Google-Benchmark: Wie surfen deutsche Nutzer im internationalen Vergleich?

Google sammelt Daten und tut dies besonders gerne mit dem Dienst Analytics. Das ist bekannt. Nun hat Google seine Informationen einmal statistisch ausgewertet und den Google-Analytics-Nutzern im Rahmen des aktuellen Newsletters eine Erhebung über Veränderungen der Website-Nutzung zur Verfügung gestellt. Sehen wir uns an, was daraus hervorgeht.

Grundlagen der Erhebung

Google gibt an, die Daten mehrerer Hunderttausend Analytics-Konten aus aller Welt anonymisiert ausgewertet zu haben, und zwar von Websites, die die anonyme Datenweitergabe in Google Analytics aktiviert haben.

Von welchen Arten von Websites die Daten erhoben worden sind, geht aus der Erhebung leider nicht hervor. Ebenso wenig ist ersichtlich, inwieweit die Daten länderspezifisch repräsentativ sind und wie sie sich nach Ländern prozentual zusammensetzen. Folglich lassen sich die Zahlen wohl höchstens dazu nutzen, sich einen groben Eindruck von der weltweiten Web-Nutzung zu verschaffen. Die Erhebung liefert sicherlich keine konkreten Hinweise auf den eigenen Status und ggf. nötigen Nachholbedarf im Vergleich zu anderen.

Die aktuelle Analyse umfasst den Zeitraum vom 1.11.2010 bis 1.2.2011, und die Daten wurden zu denen im Zeitraum vom 1.11.2009 bis 1.2.2010 ermittelten in Vergleich gesetzt.

Seiten pro Besuch, Absprünge, Besuchszeit

International gesehen hat es offenbar kaum gravierende Veränderunge im Hinblick auf die Indikatoren Seiten pro Besuch, Absprungrate und Besuchszeit gegeben. Der Vergleich stellt sich wie folgt dar:

Indikator Vorjahr Aktuell Differenz
Seiten pro Besuch 4,9 4,5 -0,4
Absprungrate 48,2% 47,0% -1,2 %
Durchschnittliche Besuchszeit in min 5:49 5:23 -0:26

In der Länderaufschlüsselung, die Google anschließend vertiefend anbietet, ist Deutschland leider nicht aufgeführt. Warum nicht? Die USA, Großbritannien, Japan, Brasilien, Frankreich sowie China sind dabei. Entweder stuft Google Deutschland hier als nicht relevant ein, verfügt nicht über genügend Daten für einen belastbaren Vergleich oder aber hat keine statistischen Veränderungen im Hinblick auf diese Indikatoren festgestellt. Die Vermutung liegt nahe, dass letzteres der Fall ist.

Immerhin erhalten wir über den deutschen Durchschnittswert Auskunft. Dieser liegt bei einer Absprungrate von 47%, wie die folgende Grafik zeigt.

Damit springen die deutschen Nutzer mit am häufigsten ab, bewegen sich allerdings in einer extrem breiten Spitzengruppe, wie der Wert „Anzahl der Länder“ auf der Y-Achse verdeutlicht, und ist damit keinesfalls ein Ausreißer, sondern gehört zum Durchschnitt.

Die deutschen Nutzer verbringen vergleichsweise viel Zeit auf einzelnen Websites. Deutschland gehört im Hinblick auf die durchschnittliche Besuchszeit mit ca. 360 Sekunden, also sechs Minuten, zu einer breiten Spitzengruppe, die sich aus knapp 40 Ländern zusammensetzt, wie aus dieser Darstellung hervorgeht:

Darüber hinaus hat Google ermittelt, wie sich die gerade betrachteten Indikatoren im zeitlichen Verlauf je nach Besuchsquelle entwickelt haben. Hier nicht uninteressant: Während sich die Besuchszeiten von Nutzern via Direktaufruf, Google-Werbung und organischer Suche kaum verändert haben, verbringen Besucher via Link 108 Sekunden weniger auf der Website als noch vor Jahresfrist. Dennoch verweilen sie durchschnittlich erstaunliche 6:36 min, Google-CPC-Besucher hingegen nur 3:57 min. Inwieweit diese Daten für Deutschland relevant sind, lässt sich indes nicht sagen.

Conversions

Die Messung von gewünschten Nutzeraktionen gehört zu den Kernfunktionen von Google Analytics. In diesem Zusammenhang erhalten wir für das Surf-Verhalten der Deutschen eine konkrete Zahl: Durchschnittlich einer von Hundert deutschen Nutzern schließt eine gewünschte Conversion ab. Das geht aus der Analyse der Zielerreichungen in Google Analytics hervor.

Auch hier nimmt Deutschland keine Ausreißerposition ein, sondern befindet sich in Gesellschaft zahlreicher Länder mit ähnlichen Quoten, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich. Interessant: Unsere Österreichischen Nachbarn bringen es auf immerhin zwei Conversions pro Hundert Besucher.

Woher kommen die Besucher?

Weiterhin gewährt uns das Analytics-Team einen Überblick darüber, wie die internationale Internetnutzerschaft auf Websites stößt. Für den Zeitraum vom 1.11.2010 bis 1.2.2011 ergeben sich folgende Werte: Direktbesuche 36,8%, Visits über Links 19,4%, Besuche über Suchmaschinen 28,0%, andere Quellen 5,8%. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum lassen sich nur marginale Abweichungen feststellen.

Betriebssysteme

In Sachen Betriebssysteme sind die Entwicklungen keine Überraschung. Während Mac- und Linux-Nutzer Anteile von 5,2% und 0,7% stellen (was leichten Anstiegen im Vergleich zum Vorjahr entspricht), ist der prozentuale Wert der Windows-User von 89,9% auf 84,8% gesunken. Etwa in jenem Maße haben „andere“, nicht näher spezifizierte Betriebssysteme zugelegt und bewegen sich nun bei 9,3%. Hier spiegelt sich zweifellos der Trend zur Web-Nutzung über mobile Endgeräte wider.

Fazit

Also, wissen wir nun mehr? Immerhin haben wir Informationen über einige Durchschnittswerte erhalten, die man durchaus im Hinterkopf behalten kann. Wirklich relevante Erkenntnisse würden sich freilich nur durch eine Aufsplittung nach Website-Arten (Social Media, klassische Websites, Blogs usw.) und inhaltlicher Ausrichtung (Unternehmensseiten, Unterhaltungsseiten etc.) ergeben. Doch solche Informationen dürfte die anonyme Datenweitergabe wohl kaum liefern.

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