Google Wave: Ein Ausblick auf eine neue Stufe der Unternehmenskommunikation

Das Logo von Google WaveWann wurde einer noch nicht veröffentlichten Software zuletzt so viel Aufmerksamkeit geschenkt und wann wurde eine Anwendung mit so vielen Vorschusslorbeeren bedacht wie Google Wave? Wave wurde am 27. Mai auf der Google-I/O-Konferenz vorgestellt und kann sich seitdem über mangelndes Interesse wahrlich nicht beklagen – inzwischen fast drei Millionen YouTube-Klicks auf eine 80-minütige Präsentation sprechen eine deutliche Sprache, schnell haben Buzzwords wie Intranet 2.0 oder gar Kommunikation 3.0 die Runde gemacht, von Web 3.0 ist sowieso die Rede.

Entwickelt wurde das Tool von den Brüdern Lars und Jens Rasmussen, die schon an Google Maps maßgeblich beteiligt waren. Im Laufe des Jahres soll Wave als Open-Source-Anwendung (!) frei zugänglich gemacht werden.

Das Konzept

Steht nun so etwas wie eine Revolution der (Unternehmens-)Kommunikation ins Haus? Google Wave (das auf HTML 5 basiert und also komplett im Browser arbeitet) ist in GWT (Google Web Toolkit) programmiert. (Dieses Framework wird auch //SEIBERT/MEDIA in Kürze im Projekteinsatz verwenden.) Wave wartet in der Tat mit einem völlig neuen Konzept auf und soll die Online-Kommunikation und -Zusammenarbeit gehörig verändern. Das Ziel ist kein geringeres, als die heute etablierten Kommunikations- und Kollaborations-Tools in einem System zu vereinen.

„Zwei der erfolgreichsten Wege der digitalen Kommunikation, E-Mail und Instant Messaging, wurden bereits in den 60er Jahren entwickelt. Seitdem sind so viele verschiedene neue Wege eingeschlagen worden – Blogs, Wikis, kollaborative Dokumente etc. –, Computer und Netzwerke haben sich enorm verbessert. Mit Google Wave schlagen wir eine neue Art der Kommunikation und Online-Zusammenarbeit vor, die diese Fortschritte zum Ausgangspunkt hat.“
Lars Rasmussen

Auf einer Web-Oberfläche (die einen sehr guten Eindruck macht, soweit das derzeit zu beurteilen ist; über die Usability lassen sich indes freilich noch keine Aussagen treffen, zumal Google zuletzt auch unbefriedigende Ergebnisse geliefert hat) werden alle Elemente einer Konversation (E-Mail-Nachrichten, Chats, Videos oder Dokumente) in einer sogenannten Wave zusammengefasst. Diese können nach dem Wiki-Prinzip mehrere Nutzer gleichzeitig einsehen, modifizieren und ergänzen und so miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten.

Die Wave wird von einem User gestartet, der andere Nutzer einlädt, an der Kommunikation teilzunehmen. Diese können nun sämtliche Inhalte der Wave selbst bearbeiten oder ergänzen. Alle Veränderungen werden in Echtzeit aktualisiert und dabei protokolliert. Dank einer Replay-Funktion ist der Verlauf der Wave bis zum Anfang zurückverfolgbar.

Lars Rasmussen weiter:

„Eine Wave ist gleichzeitig Unterhaltung und Dokument. In der Wave kann man sich unterhalten (und dabei Bilder, Videos, Maps und mehr einbinden) und vor allem auch gemeinsam arbeiten.”

Soweit das Grundkonzept. Was soll Google Wave nun tatsächlich können?

Die wichtigen Features

Live Transmission: Alle Inhalte einer Wave werden in Echtzeit und für alle Teilnehmer der Wave aktualisiert. Wartezeiten sollen so verkürzt und die Konversation deutlich schneller als per E-Mail oder Chat werden. (Die Funktion Live-Aktualisierung wird optional für jede Wave deaktivierbar sein.)

Conversation History: Personen, die später an einer Wave mitarbeiten, können den kompletten Verlauf einsehen, da dieser vollständig protokolliert wird.

Private Reply: Innerhalb einer Wave sind jederzeit geschützte, private Konversationen möglich, die nur für die teilnehmenden Personen einsehbar ist.

Attachements: Anhänge können einfach per Drag-and-Drop in eine Wave integriert werden. Bilder, die in eine Wave gezogen werden, erscheinen sofort bei den anderen Teilnehmern.

Neue Waves: Jede bestehende Wave kann zu einer neuen Wave konvertiert und als neue Wave ohne Historie nach Belieben weiterbearbeitet werden.

