außerordentliches. Mitarbeiter, denen Anerkennung verwehrt bleibt, tun ihre Pflicht.

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4 Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Johannes Thönneßen

    Uiui, Herr Seibert, das sind ja Weisheiten. Lob soll immer aufrichtig gemeint sein…. Ständige Euphorie wirkt unglaubwürdig… Sind Sie jetzt unter die Managementautoren gegangen? :-) Oder sind das Erkenntnisse, die sich in der IT-Branche noch nicht rumgesprochen haben.

    Was von Lob als “Motivationsinstrument” zu halten ist, hat Reinhard Sprenger schon wunderbar seziert: “Lob ist nur spontan und unter Gleichrangigen glaubwürdig und wertvoll. Im Berufsleben kommt das Lob meist zeitverzögert und dient einem speziellen Zweck: Den Mitarbeiter bei Laune zu halten. Laut Sprenger ist Lob daher nur eine Art Fast-Food-Zuwendung. Wer eine richtige zwischenmenschliche Atmosphäre zu seinen Mitarbeitern herstellen will, der schafft das nur durch Kontakt, echtes Interesse und Respekt.”
    In diesem Sinne weiterhin fröhliches Loben
    Johannes Thönneßen


  2. Martin Seibert

    Der Artikel ist wohl entstanden, damit Leute, die sich mit der Materie noch besser auskennen, korrigieren können. Danke daher für die Beteiligung. :-)

    Ich kenne die Ansicht Sprengers und teile Sie “teilweise”. Aber Sie haben schon recht: Unsere Themen sind hauptsächlich und besser im Web angesiedelt. Ich überlasse Ihnen dann wieder das Feld und lese fleißig http://www.mwonline.de. ;-)


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