Test Verbindungssuche: Mit dem Mietwagen von Wiesbaden nach Amsterdam (Sixt)

In dieser Reihe nehmen wir Interfaces von Websites, die Fortbewegungsmittel anbieten, anhand einer bestimmten Aufgabenstellung unter die Lupe. Diese Case Studies sind keine systematischen Usability-Analysen, sondern subjektive Berichte von Nutzererlebnissen unter besonderer Berücksichtigung von Design-Aspekten. Die Aufgabe: Angebotsrecherche für eine Tour von Frankfurt/Main oder Wiesbaden in eine europäische Metropole über das Osterwochenende 2011.

  • Ziel: Amsterdam
  • Transportmittel: Mietwagen vom Anbieter Sixt
  • Testende Person und Autorin: Claudia Delang

Der erste Eindruck zählt: die Startseite

Da ich gerne unabhängig bin und eine meiner Mitreisenden Flugangst hat, ist der Mietwagen das Transportmittel meiner Wahl. Ich sehe mich dafür beim Anbieter Sixt um. Also gebe ich www.sixt.de im Browser ein und lande auf einer übersichtlichen Startseite, die von den Farbtönen Orange, Grau und Schwarz dominiert wird. Unverkennbar Sixt. Die Suchmaske ist auffällig in der linken Spalte unterhalb des Logos platziert. Rechts wird ein Alfa Romeo Giulietta für 32 Euro pro Tag angeteasert. Das ist aber nix für mich. Kurz überfliege ich noch das Karussell mit weiteren Angeboten unterhalb der Suchmaske und entdecke, dass Sixt gleich zwei erste Preise in den Kategorien „Beste Konditionen“ und „Bester Autovermieter“ erhalten hat. Das bestärkt mich in meiner Wahl. Bei den Angeboten entdecke ich einen Polo für 20 Euro. Das klingt interessant. Per Klick öffnet sich eine Seite. Auf einen Blick sehe ich die wichtigsten Fakten: Mindestmietdauer, Vorausbuchungsfrist, Freikilometer pro Tag. Ach, schade: ein Monats-Special und auch nur begrenzt verfügbar. So lange wollte ich nicht in Amsterdam bleiben. Also doch wieder zurück. Einen Zurück-Button gibt’s in dem Fall nicht, also verwende ich die Browserfunktion.

Abb. 1: Startseite

Abb. 2: Teaser-Angebot

+ Ansprechendes Design (auch im Detail) mit Wiedererkennungswert
+ Klarer, übersichtlicher Aufbau mit gezielter Blickführung
+ Schneller Einstieg in die wichtigsten Funktionen durch Reitersystem im Formular (PKW, LKW oder Check-in)
+ Gutes Teaser-Konzept in Form einer plakativen Anzeige und eines schönen Karussells
+ Seite ist zentriert im Browserfenster platziert

Schritt 1: Auswahl von Anmietstation und -zeit sowie Rückgabeort

Bei Abholung ist Deutschland voreingestellt. Das passt. Im nächsten Feld werde ich gebeten, den Ort einzugeben. „Wi“… mehr ist nicht nötig, da die Instant Search mir schon die ersten Vorschläge liefert. Bei Mouseover über die Ergebnisse werden gleich noch die Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktdaten der Mietstation angezeigt. Ich wähle Wiesbaden aus. Wer zu faul zum Tippen ist, kann bei beiden Feldern auch per Dropdown das jeweilige Land bzw. den Ort auswählen. Und wer keine passende Station findet, kann über den Link Stationssuche auch eine Umkreissuche starten.

Detaillierte Stationssuche
Es reicht die Eingabe der Postleitzahl. Mir gefällt die mögliche Eingrenzung auf Bahnhofsstationen, Flughafenstationen, LKW, Coupé/Cabrio/4×4. Ein Enter reicht allerdings nicht aus, um die Suche zu starten. Hier bleibt die Seite weiß und suggeriert einen Fehler. Ein Klick auf den Button bringt dann aber das gewünschte Resultat. Die Ergebnisse werden in einer eingebundenen Google Map angezeigt (mit individuellen Sixt-Fähnchen) und dazu übersichtlich in einer Tabelle aufgeführt. Hier ist ein Button etwas aus der Form geraten. Insgesamt fällt die Detailgestaltung im Hinblick auf Buttons und Icons aber positiv auf.

Ich wähle wieder Wiesbaden und erhalte eine schöne Übersichtsseite zum Standort mit Fotos vom Gebäude, Kontaktdaten usw. Die Anfahrtsbeschreibung kann ich über einen Pfeil aufklappen. Man begnügt sich auch nicht mit einem Link zur Google-Routenplanung, sondern bietet einen eigenen Routenplaner an. Das finde ich praktisch und irgendwie nett. Dann folgt wieder das Anfrageformular. Schön, dass man nicht in einer Sackgasse steckt.