Live-Übersetzung (Rosy): Diese Erweiterung soll in Echtzeit zwischen 40 Sprachen übersetzen und die Kommunikation mit anderssprachigen Personen erleichtern. (Auf die Qualität darf man gespannt sein.)

Rechtschreibprüfung (Spelly): Spelly ist die in Google Wave integrierte Rechtschreibprüfung, die Eingaben schon während des Schreibens analysiert und korrigiert bzw. gegebenenfalls Korrekturangebote macht. Per Spell Checker werden Tippfehler korrigiert.

Suche (Searchy): Searchy ist  eine sehr schnelle Suchfunktion, die live aktualisiert wird, sobald neuer, passender Inhalt vorhanden ist.

Blog-/Kommentarfunktionen (Bloggy): Blogger können eine Wave in den eigenen Blog einbinden, Kommentare im Blog werden als Wave verwaltet. Sämtliche Konversationen in mehreren Blogs sollen über die Google-Wave-Oberfläche administriert werden können.

Links (Linky): Linky wandelt URLs automatisch in Links um. Zudem können andere Waves verlinkt werden. Verlinkte YouTube-Filme bettet die Erweiterung direkt als Videos ein.

Twitter (Tweety): Die Integration des Micro-Blogging-Dienstes Twitter ermöglicht die Tweety-Erweiterung.

Google Maps (Mappy): Die Erweiterung erlaubt die einfache Einbindung von Google-Maps in Waves.

External APIs: Als Open-Source-Software soll Google Wave eine Programmierschnittstelle beinhalten, über die eigene Erweiterungen entwickelt werden können.

Einen eindrucksvollen Überblick über die Features von Google Wave gibt dieses Video, ein kompakter Zusammenschnitt der Präsentation auf der I/O-Konferenz:

Die Aussichten

Ohne in voreilige Begeisterungsstürme ausbrechen zu wollen: Wenn nicht alle ersten Eindrücke täuschen und sich Google Wave nach dem Release schnell verbreitet (und natürlich fehlerlos funktioniert), dürfte Google Wave die (Unternehmens-)Kommunikation gehörig umkrempeln.

Beeindruckend ist die schiere Funktionenvielfalt. Nicht, dass jede Funktionalität für sich revolutionär wäre – ihre Bündelung in einem System ist es mit Sicherheit. Google Wave ist tatsächlich ein „Angriff“ auf E-Mail und Chat, auf Micro-Blogging- und Instant-Messaging-Dienste und selbst auf die sozialen Netzwerke wie Facebook: Diese Funktionen in Verbindung mit wichtigen Wiki-Features soll Google Wave nahezu lückenlos abbilden und sogar um weitere Funktionalitäten wie die Chat-Übersetzung in Echtzeit ergänzen: Bereits in der Demo-Version von Wave ist beispielsweise die vollständige Integration von Twitter zu sehen. Über kurz oder lang wird Google Wave insbesondere Instant-Messaging- und Micro-Blogging-Tools möglicherweise schlicht überflüssig machen.

In der Unternehmenskommunikation könnte Google Wave zunächst partiell einbezogen werden: Insbesondere für Gruppen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, dürfte Wave eine ausgezeichnete Kommunikations- und Kollaborationsplattform sein. Fraglich ist allerdings, inwiefern Wave mit dem gewohnten E-Mail-Verkehr konkurrieren kann: Momentan kann nicht zwischen dringlichen und weniger wichtigen Nachrichten unterscheiden werden, die nicht sofort stören sollen – ein ernstzunehmender Schwachpunkt.

Voraussetzung dafür ist für viele Unternehmen freilich die Datensicherheit. Wie zumeist, wenn der Name Google im Spiel ist, schlagen auch jetzt die ersten Datenschützer Alarm und fällt das Schlagwort vom „gläsernen Nutzer“. Aus Unternehmenssicht kann hier wohl zunächst Entwarnung gegeben werden: Google Wave wird nicht nur Open Source (und damit an spezifische Bedürfnisse anpassbar) sein, sondern auch als Server-Version zur Verfügung stehen.

Wir sind sehr gespannt, ob es sich bei Wave um die vielbeschriebene „perfekte Welle“ und damit um den nächsten wirklich großen Wurf von Google handeln wird. Vielversprechend ist Google Waves allemal, macht schon jetzt einen sehr ausgereiften Eindruck und fußt auf einem innovativen Konzept. Um ein Strohfeuer handelt es sich aller Voraussicht nach zumindest nicht.

Zur Google-Wave-Landing-Page von //SEIBERT/MEDIA

Weitere Informationen:

Die Google-Wave-Website
Die Google-Wave-Website für Entwickler
Google Wave: Die nächste Web-Revolution steht an
Wie Google Wave die Online-Kommunikation verändert
Google Wave: La Ola für Web-Sitzenbleiber


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