Checkins bei Facebook, Gowalla, Foursquare und Qype: Toll oder sinnlos?

In den letzten Wochen habe ich immer dann, wenn es die Zeit erlaubte, an allen möglichen Orten "eingecheckt": Ich habe also einer mobilen Applikation gesagt, dass ich möchte, dass andere wissen, dass ich mich gerade an diesem Ort aufhalte.

Checkins sind im Web bereits ein alter Hut. Dienste wie Foursquare und Gowalla, die sich genau auf diese Art von "ortsbezogenen Informationen" spezialisiert haben, werden in den USA und auch in Deutschland schon seit Monaten, ja Jahren gerade von Geeks sehr intensiv genutzt.

Aber warum?

Checkins sind ein Hype

Egal wie Sie persönlich dazu stehen, dass immer mehr Menschen in der Öffentlichkeit kundtun, wo sie sich gerade aufhalten: Es ist total "in". Nach Foursquare und Gowalla kamen Yelp und Qype und kürzlich auch Facebook mit entsprechenden Funktionen auf den Markt. Seit Jahren bietet Twitter bereits an, die Statusmeldungen mit Geo-Daten anzureichern. Spätestens mit dem Eintritt von Facebook steht angesichts der Reichweite für mich fest: Internet-Berater und -Agenturen müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen und Fragen beantworten können.

Können Sie diese Fragen zu Geo-Diensten und Ihrem Marketing beantworten?

Fragen, die sich Unternehmen stellen sollten

  • Soll ich bei Facebook jetzt lieber einen Place (Ort, Platz) oder eine Page (Seite) betreiben? Oder soll ich diese mergen?
  • Was sollten Filialisten machen?
  • Ist es sinnvoll, dass mein Geschäft bzw. meine Firma einen Eintrag in Facebook, Qype, Yelp, Gowalla und Foursquare hat? Wo liegen die Vor- und Nachteile?
  • Muss ich die Checkins, Kommentare und Tipps überwachen? Was passiert, wenn ich das nicht mache? Was passiert, wenn ich gar nichts mache?
  • Wie viel Zeit kostet ein aktives Management? Ist es nicht viel authentischer, wenn die Nutzer das selbst machen?
  • Will ich diese Vergünstigungen für Leute, die einchecken, anbieten? Will ich das Einchecken vielleicht sogar aktiv dadurch fördern, dass ich Aufkleber anbringe oder anderweitig darauf aufmerksam mache? Wie berechne ich den Return on Investment für diese Aktivitäten?

Fragen, die sich Einzelpersonen stellen sollten

  • Will ich selbst bei diesem "Eingechecke" teilnehmen? Welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen?
  • Wie reagiere ich darauf, wenn andere einchecken?
  • Was tue ich, wenn andere mich einchecken? (Facebook bietet eine Funktion, bei der Sie auch angeben können, dass andere Personen mit Ihnen an einem bestimmten Ort sind. Gerade wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Geo-Informationen veröffentlicht werden, sollten Sie sich ggf. mit dieser Option und deren Unterbindung auseinandersetzen.)
  • Checke ich an jedem Ort ein, an dem ich vorbeikomme? Muss eine bestimmte Zeit verstreichen?
  • Teile ich die Informationen über meine Checkins nur innerhalb des Dienstes oder auch auf Twitter und Facebook?
  • Welche Dienste sollte ich nutzen?
  • Welchen Nutzen habe ich persönlich von den Checkins?
  • Welche Gefahren gibt es? Handelt es sich um eine geschäftlich sinnvolle oder um eine Freizeitaktivität?
  • Wie rechtfertige ich mich für meine Checkins bei anderen, die keinen Sinn in dieser Aktivität sehen?
  • Checke ich aktiv auch andere Personen ein? Und wenn ja, wie gehe ich dabei vor?

