Usability by Popcorntüte

Usability-Engineering und Fünf-Minuten-Krimis

Es gibt „Usability-Engineering“ und Usability-Engineering. In vielen Unternehmen funktioniert eine Usability-Analyse in etwa so: Ein mehr oder weniger kompetenter Mitarbeiter sichtet eine Website, eine Applikation oder ein Web und hält die Usability-Probleme fest, die ihm auffallen. Zunächst ist dieses Vorgehen gar nicht zu kritisieren, denn einige wichtige Erkenntnisse ergeben sich daraus mit Sicherheit.

Zur Veranschaulichung möchte ich einen Begriff aus der, sagen wir einmal Trivialliteratur, heranziehen: Es gibt Bücher, die wie Popcorntüten funktionieren. Nennen wir diese Bücher „50 Fünf-Minuten-Krimis“ oder „100 Fußball-Anekdoten“ oder wie auch immer. Ich schlage eine beliebige Seite auf, lese einige Absätze und werde dabei einigermaßen gut unterhalten bzw. lerne etwas. Beim nächsten Mal lese ich an einer ganz anderen Stelle weiter und der Effekt ist derselbe. Zusammenhänge sind bei Büchern dieser Art ohne Bedeutung, jedes Popcorn schmeckt eben gut. Es gibt keinen Anfang und kein Ende.

Viele Unternehmen verfahren bei Usability-Analysen nach genau diesem Prinzip und viele Unternehmen halten dieses Vorgehen für Usability-Engineering. Und damit hat ein solcher Vorgang wenig zu tun.

Die Größe der Popcorntüte

Zurück zu unserem Experten, der sich mit der Applikation oder Website beschäftigt. Schließlich hat dieser die Probleme, die er erkannt hat, festgehalten und die Popcorntüte ist in seinen Augen gefüllt. Das mag aus seiner Sicht der Fall sein – doch woher will er wissen, ob die zu füllende Tüte eigentlich groß genug war, um tatsächlich alle Usability-Schwachstellen des Systems abbilden zu können? Er kann es nicht wissen, denn sein Vorgehen hat keinen definierten Anfang und kein festgelegtes Ende. Oder: Er weiß einfach nicht, ob er fertig ist. Das ist der Unterschied:

Bei professionellem und systematischem Usability-Engineering ist von vornherein definiert, wie groß die Popcorntüte ist. Zu einem professionellen Prozess gehört ein professioneller und vor allem systematischer Ablauf.

Mit System zu professionellen Ergebnissen

Expertenbasierte Usability-Analysen von //SEIBERT/MEDIA erfolgen nach dem Prinzip der Guided Usability Inspection, die zwei etablierte Methoden der Usability-Forschung miteinander kombiniert.

Bei der Richtlinienprüfung wird ein System auf mehr als 100 empirisch gesicherte Richtlinien hin überprüft, die unterschiedlich gewichtet werden und jeweils auch den Grad eines Usability-Problems abbilden. Die Heuristische Evaluation ist das flexiblere Pendant zum starren Prüfkorsett der Richtlinienprüfung. Hier untersucht der Experte, ob die die Anwendung wichtige grundlegende Voraussetzungen – die so genannten Heuristiken – erfüllt.

Diese Methoden sind unabhängig voneinander anwendbar und können in einem ausführlichen Abschlussbericht zusammengeführt werden. So entsteht ein nahezu vollständiges Bild von der Usability eines Systems. Ein darauf aufbauender Maßnahmenkatalog enthält Handlungsempfehlungen zur Behebung der erkannten Probleme und zur gezielten Optimierung der Applikation oder des Webs.

Die Guided Usability Inspection ist das systematische und professionelle Äquivalent zu Usability by Popcorntüte.

Usability by Popcorntüte ist vollständig abhängig von der Kompetenz, der Tagesform und auch der Zeitausstattung desjenigen, der die Tüte füllt. Gewiss resultieren daraus Erkenntnisse, aber eben nicht alle und auch nicht alle wesentlichen. Potenzielle Erkenntnismöglichkeiten bleiben also ungenutzt. Das ist ineffizient, denn das Verfahren könnte mit dem gleichen oder gar weniger Aufwand systematisch durchgeführt werden und so tatsächlich verlässliche, verwertbare, aussagekräftige und umfassende Ergebnisse erzielen.

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