Google Suggest: Manipulationsmöglichkeiten der Vorschlagslisten

Im ersten Artikel zum Thema Google Suggest haben wir uns mit Vorgehensweisen gegen diskreditierende Suchphrasen beschäftigt, die Google anbietet. Nach diesem kleinen Praxisbericht wollen wir nun prüfen, welche Möglichkeiten der Einflussnahme sich anbieten und wie seriös, zielführend und nachhaltig diese sind.

Google Suggest im Visier der SEO-Agenturen

Google Suggest ist inzwischen zu einem beachtlichen Geschäftszweig von SEO-Agenturen geworden, die sich bemühen, Suchergebnisse zu manipulieren. Ein Stichwort heißt in diesem Zusammenhang „Reputation Management": Es geht also um Einflussnahme darauf, dass ein Personen- oder Unternehmensname nicht zusammen mit negativen Begriffen vorgeschlagen wird – ein ganz seriöses und nachvollziehbares Interesse an der Image-Pflege also.

Auf der anderen Seite gibt es durch Marketingeffekte getriebene Ansätze. Manche Unternehmen haben großes Interesse daran, bei bestimmten Suchbegriffen – Fernreisen, Immobilien, Schuhe, Skifahren, Reifenwechsel oder was auch immer – mit ihren Marken aufzutauchen. Und es gibt Agenturen, die versuchen, genau das zu bewerkstelligen.

Abb.: Viele Unternehmen streben genau dies an: Mit ihrem Firmennamen bei allgemeinen Begriffen vorgeschlagen zu werden.

Manuelle Beeinflussung der Vorschlagslisten

Wie in unserem Praxisbericht erwähnt besteht die Möglichkeit, die Suchanfragen manuell zu beeinflussen: Theoretisch kann man einfach selbst die Suchkombination eingeben, die man in die Vorschlagsliste hieven möchte, und dies an mehreren Rechnern wiederholen. Google soll „denken“, dass viele verschiedene Nutzer die betreffende Suchphrase eingeben, und diese somit als relevant einstufen. Das ist natürlich nur auf einer sehr niedrigen Ebene praktikabel, da niemand Zugang zu Hunderten oder Tausenden Rechnern hat. Wirksam wäre ein solches Vorgehen aber mit Sicherheit.

Alternativ hierzu könnte man die eigenen Mitarbeiter involvieren und beispielsweise im Intranet oder im Firmenwiki einen Link zu einer Google-Suche anbieten, den die Mitarbeiter (am besten von verteilten Standorten oder von zu Hause aus) anklicken sollen. Auch hier wird die Konversionsrate aber kaum hoch genug sein, um prominente Suchphrasen aus der Vorschlagsliste zu verdrängen (die ja auf zehn Vorschläge begrenzt ist).

Manipulationen in der Grauzone

Die angesprochenen Agenturen gehen zwangsläufig anders vor und bemühen Maßnahmen, die in einem Graubereich liegen: Rechtswidrig sind sie nicht, entsprechen aber auch nicht den Google-Richtlinien. Eine häufig genutzte Möglichkeit bieten sog. iFrames: Auf einer Website wird neben den Design-Elementen und dem Content ein pixelgroßer, in der Regel unsichtbarer iFrame geladen, der die Google-Suche mit einer bestimmten Suchphrase beinhaltet. Jeder Nutzer, der die Website besucht, führt im Hintergrund also automatisch eine entsprechende Google-Anfrage durch.

Erstaunlicherweise funktioniert diese Manipulation zumindest bei wenig frequentierten Suchbegriffen tatsächlich. Obwohl Google eigentlich bemerken könnte und müsste, dass alle Anfragen von der gleichen Seite aus durchgeführt werden. Man kann zwar davon ausgehen, dass diese Maßnahme keine langfristige Wirkung hat, aber immerhin tritt der gewünschte Effekt offensichtlich erst einmal ein.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, mittels Spam viele Nutzer dazu zu bringen, eine Google-Suche auszuführen. Das ist natürlich dubios, aber wahrscheinlich dennoch wirksam und vor allem eine nachhaltige Lösung, weil Google sie nicht nachvollziehen kann.

Drittens können Agenturen reale Nutzer engagieren, die für ein geringes Entgelt im Internet surfen, wie es das Unternehmen wünscht, und das Marketing des Unternehmens damit positiv beeinflussen. Hier wird häufig auf Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern zurückgegriffen. Auch diese Aktivitäten sind gewiss nicht seriös, die Effekte aber ebenfalls nachhaltig.

Spekulationen und vermeintliche Automatisierung

Darüber hinaus finden sich im Netz etliche Spekulationen über die Beeinflussbarkeit von Google Suggest. Eine Empfehlung lautet, Content zu schaffen, der die gewünschten Suchphrasen unterstützt. Ob und wie genau das funktionieren und wirken mag, ist allerdings nicht klar. Jedoch scheint es durchaus so zu sein, dass Content einen gewissen Einfluss hat: Im Internet wimmelt es in der Tat von Suchvorschlägen, von denen man sich nie und nimmer vorstellen kann, dass sie wirklich jemand eingegeben hat. Möglicherweise könnten solche Phrasen also aufgrund der Inhalte in die Vorschlagslisten übernommen worden sein.

Viele Vorschläge sind in Sachen Seriosität zweifelhaft oder driften ins Reich der Spekulation ab. Worauf ich hinaus will: Es gibt Agenturen, die behaupten, Google-Suggest-Manipulationen im Griff zu haben und automatisiert abbilden zu können. Im Rahmen unserer Beratung sind wirklich abenteuerliche Anbieter auf uns zugekommen, die den Eindruck erweckt haben, dass sie gewünschte Begriffskombinationen einfach selbst in die Datenbank eintragen könnten. Antworten auf konkrete Fragen und vor allem konkrete Ergebnisse ist man allerdings schuldig geblieben.

Man muss den Eindruck bekommen, dass vielfach versucht wird, mit dubiosen und vermutlich nicht wirklich ergebniswirksamen Aktivitäten Geld zu verdienen.

Weiterführende Informationen

Google Suggest: Ein Praxisbericht zum Vorgehen gegen diskreditierende Suchphrasen
Globales Suchmaschinen-Marketing darf nicht nur auf Google setzen
SEO und SEM: Suchphrasen werden länger
Kuriose Google Suggestions im Blog GoogleLOLz


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