Abb. 3: Standortsuche

Abb. 4: Standortseite

+ Instant Search bei Stationsauswahl erleichtert die Eingabe
+ Stationssuche mit Filtermöglichkeiten und Ergebnisliste mit individualisierter Google Map und integriertem Routenplaner

– Suche kann nicht durch „Enter“ ausgelöst werden

Feiertag oder außerhalb der Öffnungszeiten?
Ein Klick auf das Kalender-Icon und es öffnet sich ein Layover mit Kalender. Der zeigt angenehmerweise gleich die nächsten drei Monate und erspart mir das lästige Blättern. So sind Anmiet- und Rückgabedatum schnell ausgewählt. Bei der Uhrzeit muss ich überlegen. 10 Uhr ist voreingestellt. Für die Anmietung keine schlechte Zeit. Für die Rückgabe aber ein bisschen früh. Aber vermietet sixt jetzt im 24h-Rhythmus oder tageweise? Eine Direkthilfe in Form eines Info-Buttons sehe ich dort nicht (nur neben der Checkbox Sixt Karteninhaber). In der rechten Spalte stehen News zur Station. Die helfen mir aber hier nicht weiter. Eine andere Hilfe finde ich momentan nicht. Schade. Also erstmal weiter im Dialog.

Die Rückgabestation möchte ich gerne von Wiesbaden auf Dresden ändern, weil ich an den Städtetrip nach Amsterdam noch ein paar Tage in der Heimat anhängen möchte. Der Ändern-Link öffnet ein Layover mit der Möglichkeit, die Rückgabestation zu ändern. Interessant, Flughafenstationen sind durch ein kleines Flugzeug-Icon ausdrücklich gekennzeichnet. Ich nehme aber den Hauptbahnhof. Eine Sixt-Karte habe ich nicht und ein Login mit Passwort auch nicht. Diese Checkboxen bleiben also leer. Dann klicke ich mal auf Preise ermitteln und lass mich überraschen.

Schon nach zwei Sekunden das Ergebnis? Ach nein, leider nicht. Ein Infofeld, das mir sagt, dass die Rückgabestation am Hauptbahnhof leider zum gewünschten Rückgabezeitpunkt geschlossen ist. Mo. – Fr. 7 – 20:00 Uhr steht da. Komisch, ich will doch am Montag um 18:00 Uhr zurückgeben. Bestimmt weil es ein Feiertag ist. Na gut, dann doch den Flughafen. Einfach ein Klick auf Station übernehmen und schon ist das geändert.

Und nun noch ein Klick auf Preise ermitteln. 21, 22, 23. Gut, das ging jetzt schnell.

+ Drei-Monatskalender zur Datumsauswahl erspart lästiges Blättern bei längerer Vorausplanung
+ Schnelles Suchergebnis

– Infos zur Mietzeit nicht als Tooltip verfügbar, FAQ unter Mietservice etwas versteckt
– Anmietzeit innerhalb der Feiertage führt zu unverständlichen Meldungen zum Thema Öffnungszeiten und einigen Fragezeichen im Kopf

Schritt 2: Suchergebnisliste und Auswahl des Modells

Der Rahmen reduziert sich, Navigation und andere Elemente sind verschwunden. Offensichtlich bin ich jetzt direkt in den Dialog eingestiegen, dafür spricht auch der Fortschrittsbalken am oberen Ende der Seite. Die Anmietdaten hab ich demnach schon hinter mir, befinde mich aktuell in der Fahrzeugauswahl und es erwarten mich noch die persönlichen Daten und die Bestätigung.

Meine Daten zu Start und Ziel werden abermals aufgeführt und könnten per Klick auf einen Link auch geändert werden. Hinter Info-i-Buttons (wie ich sie immer nenne) verbergen sich als Tooltips noch mal die Daten zur Anmiet- und Rückgabestation. Die Tooltips sind per Klick verfügbar. Durch Mouseover hätte man sich hier noch einen Klick sparen können. Aber das ist ein Detail. Es kommt erneut der Hinweis, dass die Anmietzeit außerhalb der Öffnungszeiten liegt. Das verwirrt mich. Vermutlich muss ich bei der Abgabe den Schlüssel in eine Box schmeißen und den Telefonsupport anrufen, um zu sagen, wo ich das Auto abgestellt hab. Das kenne ich von Europcar. Ich würde mir hier eine klare, weniger widersprüchliche Auskunft wünschen.

