Keine Tracking-Methode arbeitet fehlerfrei – das Beispiel Google Analytics

Wer die Statistiken mehrerer Tracking- und Analysemethoden miteinander vergleicht, wird feststellen, dass kein Ergebnis dem anderen gleicht und sich bei größeren Websites schnell einmal unerklärliche Differenzen von vielen Tausend Sessions für ein und denselben Zeitraum ergeben. Es drängt sich die berechtigte Frage auf, ob eine Besucherstatistik überhaupt völlig korrekt sein kann. Die Antwort ist: nein. Exemplarisch soll einmal am Beispiel von Google Analytics nach möglichen Gründen für Fehler und Ungenauigkeiten gesucht werden.

1. Google Analytics schließt systemisch alle Nutzer aus der Statistik aus, die JavaScript deaktiviert haben.

Wer in seinem Browser den JavaScript-Code nicht ausführt, wird folglich nicht gezählt. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass zwischen 6 und 12 Prozent der Nutzer ohne JavaScript browsen.

2. JavaScript-Tags werden bewusst unterdrückt, um die Erfassung und mögliche Nutzerprofil-Erstellung durch Google zu umgehen.

JavaScript-Tags wie derjenige, den Google Analytics verwendet, zielen darauf ab, Session- und Systeminformationen abzufragen. Solche Tags werden oft über Personal Firewalls ("Stealth") oder dedizierte Tools (lokal, Netzwerk) unterdrückt und der JavaScript-Code wird nicht ausgeführt. Hier gehen die Werte stark auseinander: Die Angaben zur Verwendung liegen zwischen 2 und 12 Prozent.

Es besteht Uneinigkeit darüber, inwieweit diese beiden Werte kumuliert werden können, da über Schnittmengen kaum etwas bekannt ist. Häufig deaktivieren allerdings vor allem Firmen JavaScript aus Sicherheitsgründen grundsätzlich und/oder filtern zusätzlich explizit nach Tracking-Mechanismen schon über die Firewall, die den HTML-Code säubert, und/oder zusätzlich lokal.

3. Ein weitere Problemquelle ist die Verfügbarkeit der Google-Server.

Grundsätzlich ist diese sehr hoch. Nichtsdestotrotz dürfte der Abruf einer Datei von einem dritten Server zwangsläufig zu (weiteren) Fehlern führen; insbesondere dann, wenn es sich nicht um einige wenige, sondern um tausende Abrufe (von tausenden Anwendern, die Google Analytics in ihre Websites integriert haben) handelt.

Keine aktuelle Tracking- und Analysemethode arbeitet einwandfrei. An dieser Situation wird sich höchstwahrscheinlich auch nichts ändern, im Gegenteil: Mehr Zugriffsarten führen eben zu mehr Fehlern, Pageviews für AJAX- und Flash-Applikationen lassen sich kaum ermitteln usw.

Auch die Statistiken von Google Analytics sind und bleiben somit (wenn auch relevante) Trends, die immer der Interpretation bedürfen. Über verifizierbare Nutzerdaten für seine Website soviel steht fest verfügt niemand. Wie bei allen Statistiken bleiben Längsschnitte, etwa Trends im Vorjahresvergleich, die einzig relevante Messgröße. Querschnitte, das "Hier und Heute", sind und bleiben mit Vorsicht zu genießende Annäherungen.

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