Der Wiki-Prophet: Idealismus, Aktivismus, Furchtlosigkeit, Wissenstärke

Eine besonders wichtige Person im Rahmen einer Wiki-Einführung im Unternehmen ist der Mitarbeiter, der das Projekt unter seine Fittiche nimmt und intern durchsetzen möchte, vorantreibt und bewirbt. Wir nennen ihn den Wiki-Propheten. In diesem Artikel beschreiben wir seine Eigenschaften und Aktivitäten rund um die Wiki-Einführung.

Wichtige Eigenschaften

Einige zentrale Attribute sollte der Wiki-Prophet auf sich vereinen:

Idealismus: Er hat die Wiki-Idee und die dahinter stehende Philosophie verstanden und verinnerlicht.

Aktivismus: Er ist in Wiki-Fragen der zentrale Antreiber im Unternehmen und bringt das Projekt intern voran.

Furchtlosigkeit: Wiki-Gegner sehen in ihm den konkreten Widersacher, weil er im Unternehmen mit der Wiki-Idee assoziiert wird. Diese Kritik macht ihm aber nichts aus. Er hat auch keine Angst um seine politische Position im Unternehmen, sondern steht für seine Überzeugung ein.

Wissensstärke: Er hat ein solides Wiki-Know-how erworben, um Fragen sofort beantworten und auf "Scheinriesen" reagieren zu können. Das ist wichtig, damit sich Falschinformationen und Vorurteile über Wikis nicht im Unternehmen verbreiten. Denn davon gibt es eine ganze Menge.

Aktivitäten des Wiki-Propheten

Der Wiki-Prophet beschäftigt sich im Internet intensiv mit Wikis und ihrer Implementierung und liest alles, was er hierüber in die Finger bekommt. Das Thema interessiert ihn inhaltlich weit über seine Tagesgeschäftsaufgaben im Job hinaus. Manche Wiki-Propheten sind auch in Wiki-Communities aktiv.

Der Wiki-Prophet unterhält häufig besonders intensiven Kontakt zum Wiki-Dienstleister, der ihn gut versteht und für ihn als Experte im Hintergrund fungiert. Mit dem Dienstleister bespricht er seine Ideen und holt sich Rat. Außerdem diskutiert er mit ihm Fragen, die er selbst nicht beantworten kann.

Der Wiki-Prophet hat keine Berührungsängste. Er arbeitet selbst gerne mit einem Wiki, probiert Plugins aus, legt neue Seiten an und modifiziert diese. In großen Unternehmen betreibt der Wiki-Prophet ein Testsystem, in dem er selbst Administrator ist und das Wiki vollumfänglich ausprobieren kann. Von seinen konkreten Erfahrungen profitiert das Team, da er viele Probleme, die in der Praxis auftreten, kennt und entsprechend reagieren kann.

Der Wiki-Prophet hat verstanden, dass es im Unternehmen Prozesse gibt, die nicht optimal laufen und die mithilfe eines Wikis verbessert werden können. Er ist der festen Überzeugung, dass das Wiki einen signifikanten Nutzen stiften wird. Viele bestehende Strukturen und Abläufe hält er für veraltet und übearbeitungsbedürftig und will deshalb ein Wiki einführen.

Der Wiki-Prophet redet oft und viel über Wikis und ihre Potenziale. In der Mittagspause erzählt er seinen Kollegen davon und fragt sie nach ihrer Meinung. Er setzt sich mit ihnen zusammen an den Rechner und zeigt ihnen, wie ein Wiki funktioniert. Er freut sich, wenn die Kollegen erkennen, dass ein Wiki einen echten Nutzen stiften kann. Er bemüht sich um die Unterstützung möglichst vieler Mitarbeiter und insbesondere derjenigen, deren Stimme Gewicht hat.

Der Wiki-Prophet hat im Idealfall politisches Geschick. Es ist hilfreich, wenn er weiß, wen er überzeugen muss und wie dabei vorzugehen ist. Er muss und will nicht intrigieren, kennt aber die Mechanismen im Unternehmen und weiß, wie er sich diese zunutze machen kann.

Der Wiki-Prophet kennt oftmals die Arbeitsabläufe in einzelnen Abteilungen und macht sich Gedanken darüber, wie diese durch ein Wiki verbessert werden können. Hier ist das Prophetische seiner Arbeit am stärksten ausgeprägt: Er erkennt schon früh das Potenzial des Wikis und hat eine konkrete Vorstellung davon, wie das Wiki unternehmensweit zum Einsatz kommen könnte.

Der Wiki-Prophet kennt die Grenzen des Wikis. Er weiß, was das Wiki nicht kann und was sich besser mit einem anderen System umsetzen lässt. Er will nicht notwendigerweise alles mithilfe eines Wikis abbilden, sondern nur die Dinge, die ein Wiki auch tatsächlich abbilden kann.

Ohne Wiki-Prophet oder Unterstützung von oben kein Wiki-Erfolg

Grundsätzlich ist ein Wiki-Prophet keine Pflicht. Wenn es ihn aber gibt, steigen die Chancen auf ein sehr erfolgreiches Wiki im Unternehmen signifikant. Ist keine Person in Sicht, die diese Rolle ausfüllen kann und will, sollte auf jeden Fall "Strong backing from the top", also die Unterstützung der Geschäftsführung, gewährleistet sein.

Es gibt allerdings Unternehmen, in denen kein Wiki-Prophet in Sicht und auch keine Rückendeckung durch das Management gegeben ist: Der Mitarbeiter, der das Thema Wiki auf die Tagesordnung gesetzt hat, ist aus Besorgnis um die eigene Position nicht bereit, sich im Sinne des Wikis auf Risiken und auf Konfrontation einzulassen; die Unternehmensführung wiederum sieht das neue Tool skeptisch oder gar ablehnend.

Unternehmen, in denen diese Konstellation auftritt, müssten wir ehrlicherweise raten, sich noch einmal ernsthaft Gedanken über die Erfolgschancen ihres Wikis zu machen. Einige Unternehmen sind einfach noch nicht "bereit" dafür, kollaborative Systeme wie Wikis zu etablieren und zu fördern. Ohne inhaltliche Treiber wird ein Wiki erfolglos bleiben.

Denken Sie über eine Wiki-Einführung nach? Benötigen Sie Unterstützung dabei, ein Wiki-Projekt intern durchzusetzen? Haben Sie Fragen zur Mitarbeiteraktivierung? Wir sind Experten für Unternehmenskommunikation mit Erfahrungen aus Dutzenden Wiki-Projekten und helfen Ihnen gerne. Bitte sprechen Sie uns unverbindlich an. Ausführliche Informationen inklusive umfangreicher Videoinhalte finden Sie auch auf unserer speziellen Seite rund um die Einführung von Firmenwikis.

Weiterführende Informationen

Vandalismus und Edit Wars im Firmenwiki? Scheinriesen!
Firmenwikis aus Sicht des Betriebsrats: Tipps, Tricks, Fehleinschätzungen
Erfolgsfaktoren für Wikis: Organisation ist der Schlüssel
Wiki-Gärtner: Aufgaben und Anforderungen
Erfolgsfaktor Strong Backing from the Top


Mehr über die Creative-Commons-Lizenz erfahren