Argumente gegen Wikis im Unternehmen: Nachteile, Konter (Teil 1)

Den Anwalt des Teufels kennt man nicht nur aus den Selig- und Heiligsprechungsverfahren der Katholischen Kirche, sondern auch aus der Rhetorik: Er nimmt die Standpunkte der Gegenseite ein, ohne dass er ihr angehört.

Als Experten für Wikis und Enterprise 2.0 hören wir immer wieder auch Argumente gegen ein Firmenwiki. Und da wir viel Wert auf Transparenz und offene Diskussion legen, lassen wir einmal den Advocatus Diaboli zu Wort kommen, und zwar weitgehend unkommentiert: Welche Argumente sprechen gegen eine Wiki-Einführung? Welche Vorteile hat man, wenn man kein Wiki einführt?

Wir sind und bleiben erfolgreich

Enterprise 2.0 – und damit das Firmenwiki – ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern auf dem Breitenmarkt angekommen. Studien lassen kaum andere Interpretationen zu als die, dass Unternehmen, die heute auf interne Social-Media-Werkzeuge verzichten, inzwischen einen Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen.

Advocatus Diaboli:

Das Unternehmen läuft und wächst, es ist gut aufgestellt und am Markt konkurrenzfähig. Das verdankt man nicht irgendwelchen Werkzeugen, sondern Innovationen, gescheiten Entscheidungen und der Leistungsfähigkeit der zufriedenen, gut bezahlten Mitarbeiter. Unterm Strich geht es um schwarze Zahlen. Die kommen heraus und es gibt überhaupt keinen Anlass zu Aktionismus.

Klassische, etablierte Strukturen und Hierarchien bleiben unangetastet

Ein Wiki verändert in den meisten Unternehmen die Kommunikationsstruktur: Wo bislang das Management sämtliche Themen vorgegeben hat, können plötzlich alle Mitarbeiter eigene Themen produzieren, aufgreifen und zentral zur Sprache bringen. Der sog. Top-down-Ansatz wird nicht umgekehrt, wandelt sich aber häufig zu einem Kommunikationskreislauf. Ideen können und sollen aus allen Teilen des Unternehmens kommen.

Advocatus Diaboli:

Der Top-down-Ansatz hat seinen Sinn, er in der Unternehmenshierarchie tief verwurzelt und von jeher etabliert. Das Management wird für Entscheidungen bezahlt, die Mitarbeiter für ihre produktive Tätigkeit. Ohne Wiki diskutiert wie bisher das Management die Entscheidungen; die Mitarbeiter tun das, was man ihnen vorgibt, und halten sich nicht mit Ideen, Feedback und Diskussion auf.

Es gibt nicht noch mehr Mitbestimmung

Ein Wiki heißt stärkere Teilhabe der Mitarbeiter an Unternehmensprozessen. Durch eine zentrale Wissens- und Kommunikationsplattform wird die Einbindung der Mitarbeiter gestärkt, die Mitbestimmung nimmt zu.

Advocatus Diaboli:

Es reicht vollkommen aus, dass ein Betriebsrat vorhanden ist, der zu allen Entscheidungen eine Meinung hat. Die Unternehmensführung wünscht gewiss nicht, dass den Mitarbeitern zusätzlich eine zentrale Plattform zur Verfügung gestellt wird, auf der sie Entwicklungen quasi unternehmensöffentlich diskutieren und sich organisieren können. Dafür gibt es den 1. Mai.

Die Systemlandschaft verändert sich nicht

Ein Wiki ersetzt keine bestehenden Systeme. Aber es hilft maßgeblich, diese Werkzeuge wieder ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch zuzuführen: die E-Mail der Nutzung für Textnachrichten, die mit dem Lesen erledigt sind, das Meeting dem effizienten Austausch ohne Metadebatten, das DMS dem alleinigen Vorhalten von statischen Dokumenten etc.

Advocatus Diaboli:

Alle unsere Tools sind aufeinander eingespielt, unsere interne Kommunikation mit E-Mail, DMS, Intranet, Ticketsystem und Meetings funktioniert, die meisten Mitarbeiter kennen die Abläufe seit langem. Never change a winning team.

Mitarbeiter müssen kein neues Tool erlernen

Obwohl ein Wiki für die meisten Mitarbeiter intuitiv nutzbar ist und ausgereifte Lösungen eine sehr gute Usability haben, sind Trainings nötig. Eine moderne Wiki-Software bietet zahllose Funktionen, für die es sinnvolle Anwendungsfälle im Unternehmen gibt. Man muss sie natürlich kennen und beherrschen lernen.

Advocatus Diaboli:

Manche unserer Mitarbeiter beherrschen noch nicht mal die bestehenden Werkzeuge vollumfänglich. Eine x-te Software führt nur zu Verunsicherung. Die Leute sollen sich lieber auf die Tools konzentrieren, die ihnen jetzt schon zur Verfügung stehen.

Nicht noch mehr Redundanzen und mehr Chaos

Ein Wiki macht es jedem Teilnehmer einfach, eigene Inhalte zentral abzulegen. Wikis erlauben Anhänge, die Einbindung von Bildern, Grafiken und Office-Dokumenten und die Integration externer Dienste.

Advocatus Diaboli:

Im Unternehmen gibt es bereits ausreichend Unordnung. Was wir gewiss nicht brauchen, ist ein weiteres Tool, in das die Mitarbeiter unkontrolliert Dokumente und Inhalte ohne System, Sortierung und Strukturierung einspielen. Nach mehr Redundanzen und mehr Chaos als heute schon sehnt man sich nicht wirklich.

One system to rule them all

Ein ausgereiftes Wiki wie Confluence integriert sich nahtlos in die bestehende Tool-Landschaft und Infrastruktur. Es harmoniert perfekt mit JIRA, und für viele andere Speziallösungen stehen Konnektoren zur Verfügung.

Advocatus Diaboli:

Man sucht im Unternehmen keine kleinteilige Lösung aus zahlreichen unabhängigen Komponenten, sondern ein zentrales ganzheitliches System. SharePoint hat eine Wiki-Funktion und kann noch viel mehr. Ein Wiki kann nur Wiki.

Hier soll der erste "Verhandlungstag" enden. Im zweiten Teil des Artikels führen wir weitere Argumente des Advocatus Diaboli an und kommen zu einem Fazit.

Weiterführende Informationen

Benötigen Sie Unterstützung in unternehmenspolitischen Auseinandersetzungen über eine Wiki-Einführung? Stecken Sie in einer ähnlichen Diskussion mit Entscheidungsträgern im Unternehmen fest? Gerne unterstützen die erfahrenen Wiki-Berater von //SEIBERT/MEDIA Sie mit soliden Argumenten und belastbaren Fakten pro Wiki. Sprechen Sie uns bitte an und schildern Sie uns Ihren Fall.

Ausführliche Infos rund um alle Aspekte einer Wiki-Einführung inklusive Beispielkalkulationen finden Sie auch in unserem Orientierungsangebot im öffentlichen Wiki von //SEIBERT/MEDIA.

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