Kontrolle aus Eitelkeit und Stolz auf die eigene Arbeit

Gute schlechte Ergebnisse

Die Konzeption einer Website wird im Kern nicht schlechter, wenn in der dritten Ebene der Informationsarchitektur ein Rechtschreibfehler auftaucht. Die Qualität eines Layout-Entwurfs leidet nicht, wenn in einem Blindtext Buchstabendreher stehen. Sagen die Experten. Aber wie sieht das der Kunde, der mit Schreibfehlern in Arbeitsergebnissen konfrontiert wird?

Die Qualität einer Leistung oder eines Produkts wird immer vom Kunden eingeschätzt – nicht von einer Jury unabhängiger Consultants, Designer oder Programmierer. Der Kunde ist eben kein fachkundiger Experte auf den jeweiligen Gebieten und hat deshalb ja eine Agentur zum Beispiel mit der Erstellung von Layouts beauftragt. Der Fachmann zuckt also vielleicht mit den Schultern, doch der Auftraggeber zieht womöglich fatale Schlussfolgerungen.

Rechtschreibfehler senken das subjektive Qualitätsempfinden des Kunden.

Der Kunde ist (k)ein Experte

Ob eine Konzeption, ob ein Design, ob ein Programmiercode wirklich gut ist, kann ein Kunde höchstens “fühlen” und erahnen, sofern er nicht Experte auf dem jeweiligen Gebiet ist. Qualitative Einschätzungen beruhen in erster Linie auf Plausibilitätsannahmen.

Die Rechtschreibung jedoch ist eines der wenigen Kriterien, die der Kunde tatsächlich genau bewerten kann. Für ihn liegt in so einem Fall die Annahme nahe, dass nicht nur die geschriebene Sprache, sondern auch das Produkt selbst mangelhaft ist. Eine Analogie aus dem Alltag: Wenn ich ein technisches Gerät kaufe und eine Anleitung im Stil einer automatischen Google-Übersetzung in der Verpackung finde, überzeugt mich das nicht unbedingt von der hohen Qualität des Produkts.

Mangelhafte Sprachverwendung = mangelhaftes Produkt?

Korrektur nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern aus Freude am selbst Geschaffenen

Nun halten die meisten Menschen (ich selbst nehme mich da nicht aus) das Korrekturlesen eigener Arbeiten für eine lästige und unangenehme Aufgabe, die eben deswegen allzu oft vernachlässigt wird. Ein Kollege hat mich nun aber mit einer ganz neuen und unkonventionellen Herangehensweise konfrontiert: Vielleicht ist es gar nicht so schwierig, sowieso notwendige Kontrollvorgänge emotional aufzuladen und die Motivation für das Testen der eigenen Arbeitsergebnisse zu steigern.

Kann das Lesen einer E-Mail mit glasklaren Sätzen und präzisen Argumenten kein Genuss sein? Ist es nicht spannend, einen selbst verfassten, logisch aufgebauten und interessanten Text anschließend noch einmal durchzugehen und sich die hohe Qualität der eigenen Arbeit zu vergegenwärtigen? Das lässt sich fortsetzen: Warum sollte sich ein Programmierer nicht an seiner tadellos programmierten Schleife oder seinem vorzüglich ausgestalteten Modul im Quellcode im Nachhinein nochmals erfreuen? Und ist das Wirken-Lassen eines eigenen hochklassigen Layouts kein Vergnügen?

Auch die Wahrnehmung der eigenen Person und der eigenen Leistung durch andere spielt hier eine Rolle, eben die ganz persönliche Eitelkeit. Unterlaufen uns Fehler und werden wir dabei ertappt, leidet unser Ansehen. Liefern wir möglichst optimale und fehlerfreie Ergebnisse, ernten wir Anerkennung und Respekt. Das ist kein unwesentlicher Zusammenhang.

Kontrolle ist erforderlich und es ist keinesfalls unseriös, wenn Freude und Stolz auf das eigene Arbeitsergebnis und ein gewisses Maß an Eitelkeit die wichtigsten Motivationsfaktoren dafür sind: Ich kontrolliere nicht aus reinem Pflichtgefühl und aus Verantwortung gegenüber Kunden und eigenem Unternehmen, sondern um meine Arbeit zu genießen und dafür anerkannt zu werden. Auf gute Ergebnisse darf man zu Recht stolz sein und sollte sich die angenehme (!) Zeit gönnen, diese noch einmal zur Kenntnis zu nehmen. In diesem Sinne:

Erfreuen Sie sich an Ihren Resultaten und schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

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