Case Study „Suchfilter in Web-Shops“: Das Beispiel DaWanda

In dieser Reihe schauen wir uns Interfaces von Web-Shops genauer an. Wir erstellen dabei keine systematischen Usability-Analysen, sondern liefern subjektive Berichte von Nutzererlebnissen unter besonderer Berücksichtigung von Design-Aspekten. Die Aufgabe diesmal: Suche ein beliebiges Produkt in einem Webshop oder Online-Portal Deiner Wahl.

  • Gewünschtes Produkt: Schultertasche
  • Anbieter: www.dawanda.com
  • Testende Person und Autorin: Marion Fiedler

Startseite: Dynamisch und aktivierend, sehr viele Einstiegsmöglichkeiten

Ich möchte mir eine Tasche kaufen, und da ich originelle Ideen und richtige Handarbeit schätze, sehe ich mich auf dem Online-Portal DaWanda um, auf dem vor allem Kleinanbieter individuelle Produkte verkaufen.

Mich erwartet eine Startseite, auf der einiges los ist und die sehr flexibel, aktuell und dynamisch wirkt. Im oberen Contentbereich wird ein Sommer-Special („Ab an den Badesee!“) beworben, darunter lädt ein Schulbeginn-Teaser zum Klick ein, es gibt zahlreiche Produkt-Teaser und an prominenter Stelle sogenannte Logenplätze. Was sich hinter diesen verbirgt, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht bestimmte Verkaufsschlager oder gesponsorte Anzeigen? Auf jeden Fall sind die Abbildungen schon sehr aussagekräftig und aktivierend.

Die Startseite

Mit einer horizontalen Navigation kann ich offenbar gezielt nach bestimmten Shops und Geschenken suchen oder mich in Themenwelten umsehen, in der linken Sidebar kann ich die Seite nach neuen Shops durchforsten, darunter sehe ich eine Navigationsmöglichkeit nach Produktkategorien. DaWanda bietet also viele Einstiegsmöglichkeiten und die Intention ist klar: Ich soll reinkommen und stöbern.

Ich finde die Seite noch übersichtlich, wäre ich zum ersten Mal hier, würde ich mich aber von den vielen unterschiedlichen Navigationsmöglichkeiten wohl zunächst etwas erschlagen fühlen. Wahrscheinlich würde ich auf die Navigation mithilfe der Kategorien und Specials erst einmal verzichten und mich auf die große Suchbox konzentrieren, die links oben nicht zu übersehen ist.

Suche und Eingrenzung: Sinnvolle Filter und recht gute Ergebnisse

Das mit der Suche mache ich jetzt auch und tippe Tasche ein. Ah, es gibt eine Instant-Suche, die mir schon während der Eingabe sinnvolle Kategorien und Einschränkungen vorschlägt, prima. Ich drücke Enter und die Seite wird aktualisiert: Jetzt sehe ich oben wieder Produkte auf Logenplätzen, darunter dann die eigentlichen Resultate. Huch, das sind ja weit über 5.000 Ergebnisseiten! Das ist mir ein bisschen zu viel zum Durchklicken. Also werfe ich einen Blick auf die linke Sidebar, die sich verändert hat und jetzt zahlreiche Kategorien enthält.

Erste Suchergebnisse

Ich möchte auf jeden Fall eine Schultertasche haben und klicke auf den entsprechenden Link. Die Seite aktualisiert sich, und immer noch ist hier alles Mögliche dabei, was auch nur ansatzweise mit Schultertaschen zu tun hat, und selbst, wenn ich den Filter nochmals konkret auf Schultertaschen begrenze (und z.B. von Reise- und Sporttaschen unterscheide), habe ich 500 Ergebnisseiten. Weitere Möglichkeiten gibt es in der Navigation links nicht. So komme ich also nicht weiter.

Alternativ gelange ich statt über die Suche über den Menüpunkt Taschen unter DaWanda-Kategorien in der horizontalen Navigation bis hierhin.

Netterweise lächelt mir links unter den Kategorien der Satz Grenz Deine Suche ein zu. Zunächst zur Farbe: Per Klick öffnet sich eine Palette mit Farben, die in Form von Herzchen dargestellt werden, wie man sie aus dem DaWanda-Logo kennt. Süß. Es ist Sommer und ich entscheide mich für einen freundlichen Türkis-Ton, der an Meer und frische Brise erinnert.

