Argumente gegen Wikis im Unternehmen: Nachteile, Konter (Teil 2)

Der Anwalt des Teufels nimmt die Standpunkte der Gegenseite ein, ohne ihr anzugehören. Im Sinne einer offenen und transparenten Diskussion über eine Wiki-Einführung im Unternehmen möchten auch wir einmal den Advocatus Diaboli zu Wort kommen lassen. Und zwar weitgehend unkommentiert: Welche Argumente sprechen gegen ein Firmenwiki? Welche Vorteile hat man, wenn man kein Wiki einführt?

Bereits im ersten Teil des Artikels haben wir einige Einwände benannt. Hier sind weitere Argumente und eine ausführliche Zusammenfassung.

Ressourcen werden produktiv eingesetzt und nicht für ein internes Tool

Eine Wiki-Einführung stellt hohe organisatorische Anforderungen an ein Unternehmen. Ein wertvoller Mitarbeiter fungiert für einige Zeit quasi hauptamtlich als Wiki-Champion, Wiki-Gärtner müssen das System pflegen und qualitätssichern, Mitarbeiterschulungen sind erforderlich. Ein Wiki braucht vor allem am Anfang, aber auch im laufenden Betrieb interne Ressourcen.

Advocatus Diaboli:

Unsere Mitarbeiter spielen ihr Gehalt durch produktive Arbeit wieder ein. So hat es zu bleiben. Es ist nicht einzusehen, warum einige Mitarbeiter plötzlich weniger produktive Tätigkeiten und mehr interne Aufgaben im Rahmen einer Wiki-Einführung als Wiki-Champion, Wiki-Gärtner oder in welcher Rolle auch immer übernehmen sollten. Unsere Ressourcen werden produktiv eingesetzt und nicht für die Organisation der Einführung und die Pflege eines internen Werkzeugs.

Beträchtliche Fix- und Folgekosten werden eingespart

Eine Wiki-Einführung ist nicht umsonst zu haben. Die Fixkosten für Lizenzen und die Unterstützung durch einen Dienstleister sind zwar vergleichsweise überschaubar, doch Betrieb, Wartung, Pflege, Training, Support usw. schlagen dauerhaft zu Buche. Ein jährlicher interner Aufwand von einigen Hundert Stunden sollte kalkuliert werden.

Advocatus Diaboli:

Unser Unternehmen setzt auf Umsatz durch Kunden. Es entspricht nicht unseren Unternehmenszielen, unseren Bilanzen durch dauerhaft noch höhere interne Kosten zu schaden. Wir investieren lieber in Wachstum statt in Tools.

Es gibt exakt so viel Transparenz und exakt so viel Geheimhaltung wie bisher

Ein Wiki führt zu mehr Transparenz im Unternehmen. Im Rahmen einer finnischen Studie bewerten Unternehmen, die ein Wiki nutzen, die Aussage "Wikis haben die Informationstransparenz gesteigert" mit 4,47 von 5 Punkten.

Advocatus Diaboli:

Es gibt triftige und ausführlich diskutierte Argumente für die Compliance-Linie, die das Unternehmen verfolgt. Was bisher vertraulich ist, ist dies aus gutem Grund. Mehr Transparenz ist immer auch mit mehr Risiko verbunden. Solche Risiken haben wir bislang wohlbedacht minimiert und wollen daran auch weiterhin festhalten. Auch mit einem Wiki würde die Entwicklungsabteilung ihre Ideen und Prototypen nicht unternehmensweit zur Diskussion stellen. Mit dem Status quo fahren wir prima. Wenn alle alles wissen sollen, können wir gleich tägliche Presseerklärungen mit Interna herausgeben.

Es gibt nicht mehr Überwachungsmöglichkeiten

Im Wiki ist jede Änderung transparent. Es gibt eine Revisionshistorie, aus der ersichtlich wird, wer wann welche Änderungen an einem Dokument vorgenommen hat. Zentrale Übersichtsseiten und Dashboards geben live Auskunft über die aktuell heißen Themen im Wiki und die jüngsten Aktivitäten.