Abb. 5: Suchergebnisliste

Welches Auto soll ich nehmen?
Die Aufbereitung der Ergebnisliste ist übersichtlich und aussagekräftig. Es gibt ein Reitersystem für die verschiedenen Fahrzeuggruppen (Limousine, Kombi & Minibusse, Cabrios/Coupés/4×4). Ich suche eine Limousine, nicht zu klein, damit drei Personen samt Gepäck bequem Platz finden, und nicht zu groß, damit sie im Amsterdamer Stadtverkehr praktisch bleibt. Die einzelnen Limousinen-Klassen werden jeweils mit einem kleinen Thumbnail-Bild, Preisangabe und Hinweis auf ein buchbares Navi untereinander aufgeführt. Die oberste Angabe ist vorausgewählt. Rechts daneben erhalte ich passend zur Auswahl eine gute Übersicht zur Ausstattung, den Kosten, zum Mietzeitraum, zur Versicherung usw. Der Gesamtpreis aktualisiert sich ad hoc, wenn ich weitere Leistungen wie Haftpflicht inkl. Vollkasko auswähle.

Die erste Empfehlung ist die Fahrzeugklasse mit VW Golf, Mercedes Benz A-Klasse und Alfa Romeo Giulietta (den kenne ich noch von der Startseite). Icons erklären die wichtigsten Ausstattungsmerkmale: fünf Personen, vier Türen, Klima und ein Icon, das aussieht wie ein Ganghebel mit M daneben – was soll das sein? Im Alt-Tag steht Getriebe, also wahrscheinlich keine Automatik. Mindestalter des Fahrers: 18 Jahre. Gut, die Ausstattung passt. Der Preis ist orange hinterlegt, fällt auf und ist mit 140,28 Euro ganz okay.  Es wird noch ein günstigerer PrePaid-Preis angeboten, aber bis Ostern ist es noch eine Weile hin. Wer weiß, was bis dahin passiert. Ich kann dann auch noch weitere Extras hinzufügen. Diesel wäre vielleicht nicht schlecht, damit wir noch bisschen am Sprit sparen können. Am Mietpreis ändert sich dadurch erfreulicherweise nichts. Ich entscheide mich schließlich für die Kompaktklasse mit Peugot 308, Mini, Ford Fusion, Nissan Note. Mit 173,99 Euro plus Gebühren für Zusatzkilometer und Sprit noch eines der günstigsten Angebote.

Unterhalb des Ergebnisses stehen noch ein Währungsrechner zur Verfügung und die Funktion, das Angebot per E-Mail zu versenden. Super, das mache ich gleich mal, damit die anderen auch wissen, mit welchem Preis zu rechnen ist. Die Maske dafür öffnet sich in einem Overlay. Ich muss die E-Mail-Adresse des Empfängers, meinen Namen und meine eigene E-Mail eingeben. Außerdem kann ich eine Kopie an mich senden lassen. Leider ist es nicht möglich, mehrere Empfänger anzugeben. Die E-Mail selbst ist schön aufbereitet mit einem netten Bild, den Rahmendaten und einem Link zur Anmietung. Stimmig und passend zum Rest.

Abb. 6: E-Mail-Versand

Abb. 7: Angebots-E-Mail

An dieser Stelle habe ich erstmal alles, was ich wollte, und beende die Session.

+ Übersichtliche, aussagekräftige Ergebnisliste
+ Gesamtpreis ändert sich ad hoc beim An- und Abwählen von zusätzlichen Features
+ Angebotsversand per ansprechend gestalteter E-Mail
+ Währungsrechner

– Keine Mehrfach-Empfänger-Funktion für E-Mail-Versand des Angebots
– Vollkasko kostet extra

Mein Fazit:

Sixt legt Wert auf ein konsequentes und individuelles Screen-Design bis ins Detail. Das gefällt mir gut. Die Nutzerführung funktioniert intuitiv und ist zielführend. Die Ergebnisse sind ansprechend aufbereitet und werden im Detail durch Icons, Zusatzinfos bei Mouseover und gezielten Bildeinsatz aufgelockert. Das macht die Fahrzeugauswahl zu einem schönen Erlebnis. Die Service-Orientierung kommt in vielen Zusatz-Features zum Ausdruck: Filterfunktion bei der Stationssuche, Angebotsversand per E-Mail, Währungsrechner usw. Einziger Wermutstropfen: Feiertage sind nicht gekennzeichnet und werden als Zeiten außerhalb der Öffnungszeiten geführt. Das sorgt für einige Verwirrung. Hier könnte man durch besser passende Texte für Aufklärung sorgen. Insgesamt habe ich mich bei Sixt jedoch gut aufgehoben gefühlt und bin zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen.

Weiterführende Informationen

Die Website von //SEIBERT/MEDIA-Design
Test Verbindungssuche: Mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Istanbul (Condor)
Test Verbindungssuche: Mit der Bahn von Frankfurt nach London
Test Verbindungssuche: Mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Barcelona (TUI)
Web-Design-Trends: Mit intuitiver Navigation und informativen Mouseover-Effekten schnell ans Ziel
Das Wo und Wann der User-Erwartungen
Der Bestellvorgang: Was häufig schiefgeht und was User frustriert


Mehr über die Creative-Commons-Lizenz erfahren