Social Media: Wie die Band “Blind Guardian” Facebook, Twitter und YouTube vorbildlich nutzt

13. August 2010 von Matthias Rauer

Wie man sich Social Media vorbildlich zunutze machen kann, hat sich zuletzt an einem (für den Rahmen dieses Blogs) etwas ungewöhnlichen Beispiel ziemlich eindrucksvoll gezeigt: den jüngsten Web-Aktivitäten der deutschen Metal-Band Blind Guardian im Vorfeld der Veröffentlichung ihrer CD At the Edge of Time. Es folgt ein kleiner Blick über den Online-Marketing-Tellerrand in die harte Rock-Musik-Szene.

Neues Blind-Guardian-Album – neue Marketing-Strategie

Zunächst kurz zum Hintergrund: Anfang 2010 gab das Label Nuclear Blast den Veröffentlichungstermin des lange erwarteten und von der weltweiten Fan-Community heiß ersehnten neunten Studio-Albums der Krefelder Fantasy-Metaller Blind Guardian bekannt. Nahezu zeitgleich starteten Plattenfirma und Band eine intensive Marketing-Kampagne, doch nicht etwa in Form von Plakatierung, Anzeigen, Broadcasting in Radio und TV (wo Hardrock und Metal traditionell sowieso nicht stattfinden), sondern Content-intensiv mithilfe der angesagten Social-Media-Kanäle. Die offensichtliche Intention:

  • die Zielgruppe und vor allem junge Metal-Fans auf ihren eigenen Kommunikationskanälen abholen
  • früh Spannung aufbauen und hochhalten
  • der treuen Fan-Gemeinde etwas zurückgeben

Quasi über Nacht sind Blind Guardian konsequent auf allen gängigen Plattformen vertreten und aktiv, aber nicht aufdringlich und PR-triefend, sondern informativ und mit einen Mehrwert für die Nutzer. Sehen wir uns an, wie die wichtigsten Social-Media-Kommunikationskanäle hier genutzt wurden und werden.

Twitter-Infos: Täglich, aktuell und relevant

Der Twitter-Account von Blind Guardian hat es innerhalb weniger Monate auf immerhin knapp 4.000 Follower gebracht, seit Beginn des Jahres wurden ca. 300 Tweets mit Links auf neue Interviews und Merchandising-Specials, mit Hinweisen auf Konzerte und Termine und mit regelmäßigen Statusinformationen rund um die Studio-Aktivitäten und den Veröffentlichungsprozess des neuen Albums gepostet.

Meiner Meinung nach ein Musterbeispiel: Ich muss gestehen, dass mich als bekennender Metal-Fan noch keine Band via Twitter so gut, breitgefächert und umfangreich über ihre Aktivitäten informiert hat wie Blind Guardian. Hier wurde und wird täglich redaktionelle Arbeit geleistet, Links z.B. auf gerade online gegangene Interviews in der Fachpresse werden in der Regel am gleichen Tag gezwitschert, die Inhalte sind hochwertig und relevant.

Facebook: Das Mehr an Funktionalität genutzt

Ähnlich ist die Situation auf Facebook: Auch hier ist die Band präsent und versorgt Nutzer via Fanpage fleißig und täglich mit aktuellen News und Links, wobei die Autoren die im Vergleich zu Twitter erweiterte Funktionalität von Facebook in Form eingebundener Video-Previews und Bilder rege nutzen. Das Facebook-Konzept geht ganz offenbar ebenfalls auf: Fast 100.000 Fans innerhalb weniger Monate und Dutzende Kommentare zu jeder Statusmeldung sprechen für sich (wie übrigens auch 100.000 MySpace-Friends).

Dass sich Tweets und Facebook-Statusmeldungen häufig überschneiden, liegt in der Natur der Sache und ist unproblematisch: Praktisch und völlig legitim bedient man mehrere Kommunikationskanäle, muss aber jeweils nur ein Mal redaktionell tätig werden.

YouTube: Blicke hinter die Kulissen

In ihrem YouTube-Kanal schließlich lädt die Band hinter die Studiokulissen ein: Das Content-Herz des Channels bilden nach und nach veröffentlichte zwei- bis dreiminütige Clips mit Videoschnipseln, die während der CD-Produktion entstanden sind und die große Teile des Entstehungsprozesses vom Drum-Recording über die Aufnahme von Gitarren und Gesang bis hin zur Orchestrierung Revue passieren lassen.