Advocatus Diaboli:

Im Wiki ist alles personalisiert. Das System bietet – wie man hört – technisch die Möglichkeit, die Aktivitäten von Mitarbeitern nachzuverfolgen, zu überwachen und miteinander zu vergleichen. Darauf lässt sich der Betriebsrat keinesfalls ein, und der Datenschutzbeauftragte wahrscheinlich auch nicht.

Keine weiteren Experimente

Ein Wiki ist etwas Neues, Schnelles und Modernes, das sich konzeptionell von allen klassischen Werkzeugen im Unternehmen unterscheidet.

Advocatus Diaboli:

Ja, wir haben experimentiert. Und ja, alle Experimente sind mehr oder weniger gescheitert. Über das vor zwei Jahren eingeführte neue Intranet beklagen sich die Mitarbeiter häufiger als dass sie es nutzen, das verwaiste Forum kann man getrost abschalten, mit der internen News-Software hat seit Monaten keiner etwas veröffentlicht. Die Mitarbeiter wollen solche Sachen offenbar gar nicht haben. Es sind genügend Blasen geplatzt. Der nächste Kelch darf getrost an uns vorübergehen.

Zusammenfassung und Fazit

Beenden wir die Verhandlung an dieser Stelle. Wir haben gesehen: Es gibt einige Argumente, die auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick stark gegen die Einführung eines Firmenwikis sprechen. Jedes bedarf einer gesonderten Betrachtung im individuellen Unternehmenskontext. Einige sind klassische Strohmänner, andere beruhen auf Missverständnissen oder Vorurteilen, wieder andere sind nicht so einfach von der Hand zu weisen und müssen ernstgenommen werden.

Grundsätzlich gibt es Unternehmen, für die ein Wiki tatsächlich nicht das richtige Werkzeug ist, sofern sie nicht bereit oder in der Lage sind, etablierte, konservative Strukturen und Prozesse zumindest zu durchdenken. Im Zweifelsfall ist es in solchen Unternehmen durchaus sinnvoll, weiterhin auf klassische Kommunikationsmethoden zu setzen. Eine Wiki-Einführung "von unten" ohne die Unterstützung des Managements oder gar gegen seinen Willen ist erfahrungsgemäß ein sehr schweres, wenn nicht unmögliches Unterfangen.

Allerdings: Häufig kann man beobachten, dass gerade in größeren Unternehmen Personen über eine Wiki-Einführung entscheiden, die das Werkzeug später sicherlich nicht nutzen werden. In einer unternehmenspolitischen Auseinandersetzung pro und contra Firmenwiki ist es von großer Bedeutung, innovationsskeptischen Entscheidern verständlich zu machen, dass ihre Aufgabe darin besteht, Voraussetzungen für eine möglichst produktive und effiziente Arbeit der Belegschaft zu schaffen. Es ist nicht ihre Aufgabe, Werkzeuge abzulehnen, weil ihnen diese persönlich nichts bringen oder weil sie ihnen konzeptionell fremd sind.

Wenn Sie in einer solchen Diskussion mit Entscheidungsträgern im Unternehmen feststecken, unterstützen die erfahrenen Wiki-Berater von //SEIBERT/MEDIA Sie gerne mit soliden Argumenten und belastbaren Fakten pro Wiki. Sprechen Sie uns bitte an und schildern Sie uns Ihre Situation.

Ausführliche Infos rund um alle Aspekte einer Wiki-Einführung inklusive Beispielkalkulationen finden Sie auch in unserem Orientierungsangebot im öffentlichen Wiki von //SEIBERT/MEDIA.

Weiterführende Infos

111 Gründe für ein Firmenwiki
Enterprise Wikis: Unser Fachbuch über Firmenwikis ist jetzt erhältlich
Wiki-Studie: Wer nutzt Wikis und warum?
Return on Investment von Firmenwikis
Ein Intranet ohne Wiki-Funktion ist jede Menge verschenktes Potenzial und ein echter Wettbewerbsnachteil


Mehr über die Creative-Commons-Lizenz erfahren