User-Tests: Whiteboards erleichtern die Systematisierung und erhöhen die Transparenz

Bei jedem User-Test gibt es einen Raum, in dem das Projektteam seine „Kommandozentrale“ einrichtet. Die Kommandozentrale ist ein wichtiger Ort bei einem User-Test und wird für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt: Per Remote-Viewing werden die Aufzeichnungen aus den Testräumen live auf einen Bildschirm gestreamt. Fragebögen, Instruktionen und andere Unterlagen werden hier verwaltet. Die Versuchsleiter können sich in Pausen hierhin zurückziehen. Mitarbeiter des Kunden haben die Möglichkeit, sich einen Eindruck vom Test zu verschaffen.

Ein zentrales Element in der Kommandozentrale ist das Whiteboard, eine klassische Weißwandtafel mit einer handvoll Stiften für Notizen. Wenn der Versuchsleiter nach jeder Test-Session auf dem Whiteboard die soeben gewonnenen Erkenntnisse kurz notiert, kann das Medium zu einem ganz wichtigen Instrument werden, um die Testergebnisse schnell zu systematisieren und dem Kunden Transparenz zu verschaffen.

Foto: Marc.Pilgrim

Abb.: Das mit Notizen zu befüllende Whiteboard ist ein wichtiger Faktor bei der Durchführung eines User-Tests

Whiteboards erleichtern die Systematisierung

Die Arbeit mit dem Whiteboard ist eine sehr gute Möglichkeit, um die in den User-Tests gefundenen Usability-Probleme zu systematisieren. In der Regel notiert der Versuchsleiter während des Tests alle Auffälligkeiten auf einem Zettel oder trägt sie direkt in eine Analyse-Software ein. Diese unmittelbare Dokumentation ist für die spätere Auswertung eine absolute Notwendigkeit.

Notizen auf einem Zettel haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie werden erst wieder bei der Auswertung hervorgeholt. Notiert der Versuchsleiter die gefundenen Probleme hingegen unmittelbar nach dem Test auf dem Whiteboard, kann er sich einen Überblick der Gesamtsituation verschaffen. Zusammenhänge und Strukturen werden deutlich, wiederkehrende Fehler stechen ins Auge.

Aus den isolierten Problemen der einzelnen Tests lassen sich so Problemkategorien abstrahieren und überlagernde Problembereiche identifizieren.

„Sag mal, was hältst du von diesem Problem?“

Ein weiterer positiver Effekt von Whiteboards: Die Erkenntnisse aus den Tests werden anderen Personen zugänglich gemacht, sie können plötzlich diskutiert werden. In gewisser Weise werden die Notizen aus dem privaten Bereich des Testraums in den öffentlichen Bereich des Gemeinschaftsraums gehoben. Sowohl andere Versuchsleiter als auch Mitarbeiter des Kunden geben Feedback zu den gefundenen Problemen und reflektieren die Erkenntnisse. Häufig führt das auch dazu, dass weitere Anekdoten aus dem Geschäftsalltag erzählt werden, die noch tiefere Einblicke ermöglichen (bspw. Erlebnisse aus dem First-Level-Support).

Whiteboards sind auch dann hilfreich, wenn mehrere Test-Sessions parallel zueinander stattfinden und die Versuchsleiter keine Gelegenheit haben, sich richtig auszutauschen. Via Whiteboard können sie dennoch miteinander kommunizieren und sich über die aktuellen Erkenntnisse auf dem Laufenden halten.

Usability-Experte Jared Spool empfiehlt statt eines Whiteboards kleine Klebezettel, die Beobachter mit Notizen füllen und diese Informationen nach den Tests zusammenführen sollen. Das Prinzip ist das gleiche: Wichtig ist die Visualisierung, die es ermöglicht, Notizen gemeinsam zu diskutieren und zu reflektieren, zu systematisieren und besser einzuordnen.

Kunden lieben analoge Medien und Live-Feedback

Es sind auch digitale Systeme zur Zusammenarbeit möglich, wie Wikis oder Google Wave. Doch so innovativ diese Möglichkeiten auch sind, wichtig ist und bleibt, dass der Kunde aktiv eingebunden werden kann. Dafür sind analoge Medien heute meist noch besser geeignet.

Für den Kunden sind User-Tests unbekanntes Terrain und eine Abwechslung vom Arbeitsalltag. Viele Kunden legen deshalb gesteigerten Wert darauf, in das Projekt involviert zu werden und beim User-Test live dabei zu sein. Für den Kunden ist die Kommandozentrale die zentrale Anlaufstelle, um sich über Fortschritte und Zwischenergebnisse zu informieren. Das Whiteboard ist ein Medium, über das direkt mit dem Kunden kommuniziert werden kann: Kommen Personen, die nicht unmittelbar an den Tests beteiligt sind, in den Raum, können sie sich anhand der Notizen schnell einen umfassenden Überblick verschaffen. Die Aufmerksamkeit für Ergebnisse des User-Tests wird nie wieder so hoch sein, wie während des Tests. Umso besser ist es, wenn man dem Kunden noch während des Tests (unverbindlich) erste Erkenntnisse liefern kann.

Bei der Durchführung eines User-Tests darf ein Whiteboard oder ein vergleichbares Medium nicht fehlen. Denn sowohl die Versuchsleiter als auch die Beteiligten auf Kundenseite profitieren davon, dass Informationen gemeinsam gesammelt werden und zentral zur Verfügung stehen. Im Grunde ist das Whiteboard eine Kollaborationsform wie ein Firmenwiki, das den effizienten Ablauf des User-Tests unterstützt und zu größtmöglicher Transparenz beiträgt.

Haben Sie Fragen zum Ablauf von User-Tests? Möchten Sie Ihre Anwendung professionell analysieren lassen oder benötigen Sie Hilfe bei der Durchführung eines User-Tests? Bitte sprechen Sie uns an und füllen Sie das Kontaktformular auf unserer speziellen Seite zum Thema User-Tests aus.

Weiterführende Informationen

Die Usability-Website von //SEIBERT/MEDIA/CONSULTING
Der User-Test: Die Königsdisziplin der Usability-Forschung
Die politische Bedeutung von User-Tests
Return on Investment von Usability
Der Moderator als multiple Persönlichkeit: Drei Rollen bei der Durchführung von User-Tests
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