Das Graswurzelkonzept: Die Wiki-Einführung von unten

24. Juli 2009 von Stewart Mader

Die beste Methode, ein Wiki im Unternehmen zu einem zentralen und erfolgskritischen Kommunikations-Tool und Wissens-Management-System werden zu lassen, ist die Anwendung des Graswurzelkonzepts.

Die Idee dahinter ist ebenso naheliegend wie überzeugend: Die Leute finden deutlich mehr Gefallen an etwas Neuem, wenn sie selbst herausfinden, dass sie es aktiv und sinnvoll nutzen können und dass es sie weiterbringt. Das ist etwas völlig anderes als eine Verordnung von oben, als die Anweisung, ein neues System von nun an verbindlich nutzen zu müssen. Gerade so ein Vorgehen ist gefährlich, weil es den Erfolg der Wiki-Einführung gefährden kann.

Wenn Mitarbeiter ein Tool nur deshalb nutzen, weil sie es nutzen müssen, es ihnen das Leben und die Arbeit aber nicht erleichtert oder es schwer zu erlernen und sehr restriktiv ist, werden sie es, sobald ihnen niemand kontrollierenderweise über die Schulter schaut, einfach sein lassen. Die Leute müssen das Konzept begreifen, das Wesen eines Wikis verstehen, um seinen Nutzen zu erkennen. Dabei handelt es sich um einen (sehr individuellen) Prozess, der nicht per Dekret angeordnet und ausgelöst werden kann.

Ein Wiki ist ein Tool, das die Leute begeistert, wenn sie erst einmal herausgefunden haben, wie sie damit arbeiten können und dass es ihnen die tägliche Arbeit tatsächlich erleichtern kann. Diese Mitarbeiter werden ihren Kollegen von ganz allein davon erzählen, sie werden beim Kaffee berichten, wie dieses neue System sich auf ihre Arbeitsweise auswirkt. Das ist die Voraussetzung für eine Art von Wachstum, die nachhaltig ist, und diese Prozesse gilt es zu unterstützen.

Meine Empfehlung: Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein Wiki etablieren wollen, zwingen sie niemanden dazu, es zu nutzen. Sorgen Sie vielmehr dafür, dass es verfügbar ist, lassen Sie die Leute allmählich und von ganz allein herausfinden, wie sie es optimal nutzen können und worin sein eminenter Nutzen besteht. (Hier sind Ihre beispielhaften Aktivitäten im Wiki ebenso wichtig wie Geduld und ein gewisses Maß an Zurückhaltung.)

Nach und nach werden Ihre Mitarbeiter neue Möglichkeiten entdecken, Sachen zu erledigen, und typische Arbeitsabläufe und Prozesse im Unternehmen neu erfinden. Nehmen Sie – auch das gehört zum Graswurzelkonzept – diese Vorschläge unvoreingenommen an, es kann sich um unglaublich wertvolle Ideen und Verbesserungen handeln.

Dieser Artikel wurde im Original als Vodcast unter dem Titel „Grassroots is Best von Stewart Mader veröffentlicht. Stewart Mader gehört zu den führenden und einflussreichen Wiki-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.ikiw.org. Weitere Artikel von Stewart Mader finden Sie in unserem Wiki-Special.

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2 Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Social-Software-Projekte: Woran die Einführung von Enterprise-2.0-Tools scheitern kann (Teil 1) | //SEIBERT/MEDIA Weblog

    [...] mangelnde Beteiligung der Geschäftsführung ist mit einem hohen Risiko verbunden. Nichts gegen das Graswurzelkonzept, aber ohne Unterstützung und Förderung „von oben“ wird sich ein Tool schwer auf breiter Ebene [...]


  2. Hofläden, Supermärkte und Firmenwikis: “Bitte klingeln” und “Herzlich willkommen” | //SEIBERT/MEDIA Weblog

    [...] Eine Möglichkeit bestünde darin, die Tür grundsätzlich zu öffnen und die Bitte-klingeln-Tafel durch ein Herzlich-willkommen-Schild zu ersetzen. Mit einem Schlag würden die Transaktionskosten für potenzielle Kunden sinken. Die Tür generell aufzusperren und allen Mitarbeitern Zugang zu gewähren, wäre auch im Intranet ein richtiger erster Schritt. [...]


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