Sichtweisen auf Tag-Clouds (Teil 1): Wortwolken unter Design-Aspekten

7. Januar 2009 von Katja Weingärtner

Tag-Clouds gehören zu den deutlich sichtbaren Ausprägungen des Web 2.0. Seit längerem sind sie fester Bestandteil einschlägiger Portale wie Flickr, Mister Wong oder del.icio.us. Auch in anderen Teilen des Webs haben sie sich inzwischen durchgesetzt und sind neuerdings auch auf Spiegel Online, der Website von O2 oder auf jetzt.de zu finden.

Tag-Wolken funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Je häufiger ein Stichwort gesucht bzw. ein mit entsprechenden Tags versehener Artikel oder Link angeklickt wird, desto größer wird dieses Wort in der Tag-Cloud dargestellt. Die Tag-Cloud oder auch Tag-Wolke ist eine sogenannte „gewichtete Liste“, deren optisches Erscheinungsbild einem festen Algorithmus unterliegt.

Die Tag-Wolke auf Flickr.com

Aus Design-Sicht sind die “Wort-Wolken” allerdings nicht unumstritten, denn sie bergen einige Gefahren und Herausforderungen.

01 / Kontext und Angemessenheit
Tag-Clouds fügen sich kontextuell nicht in jede Website ein. Auf Nachrichtenportalen und umfangreichen Inhaltsseiten mag der Einsatz von Wortwolken sinnvoll sein. Auf einer Website mit wenigen Inhalten dagegen beeinträchtigt eine Tag-Wolke das Design, weil sie eine unnötige Ablenkung darstellt.

02 / Beliebigkeit und Unstrukturiertheit
Optisch machen viele Tag-Wolken einen beliebigen, zufälligen und unstrukturierten Eindruck. Schlagwörter in gigantischen Schriftgrößen neben kaum sichtbaren Tags wirken unproportional und auf unerfahrene Nutzer wie Oberflächenfehler. Aus gestalterischer Sicht sind die meisten Tag-Wolken einfach unschön.

03 / Verzerrung der Navigationshierarchie
Eine Tag-Wolke ist ein ergänzendes Element zur Hauptnavigation. Diese Hierarchie kommt allerdings selten zum Ausdruck, denn Tag-Wolken nehmen eine zu zentrale Rolle ein. Somit verzerrt die unangemessene optische Präsenz den tatsächlichen Stellenwert des Elements.

04 / Schwere Fassbarkeit
Zu viele Begriffe und die Verwendung zahlreicher unterschiedlicher Schriftgrößen, Farben und Betonungen führen dazu, dass Tag-Wolken oft schwer zu fassende Textwüsten sind, die den Nutzer optisch „erschlagen“.

Eine Tag-Cloud, die den Nutzer optisch überfordert

05 / Integration in das Design
Einer Tag-Cloud kommt häufig nicht die gestalterische Sorgfalt zugute, wie anderen Bereichen der Seite. Problematisch ist vor allem, dass sich Wortwolken im Hinblick auf Farbe, Schriften und Gestaltung oft nicht in die Seite einfügen, sondern wie Fremdkörper wirken.

All diese Punkte sollte ein Website-Betreiber berücksichtigen, wenn er über die Integration einer Tag-Cloud in sein Internet-Angebot nachdenkt, denn Wort-Wolken bergen immer die Gefahr, das Design einer Website zu beeinträchtigen. Freilich gibt es auch positive Beispiele, wobei eine Tag-Wolke unbedingt im jeweiligen Zusammenhang zu betrachten ist.

Optisch gelungene Tag-Wolken

Tag-Clouds sind unter Design-Aspekten streitbar und nicht zuletzt auch eine Geschmacksfrage. Deshalb sind diese Ausführungen nicht als grundsätzliche Ablehnung des Phänomens Wort-Wolke zu verstehen, sondern vielmehr als Anregung, in jedes Element einer Website eine angemessene gestalterische Sorgfalt zu investieren und Wert auf einen professionellen Eindruck auch im Detail zu legen.

Weiterführende Informationen:
Tag-Wolke: Vor- und Nachteile von gewichteten Listen
Navigationsmenüs: Trends und Beispiele
Typografie auf Websites

Weitere Informationen zu Corporate Design

4 Reaktionen zu diesem Beitrag

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  2. Sichtweisen auf Tag-Clouds (Teil 3): Auswirkungen auf das Image | //SEIBERT/MEDIA Weblog

    [...] prägen das Erscheinungsbild einer Website mit – und damit das Image eines Anbieters. Wie kann sich eine Tag-Wolke eher positiv auf die [...]


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