Die Farbwahl

An dieser Stelle fällt mir auf, dass ich die Eingrenzung durch einen Klick auf den Button Suche bestätigen muss. Das finde ich lästig. Muss nicht sein. Anschließend hat sich jedoch in der Ergebnisliste etwas getan und auf den ersten Blick sind die Treffer zumeist auch passend, obwohl auch Artikel dabei sind, auf denen von Türkis nun gar nichts zu sehen ist. Naja.

Unter der Farbwahl finde ich einen Preisfilter. Hier kann ich eine Checkbox mit der Bezeichnung Sales auswählen. Bestimmt nicht schlecht, wenn man auf gezielt Schnäppchenjagd ist. Das bin ich zwar nicht, aber unbegrenzt ist mein Taschen-Budget auch nicht, weshalb ich die Preisspanne auf maximal 30 Euro beschränke.

Unterhalb dieser Auswahl kann ich Zahlungsmöglichkeiten angeben. Das finde ich gut! Es ist mir schon häufiger passiert, dass ich in Web-Shops auf tolle Sachen gestoßen bin und dann beim Checkout feststellen musste, dass ich z.B. nur mit Kreditkarte bezahlen kann, was ich im Netz nicht so gerne mache. Per Klick stelle ich sicher, dass PayPal akzeptiert wird (bzw. mit zwei Klicks, denn auch hier muss ich die Filterung bestätigen, nervig). Darüber hinaus könnte ich noch nach Herkunftsland filtern, worauf ich aber verzichte.

Filter nach Preisspanne und Zahlungsart

Jetzt ist’s deutlich übersichtlicher geworden, die übrig gebliebenen vier Trefferseiten schaue ich auf jeden Fall gerne durch. Noch mal von der Ergebnisqualität vergewissern: Ja, passt einigermaßen, zumindest sehe ich auf fast allen Produkten irgendwo einen Türkis-Ton.

Meine Ergebnisseite

+ Sinnvolle Filter für sinnvolle Eingrenzungen
+ Im Wesentlichen gute Treffer

– Keine Live-Aktualisierung, Filterauswahl muss jeweils mit Klick auf Suche bestätigt werden

Die erweiterte Suche: Frustpotenzial

Wäre ich nicht zufrieden, könnte ich ganz unten in der linken Sidebar auf Erweiterte Produktsuche klicken. Es öffnet sich ein Bildschirm, der bereits etliche Voreinstellungen enthält, darunter Farbe, Maximalpreis und PayPal, gut. Mal sehen, eigentlich will ich ja etwas ganz Individuelles haben. Ich aktiviere einfach zusätzlich das Kästchen Individualisierung – vielleicht lasse ich mir ja ein Herzchen oder einen Totenkopf draufsticken. Dann drücke ich auf Suchen.

Maske der erweiterten Produktsuche

 

Merkwürdig, als Ergebnis erhalte ich 15 Produktseiten. War ich nicht eben schon bei vier? Die Trefferliste sieht auch ganz anders aus und ist nun nach Shops sortiert, statt Schultertaschen bekomme ich vor allem jede Menge Handy- und Kosmetiktäschchen angezeigt. Noch mal per Browser-back zur erweiterten Suche (einen Zurück-Button gibt’s nicht). Ah, jetzt sehe ich den Fehler.

Vorhin habe ich nach Tasche gesucht und dann meine Suche auf die Kategorie Schultertasche eingegrenzt. Leider hat die erweiterte Suchfunktion diese Spezifizierung nicht übernommen, sondern meinen ursprünglichen Suchbegriff. Das korrigiere ich und führe die Suche nochmals durch. Hmm, die Darstellung ist nach wie vor nach Shops sortiert, was gar nicht meinen Zielen und Erwartungen entspricht. Irgendein Häkchen ist offenbar nicht so gesetzt, wie ich’s haben will. Das ist gar nicht zufriedenstellend! Breche ich hier ab? Na, einen Versuch unternehme ich noch und stoße endlich auch auf des Rätsels Lösung: In der erweiterten Suche ist die Option Shops mit passenden Produkten voreingestellt, ich hätte manuell passende DaWanda-Produkte auswählen müssen. Sei’s drum – Ich hatte ja bereits ein vernünftiges Filterergebnis, das ich mir jetzt genauer ansehen möchte. Dorthin geht’s mit ein paar Klicks auf den entsprechenden Button des Browsers zurück.