Kein Hype ohne Berater

Es ist vollkommen egal, ob etwas sinnvoll ist oder nicht. Wenn ein Thema eine gewisse Aufmerksamkeit erfährt, findet sich auch jemand, der sich zur Beratung berufen fühlt. Und auf diese Weise werden viele Social-Media-Berater auch zu den sog. "Location-based Services" etwas zu sagen haben. Aber was?

Checkins sind ein Spiel

Der wirkliche Nutzen von Checkins beschränkt sich ganz klar auf den B2C-Bereich, also auf Beziehungen zwischen Unternehmen und Endkunden. Betreiben Sie ein Café oder einen Laden mit Laufkundschaft? Dann sind Checkins heute schon wirklich wichtig für Sie und Sie sollten sich schleunigst um gute Beratung kümmern.

Sind Sie im Geschäftskundenbereich tätig und fertigen industriell Halbfertigzeuge für die Raumfahrt? Dann sind Checkins im besten Fall eine nette Freizeitbeschäftigung, haben in Ihrem Unternehmen aber keine große Relevanz.

Dass Checkins ein Spiel sind, haben die meisten Anbieter bereits erkannt und belohnen die Teilnehmer für Ihre Aktivität mit virtuellen Auszeichnungen, Punkten und Ranglistenplatzierungen. Nichts, wofür man sich ein Wassereis kaufen könnte. Aber was tun wir Menschen nicht für ein virtuelles Schulterklopfen? Und wenn's nur ein Automat ist, der uns die "Wanderer"-Medaille überreicht. Besser als nichts, oder? Lachen Sie etwa? Dann sollten Sie sich mal mit dem Geschäftsmodell von Zynga auseinandersetzen. Die verdienen Unsummen mit Spielen dieser Art. Leider ist das Unternehmen noch nicht börsennotiert, aber sollte das mal der Fall sein ... 🙂

Ach ja, und diesen Artikel schreibe ich übrigens auch insbesondere deshalb, um unten einen Kommentar einzusammeln. Denn beruflich haben wir heute nicht viel mehr als einen Kaffee und viele Gedanken zum Thema anzubieten. Also schreiben Sie einen Kommentar und klopfen Sie mir auf die Schulter. Es ist ein Spiel. Genau wie bei Foursquare oder Gowalla.

Für Ladengeschäfte und die Gastronomie sind Checkins ein Segen

Es will mir nicht in den Kopf, dass gerade Gastronomie und Hotellerie offenbar zögern, die Geo-Dienste liebzuhaben. Denn hier könnten Checkins richtig Spaß machen. Dafür gibt es gute Gründe:

Checkins sind eine authentische Form der Mund-zu-Mund-Propaganda
Wenn Menschen in meinem Restaurant oder Café einchecken, machen Sie damit Werbung für mich. Sie sagen ihren Freunden: "Schaut her! Ich bin im Kaffee Seibert Allerlei und trinke eine heiße Schokolade." Gibt es eine bessere, authentischere Form der Mund-zu-Mund-Propaganda?

Wenn Ihnen Ihr Freund Franz erzählt, dass er gestern im exklusiven Seibert Allerlei eine heiße Schokolade getrunken hat, könnte er auch einfach hochstapeln. Vielleicht war er gar nicht da. Wenn Franz das aber über einen Checkin kundtut, habe ich Beweise dafür, dass es stimmt: Er ist in diesem Moment tatsächlich dort. Ich könnte, wenn ich in der Nähe wäre, hingehen und es überprüfen. Und ich weiß, dass das Programm auf dem Telefon den Checkin nur zulässt, wenn Franz wirklich in der Nähe ist. In jedem Fall ein ziemlich valides Statement, oder?

Unternehmen sollten Checkins fördern
Wenn ich ein Unternehmen betreibe, ist es also gut für mich, wenn Leute bei mir einchecken. Warum also Checkins nicht fördern? Ein Café könnte dieses Verhalten ohne großen Aufwand unterstützen, indem es einen Aufkleber oder ein Plakat anbringt. Auch in der Speisekarte könnte ein Hinweis stehen. Das ist natürlich nichts für Restaurants mit Michelin-Stern. Aber in Etablissements, die heute eh schon kostenfreies WLAN anbieten, dürfte das sicherlich prima funktionieren.