Dabei wechseln sich authentische Backstage-Szenen mit Einblicken in die Studioarbeiten ab, die Band-Mitglieder treten ebenso auf wie verschiedene Gastmusiker und das Produktions-Team – Material, das Anhängern der Band wirklich einen Mehrwert bietet und Fans, die nach jeder noch so rudimentären neuen Tonfolge lechzen, eine Wonne ist … Ich weiß, wovon ich spreche! ;-) Ein Beispiel:

Diese Making-of-Videos haben auch tatsächlich den angestrebten viralen Verbreitungsweg genommen und sind in thematisch relevanten Foren und Blogs sowie via Facebook, MySpace, Twitter vielfach gepostet bzw. eingebunden (und auch auf YouTube selbst begeistert aufgenommen) worden.

Optimierungsmöglichkeiten: Layout-Anpassungen

Freilich gibt es aus Online-Marketing-Perspektive auch Kritikpunkte im Detail, denn gerade die Layout-Anpassungen sind recht lieblos umgesetzt – bspw. ist das Twitter-Hintergrundbild für hohe Auflösungen zu klein und sind im YouTube-Kanal kaum individuelle Modifikationen vorgenommen worden. Das Gros der Fan-Gemeinde wird sich indes sagen: Geschenkt, hier kommt es auf die Informationen an!

Es wäre allerdings unklug, auch als Unternehmen damit zu rechnen, dass Kunden ebenso über fehlende oder nicht professionell umgesetzte Corporate-Design-Anpassungen hinwegsehen. Promotion für eine Metal-Band und Web-weite Unternehmens-PR sind doch zwei Paar Schuhe. Dennoch können wir interessante Erkenntnisse aus diesem Beispiel ziehen.

Was bringt Social-Media-Marketing also?

Der Erfolg gibt Band und Label recht: Unmittelbar nach der Veröffentlichung in Deutschland rangiert At the Edge of Time auf Verkaufsrang 4 in der Amazon.de-Rubrik Musik und klettert in den deutschen Album-Charts sogar direkt auf den zweiten Platz.

Ob dies auch den beschriebenen Marketing-Maßnahmen zu verdanken ist? Diese Frage wird sich so kaum valide beantworten lassen, und meines Erachtens ist sie auch gar nicht so wichtig.

Interessanter ist vielmehr die Tatsache, dass man mit einem überschaubaren Budget die Zielgruppe perfekt bedienen und bei Laune halten kann: mit selbst produzierten Videos, hochwertigen Textinhalten und systematischer und aufeinander abgestimmter Kommunikation auf Social-Media-Plattformen. Das haben Blind Guardian in den letzten Monaten eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Und das Schönste daran: Mit diesen umfangreichen Aktivitäten wurde keine heiße Luft promotet, sondern tatsächlich ein herausragendes Album, auf dem sich Blind Guardian zwischen Power Metal und Klassik-Bombast auf großartige Weise einmal mehr neu erfunden haben. Hut ab also in zweierlei Hinsicht! :-)

Unser Leitungsangebot

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Weiterführende Informationen

Twitter: Elf Erfolgsfaktoren für Unternehmens-Tweets
Social Media: Acht Tipps für einen erfolgreichen Auftritt
Facebook: Potenziale für Unternehmen und Aussichten
Online-Werbung trotz Krise auf Wachstumskurs, aber auch vor Herausforderungen


3 Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Tooting our own horn « Blind Guardian Official Website

    [...] This is an interesting article about how we used various social media sites to promote the release of At the Edge of Time.  It is in German but you can put it through Google Translate to get it in the language of your choice. // Share| [...]


  2. David

    Wesentlicher Punkt ist sowieso (und das Verstehen viele Künstler, Prominente oder auch Unternehmen falsch): Social Media basiert auf zweiseitiger Kommunikation. Passende Inhalte bereitzustellen ist die eine, auf die Reaktioen zu reagieren und in die Diskussion einzusteigen, die andere Sache.

    Ich freue mich, wenn Künstler diesen Weg gehen und ich glaube auch, dass ein richtiges Verhalten in sozialen Netzwerken sich langfristig auszahlt – wenn nicht monitär, dann doch wenigstens durch Aufmerksamkeit!


  3. Wie die Band “Blind Guardian” Facebook, Twitter und YouTube vorbildlich nutzt « Andrea Spruda

    [...] http://blog.seibert-media.net/2010/08/13/social-media-wie-die-band-blind-guardian-facebook-twitter-u… [...]


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