Informationsarchitekturen 1: Fünf häufige strukturelle Fehler

Die gute Informationsarchitektur einer Website bildet die Grundlage für eine ausgezeichnete Usability und für hervorragende Nutzererlebnisse. Eine schlechte Informationsarchitektur wiederum ist einer der häufigsten Gründe für Nutzungsabbrüche. Usability-Experte Jakob Nielsen hat sich einmal mehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt; seine Erkenntnisse und Ansichten fassen wir zusammen. Dieser Artikel widmet sich zunächst Fehlern struktureller Natur, der zweite Beitrag geht auf Probleme durch schlechte Navigation ein.

1. Gar keine Struktur

Es gibt Websites, deren spezifische Inhalte gar nicht erst strukturell organisiert sind, die schlimmste aller Usability-Sünden im Hinblick auf Informationsarchitekturen. Nielsen entwirft hier das Bild eines großen Sumpfes: In diesem kann man freilich (beispielsweise mithilfe der Suche) nach Informationen fischen; das Problem indes ist damit nicht aus der Welt, denn die so zutage geförderten Informationen stehen in keinerlei Kontext.

Insbesondere News-Seiten oder E-Commerce-Websites begehen den Fehler, jeden Beitrag oder jedes Produkt im Grunde alleinstehend abzubilden, ohne Bezug zu anderen Inhalten oder Artikeln herzustellen. Eine Website, deren Struktur sich nicht intuitiv erschließt, dürfte es schwer haben, dauerhaft erfolgreich sein.

2. Keine Informationen über die inhaltliche Umgebung

Häufig unterschätzt wird die Tatsache, dass Nutzer in den seltensten Fällen auf der Homepage ankommen und sich von dort aus in Ruhe durch die Website klicken. Vielmehr werden sie in aller Regel von einer Suchmaschine irgendwo innerhalb der Website abgesetzt. Nielsen bemüht hier einen weiteren netten Vergleich: Wer per Fallschirm über einer Stadt abspringt, dürfte kaum auf der Schwelle seines Lieblingsrestaurants landen; um dorthin zu gelangen, wird er zumeist noch ein Stückchen laufen oder gar ein Taxi nehmen müssen.

User möchten und brauchen Informationen darüber, wo innerhalb einer Website sie sich befinden, um an ihr eigentliches Ziel zu gelangen; sie müssen die Nachbarschaft der Stelle erkunden können, an der die Suchmaschine sie abgesetzt hat. Dabei muss die Website-Struktur dem Nutzer helfen.

3. Keine Einstiegsseiten

Viele Websites verzichten auf zusammenfassende Einstiegsseiten, die Nutzern Orientierung im Hinblick auf die untergeordneten Inhalte bieten. Das widerspricht dem Interesse des Users: Er möchte sich einen Überblick über jede Sektion von Informationen verschaffen, ehe er sich entscheidet, ob er diese tiefer durchdringt oder nicht.

Freilich sollte eine solche Seite auch entsprechend zu erkennen sein. Ist sie nicht zweifelsfrei als Einstiegsseite in eine ganze Rubrik zu identifizieren, werden Nutzer wichtige untergeordnete Informationen nicht zur Kenntnis nehmen.

4. Extreme Polyhierarchien

Nahezu alle Gegenstände in der wirklichen Welt lassen sich polyhierarchisch ordnen, und auch bei vielen Web-Inhalten ist die polyhierarchische Strukturierung durchaus sinnvoll. Gefährlich sind Polyhierarchien, wenn sie nicht gründlich konzipiert, wenn Oberkategorien unüberlegt erstellt und missverständlich benannt und wenn Produkte bzw. Inhalte zu vielen verschiedenen Ebenen zugeordnet sind.

User hadern erfahrungsgemäß mit vielen Oberkategorien (und erst recht wenn sie schlecht benannt sind), weil sie nicht sofort erkennen, welcher Weg ans Ziel führt, und sind irritiert, wenn sie feststellen, dass ein und dasselbe Produkt an mehreren Stellen zu finden ist.

5. Nicht vollständig integrierte Subsites

Microsites eignen sich nach wie vor, um im Rahmen von Marketing-Kampagnen neue Leistungen oder Produkte zu promoten. Häufig geschieht dies aber nicht in Form einer separaten Microsite, die auf eine Kampagne zugeschnitten ist, sondern es wird kurzerhand  ein neuer Seitenkomplex mit Informationen über ein neues Produkt erstellt und in die bestehende Unternehmens-Website eingebunden.

Die vollständige Integration einer solchen Subsite allerdings wird leider häufig vernachlässigt: Produktspezifische Seiten enthalten keine über die Kampagne hinausgehenden Informationen zum Unternehmen, Subsites werden nicht vernünftig an die interne Suche angeschlossen usw. Konsistenz innerhalb einer Website ist ein wesentliches Usability-Kriterium.

Weitere Informationen

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