Special-Angebote für treue Gäste
Einige Unternehmen legen Treue- und Bonusprogramme auf, um Kunden zu belohnen, die besonders häufig vorbeikommen und konsumieren. Das lässt sich mit den Geo-Diensten auch digital umsetzen. So hat Starbucks dem Foursquare-"Mayor" – als "Bürgermeister" eines Ortes wird der Benutzer mit den meisten Checkins bezeichnet – bei jedem Besuch einen kostenlosen Kaffee ausgegeben. Das hat zu ziemlich viel Hype und zahlreichen Besuchen geführt. Auch Qype bietet ähnliche Gutschein-Aktionen an.

Kurz zusammengefasst: Restaurants und Cafés sollten rasch verstehen, was Checkins sind und wie sie mit diesem Konzept umgehen können. Vielleicht lässt es sich sogar in das Marketing integrieren? Andere Unternehmen sollten Checkins zumindest nett finden, auch wenn sie vermutlich nicht direkt zur Umsatzsteigerung beitragen werden.

Warum checken die Menschen überhaupt ein?

Auf einen Checkin in einem Hotel in Kopenhagen hin fragte mein Schwager bei Facebook: "Und wen interessiert das?" Ja, das war eine gute Frage. Wen interessiert es, dass ich mich in einem Hotel in Kopenhagen befinde? Meine Antwort "Dich offensichtlich nicht." war nicht wirklich wegweisend.

Hier sind ein paar ehrliche Versuche einer Antwort in der Reihenfolge der Relevanz für mich persönlich:

  1. Ich checke ein, weil es andere Leute, die ich kenne, auch tun.
  2. Ich checke ein, weil es hip ist und weil ich herausfinden möchte, warum andere einchecken. Das ist letztendlich Teil meines Jobs.
  3. Ich bin selbst Unternehmer. Auch für mein Unternehmen ist es gut, wenn unsere Mitarbeiter hier einchecken und die Aufmerksamkeit ihrer Freunde damit auf unser Unternehmen lenken. Wenn ich selbst einchecke, fördere ich das indirekt.
  4. Es ist lustig, wenn man herausfindet, dass ein Bekannter schon einmal am gleichen Ort eingecheckt hat. Noch toller ist es wahrscheinlich, wenn man beim Checkin merkt, dass ein Freund in diesem Augenblick ebenfalls hier irgendwo ist. (Das habe ich bisher noch nicht erlebt, stelle es mir aber sehr cool vor.)
  5. Einige Leute sagen, dass es toll sein könnte, wenn auf einmal Freunde auftauchen, nachdem man irgendwo eingecheckt hat, weil diese gerade in der Nähe waren. Ich kann mir allerdings viele Situationen vorstellen, in denen das nicht gut passt. Aber als letzter Motivationsgrund tut's dieser Aspekt auch.

Reichen diese zugegebenermaßen wenig überzeugenden Argumente aus, um meinen Schwager davon zu begeistern, selbst einzuchecken? Nein. Aber das ist ja auch gar nicht das Ziel. Es ist eben schon so, dass "die Welt eincheckt". Es spielt gar keine Rolle, ob mein Schwager es auch tut oder nicht. Wenn er sich aber irgendwann dazu entschließen sollte, ein Café zu eröffnen, sollte auch er besser einchecken. 🙂

Und wie sieht's bei Ihnen aus? Wie stehen Sie zu Geo-Diensten wie Facebook Places, Gowalla, Foursquare und Qype. Sind Sie dabei? Warum? Wie sieht man das in Ihrem Unternehmen? Haben Sie Antworten auf noch mehr der oben aufgeworfenen Fragen?

Ich freue mich über jeden Kommentar. Denken Sie daran: Ist wie ein virtuelles Schulterklopfen. 🙂


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