+ Zuvor gewählte Filter werden in die erweiterte Suche übernommen

– Erweiterte Suche übernimmt gewählte Produktkategorie nicht und führt zu verwirrenden Ergebnissen
– Nicht nachvollziehbare Voreinstellung Suche nach Shops statt Suche nach Produkten

Produktseite: Okay mit einigen Nice-to-have-Funktionen

In meiner Trefferliste klicke ich eine Tasche an, die mir ganz gut gefällt an, und lande in der Detailansicht mit den üblichen Angaben zu Artikeleigenschaften, Versand usw. Dazu gibt’s ein vergrößerbares Foto und daneben einige Thumbnails mit zusätzlichen Abbildungen.

Die Produktansicht

Unter Design-Aspekten nichts Außergewöhnliches und ziemlich textlastig, doch an dieser Stelle interessieren mich eher die Funktionen. Unter dem Warenkorb entdecke ich den Button Produkt merken. Das täte ich gerne, aber leider muss ich mich registrieren oder einloggen, um diese Funktion zu nutzen. Das ist mir im Moment zu aufwendig und so setze ich eben ein Browser-Lesezeichen.

Ich sehe mir anschließend das Shop-Widget auf der rechten Seite genauer an. Hier kann ich mich durch weitere Produkte des Anbieters klicken, ohne die Artikelseite zu verlassen, sehe, wie viele Leute sich die Tasche bereits angesehen haben und wie viele DaWanda-Herzchen sie bereits eingeheimst hat, und kann das Produkt auf Facebook teilen.

Das Shop-Widget

Nun würde ich gerne rasch eine Freundin als unterstützende Stilberaterin einbinden. Hierfür gibt es eine kleine Freunden-zeigen-Funktion: In ein Layover trage ich einfach Namen und Mail ein und meine Freundin erhält eine kompakte HTML-Nachricht mit Foto, Kurzbeschreibung und Link. Cool.

Oh, eine Embed-Funktion gibt’s auch, falls ich das Bedürfnis habe, das Produkt in meinen Blog einzubetten. Den Code bekomme ich ganz ohne Anmeldung. Ein nettes Nice-to-have.

Außerdem kann ich den Artikel auch kommentieren, aha. Auf meinen Klick hin öffnet sich ein Eingabefeld, erstaunt darüber, dass ich mich dieses Mal nicht anmelden muss, schreibe ich zwei Zeilen und drücke den Speichern-Knopf. Tja, zu früh gestaunt, denn jetzt kommt die Aufforderung, mich einzuloggen oder zu registrieren. Dazu habe ich immer noch keine Lust und breche meinen Interaktionsversuch etwas verärgert ab.

+ Integriertes Shop-Widget mit Zusatzinfos
+ Nette Nice-to-have-Funktionen wie Freunden zeigen

– Die meisten Funktionen nur nach Anmeldung nutzbar
– Kommentar schreiben nur scheinbar ohne Anmeldung möglich

Fazit

Ja, es gibt viele originelle Ideen auf DaWanda, und auch viele verschiedene Einstiegsmöglichkeiten sind ja grundsätzlich überhaupt nichts Schlechtes. So ist der Geschenkefinder mit Kategorien wie Leute, die schon alles haben, Chef & Kollegen oder Schwiegereltern ist eine unschlagbare Idee! DaWanda ist ein eben in erster Linie Stöberparadies.

Der originelle Geschenkefinder

Beim gezielten Suchen und bei der Eingrenzung der Ergebnisse unterstützen klug gewählte Filter wie etwa der nach Zahlungsmethoden beim Ausschluss und helfen, innerhalb kurzer Zeit zu einer überschaubaren Zahl an vernünftigen Treffern zu kommen. Allerdings trüben lästige Kleinigkeiten das Nutzererlebnis, insbesondere die Filterungen, die ich bestätigen muss, und die Voreinstellungen in der erweiterten Suche, die zu irritierenden Ergebnissen führen; das Usability-Feintuning also.

Möchten Sie, dass wir Ihre Oberflächen und Online-Software-Systeme in Design und Usability systematisch untersuchen? Dann kontaktieren Sie uns. Oder arbeiten Sie für das oder bei dem Unternehmen, das die untersuchte Website bereitstellt? Dann freuen wir uns sehr über Ihre Rückmeldung per Kommentar zum Artikel oder Anfrage.

Weiterführende Informationen

Case Study Suchfilter: Das Beispiel Zalando.de
Case Study Suchfilter: Das Beispiel Mobile.de
Case Study Suchfilter: Das Beispiel TED.com

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Design- und Usability-Trends im Suchprozess 1
Design- und Usability-Trends im Suchprozess 2