Materialität, Haptik und Klickverhalten bei Websites

Unsere Zeit wandelt sich rasant und ebenso schnell verändern sich auch die technologischen Voraussetzungen und die Geschmacksmuster der Gesellschaft. Noch vor wenigen Jahren bedeutete Webdesign kaum mehr als die Abbildung in HTML programmierter Tabellen, führten große Datenmengen vor dem Hintergrund langsamer Internetverbindungen und extrem langer Ladezeiten doch zu massiven Problemen.

Inzwischen sind schnelle Verbindungen weit verbreitet und gestalterisch stehen zahlreiche Optionen wie zum Beispiel der Einsatz vieler Bilder zur Verfügung. Unter Webdesign wird deshalb heute eine Form von Interface verstanden, wie wir sie von Navigationsgeräten, Palms oder Handys kennen - besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das iPhone von Apple, dessen Oberfläche mit den Fingerspitzen bedient wird. Solche Gestaltungsformen muten immer wie die Bedienoberflächen technischer Geräte an, an denen Aktionen ausgeführt werden.

Webdesign im Wandel der Zeit

In meiner Wahrnehmung hat sich in letzter Zeit eine Veränderung der Ästhetik von Webdesign vollzogen. Für mich war eine Webseite früher eine zweidimensionale Fläche, auf der man Farbfelder, Texte und Bilder eher nebeneinander platziert hat. Die technischen Zwänge, eben großteils auf Bilder zu verzichten und viel über die Programmierung zu gestalten, haben sich inzwischen zumeist aufgelöst. Heute sehe ich eine Website viel mehr als dreidimensionale Oberfläche aus unterschiedlichen Materialien wie Glas, Metallen, Kunststoffen etc., sehe Knöpfe zum Draufklicken mit unterschiedlich assoziiertem Klickverhalten (kurzer präziser Klick, weicher Klick) und kann deutlich gewölbte Flächen und Erhöhungen, die Schatten werfen, erkennen. Das verdeutlichen zwei exemplarische Beispiele:

Ein aktuelles Projekt von //SEIBERT/MEDIA/DESIGN

Ein aktuelles Projekt von //SEIBERT/MEDIA/DESIGN

zwei aktuelle Projekte von //SEIBERT/MEDIA/DESIGN

Neue Anforderungen an Webdesign

Es könnte bei der Auslegung meiner Intentionen Missverständnisse geben, deshalb möchte ich Folgendes noch hinzufügen:

Es geht mir nicht darum, unsere Layouts mit beliebigen 3D-Grafiken zu versehen, um einem trendigen Look nachzueifern. Es geht mir primär darum, dass wir uns während des Gestaltungsprozesses Gedanken um Materialität, Haptik und Klickverhalten unserer Kunden machen. Grundlegende Corporate Design-Richtlinien werden nach wie vor die Gestaltung eines Webdesigns prägen, ebenso die Kernwerte, die ein Unternehmen vertritt.

Ob es sich bei diesen Assoziationen und Anmutungen, die unter dem Begriff Web 2.0-Style zusammengefasst werden, nur um einen vorübergehenden Trend handelt, oder ob sich diese Form des Webdesigns als Standard durchsetzen wird, ist offen. Doch grundsätzlich sollte die Option, neue Wege zu gehen, immer im Hinterkopf behalten werden.

It’s a must anyway.

Konzept und Text: Martin Riekert. Operationalisierung: Matthias Rauer.

Den //SEIBERT/MEDIA-Podcast abonnieren


Mehr über die Creative-Commons-Lizenz erfahren