Social Media und Projektmanagement: Martin Seibert im Interview mit PMTV

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Seit einiger Zeit betreibt Stefan Hagen (häufig zusammen mit Bas de Baar, ebenfalls Blogger und Projektmanagement-Berater) den Video-Podcast Projektmanagement TV: Im Rahmen von Skype-Konferenzen werden aktuelle Entwicklungen diskutiert und Interviews mit interessanten Gesprächspartner aus der "Szene" geführt.

Martin Seibert im Interview zu Social Media und Projektmanagement

Im Rahmen des PMTV-Specials "Projektmanagement und Social Media" ist nun Martin Seibert, Geschäftsführer von //SEIBERT/MEDIA, zu Wort gekommen.

Die wichtigsten Aussagen des Interviews

Social Media und Projektmanagement: Passt das überhaupt zusammen?
Ja, das passt hervorragend zusammen und wird noch viel stärker zusammenwachsen. Zwar muss sich Social Media in vielen Unternehmen zunächst gegen bestehende Intranet-Systeme behaupten und beweisen – so geschehen auch bei //SEIBERT/MEDIA und unserem Firmenwiki. Nach der Durchsetzung und Einführung eines Wikis gab es bei uns aber eine regelrechte Explosion. Seitdem wird vor allem die Web-2.0-Anwendung Wiki in unserem Unternehmen sehr stark genutzt.

Gerade das Wiki-Konzept ist inzwischen in Unternehmen angekommen, es gibt eine Vielzahl von Anwendungsfällen und Pro-Wiki-Argumenten. In vielen Unternehmen ist das Wiki heute die zentrale Web-2.0-Applikation, die gerade auch im Projektmanagement ihren Nutzen entfaltet. Darüber hinaus sind Micro-Blogging und Echtzeitkommunikation zu nennen. Nach dem vorläufigen Scheitern von Google Wave sei hier Etherpad als schlanke Alternative genannt.

Kann ein Wiki eine PM-Software ersetzen?
Nein, ein Wiki ist kein Ersatz für eine Projektmanagement-Software. Ein Wiki hilft dabei, die Transparenz im Unternehmen zu steigern, Kosten zu sparen, effizienter zu arbeiten und Mitarbeiter zu motivieren, weil sie stärker in Projekte involviert werden können. Aber ein Wiki ist keine Software zur systematischen Aufgabenverwaltung oder konkreten Projektplanung.

Was braucht man neben einem Wiki?
//SEIBERT/MEDIA setzt im Projektmanagement auf eine hybride Lösung aus dem klassischen Projektmanagement-System Projectile und der Software Jira, die deutliche Social-Web-Anleihen hat. Die klassische Software ist hochkomplex und bei den Mitarbeitern nicht sehr beliebt. Als Geschäftsführer bin ich allerdings sehr zufrieden mit diesem System, das zahlreiche wichtige Funktionen abbildet, die für uns wichtig sind.

Mit dem Aufgabenmanagement-System Jira koordinieren wir Projekte: Wer hat welche Aufgaben? Wer muss wann was erledigen? Welche Aufgaben sind offen? usw. Auch bei Jira handelt es sich um ein Projektmanagementsystem, und es gehört zu den Lieblings-Tools unserer Mitarbeiter. Solche Systeme müssen also nicht zwangsläufig unbeliebt sein.

Allerdings bietet Jira nicht alle Funktionen, die wir brauchen, weswegen die klassische Projektmanagement-Software weiterhin sehr wichtig für uns bleiben wird.

Wohin geht die Reise?
Die Unternehmensrealität ist komplex und wird immer komplexer. Sie unterliegt zahlreichen veränderlichen Umwelteinflüssen und Anforderungen, die heute nicht mehr einfach in ein Fachkonzept gesteckt werden können. Ich glaube, dass agile Software-Entwicklung und agiles Projektmanagement immer wichtiger werden: Man muss schnell und flexibel auf die Komplexität der Umwelt reagieren können. Deswegen sind Vertrauen und Zusammenarbeit wichtig – ein Einzelner kann diese Komplexität nicht beherrschen. Zu Vertrauen und Zusammenarbeit gehört Kommunikation. Und genau darin ist Social Media im Unternehmen stark: Sie schafft Transparenz und verbessert die Kommunikation. Gerade deshalb werden Projektmanagement und Social Software auch noch enger als bisher zusammenwachsen.

Handlungsempfehlungen für die Praxis
Social Software ist komplex und greift in die Kultur und Organisation des Unternehmens ein. Man muss also eine gewisse Offenheit und auch ein bisschen Zeit mitbringen und sich mit den Konzepten auseinanderzusetzen, gerade auch auf Führungsebene. "Strong Backing from the Top" ist extrem wichtig: Man braucht die Unterstützung der Unternehmensführung oder zumindest der Abteilungsleitung.

Wikis: Es ist heute schon ein Wettbewerbsnachteil, kein Wiki einzusetzen. Firmenwikis sind inzwischen sehr verbreitet und werden intensiv genutzt. Führen Sie ein Wiki ein, das ist die Hausaufgabe!

Microblogging: Kurznachrichten à la Facebook und Twitter gehören nicht ins Unternehmen? Doch! Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Micro-Blogging im Intranet sehr viel Zeit spart und effizient und gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Etherpad: Meines Erachtens eine gute Möglichkeit, um den ersten Schritt in Richtung Echtzeitkollaboration zu gehen. Google Wave ist zwar eingestellt worden (meines Erachtens nach ein Fehler), aber das Open-Source-Tool Etherpad ist eine schlanke, nutzerfreundliche Alternative.

Danke an Stefan Hagen für die Gelegenheit, dieses Interview zu geben!

Weiterführende Infos und Links

Der YouTube-Channel von Stefan Hagen mit allen Beiträgen von PMTV
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111 Gründe für ein Firmenwiki
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