Agile-Studie: Modelle, Methoden, Tools, Erfolge und Probleme in der Praxis der agilen Software-Entwicklung

Auch im vergangenen Jahr hat der Software-Hersteller VersionOne die Umfrage State of Agile Development durchgeführt und zusammen mit Analysis.Net Research ausgewertet. Eingeladen waren Einzelpersonen aus dem Umfeld IT und Software-Entwicklung. An der Umfrage haben mehr als 6.000 Personen teilgenommen, von denen 88% angeben, zumindest etwas Know-how in Sachen "Agile" zu haben (28% extrem sachkundig, 40% fortgeschritten sachkundig, 20% sachkundig und 10% wenig sachkundig). Nun sind die Ergebnisse da, die wir Ihnen hier mit vielen, aber interessanten Zahlen kompakt präsentieren.

Agile Modelle und Frameworks

Welche Modelle spielen in der agilen Software-Entwicklung eine Rolle? Kaum überraschend führt Scrum die Liste nach wie vor unangefochten an, wobei hier ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist, Kombinationen aus Scrum und XP folgen mit großem Abstand. Individuelle Hybridmodelle setzt inzwischen immerhin fast jedes zehnte Team ein. Andere Methoden führen in der agilen Praxis nur ein Nischendasein.

  • Scrum: 52% (- 4% im Vergleich zum Vorjahr)
  • Scrum-XP-Hybridlösung: 14% (- 3%)
  • Eigene Hybridlösung: 9% (+ 4%)

Techniken in der agilen Praxis

Die große Mehrheit der Befragten setzt in der Software-Entwicklung auf Daily Standups, iterative Planung und Unit-Tests. Hier haben sich im Großen und Ganzen keine weltbewegenden Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Interessant ist allerdings die Zunahme der Kanban-Nutzung: Kanban klettert um sechs Prozentpunkte auf 24%. Digitale Taskboards spielen immerhin in 37% der Teams eine Rolle (+ 5%). Auf die folgenden Methoden setzen jeweils mehr als die Hälfte der Teilnehmer. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Daily Standups: 78%
  • Iterative Planung: 74%
  • Unit-Tests: 70%
  • Release-Planung 65%
  • Burn-down-Charts: 64%
  • Retrospektiven: 64%
  • Continuous Integration: 54%
  • Velocity: 52%
  • Coding Standards: 51%

Gründe für die Einführung agiler Methoden

Was erwarten Teams und Unternehmen von der Einführung agiler Methoden? Welche gewünschten Effekte sind für die Umfrageteilnehmer besonders relevant? Dies sind die Top-5-Auswirkungen, die die Befragten mithilfe von Agile erreichen wollten. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Reaktionsmöglichkeiten auf sich ändernde Prioritäten: Von 83% eingestuft als sehr wichtig oder höchst wichtig
  • Höhere Produktivität: 80%
  • Schnellere Marktreife: 77%
  • Höhere Software-Qualität: 71%
  • Bessere Aufstellung von IT und Business: 65%

Konkrete Effekte agiler Methoden in der Praxis

Und wie sieht es in der Praxis aus? So haben sich der Umfrage zufolge agile Methoden im Vergleich zu klassischen Herangehensweisen ausgezahlt. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Bessere Reaktionsmöglichkeiten auf geänderte Prioritäten: 84%
  • Mehr Projekttransparenz: 77%
  • Höhere Produktivität: 75%
  • Bessere Teammoral: 72%
  • Schnellere Marktreife: 71%
  • Höhere Qualität: 68%
  • Bessere Aufstellung von IT und Business: 68%
  • Vereinfachter Entwicklungsprozess: 68%
  • Weniger Risiken: 65%
  • Kürzere Projektdurchlaufzeiten: 64%
  • Mehr Disziplin im Entwicklungsteam: 62%
  • Bessere Wartbarkeit und Erweiterbarkeit des Produkts: 60%
  • Geringere Kosten: 49%
  • Bessere Organisation verteilter Teams: 41%

Tools und Referenzen

Interessant ist natürlich auch die Frage nach den Tools: Mithilfe welcher analogen und digitalen Werkzeuge organisieren sich agile Teams? Hier sind neben Tabellen und Taskboards als klassischen agilen Tools Bug-Tracking- und Aufgabenmanagement-Werkzeuge (77%) in Verbindung mit Wikis (65%) offensichtlich sinnvolle und mächtige Lösungen. Kanban-Boards nutzen 27% der Teilnehmer bereits, weitere 20% planen eine Etablierung. Diese Tools setzen jeweils mehr als die Hälfte der Befragten in ihren Teams ein. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Bug-Tracking-Software: 77%
  • Tabellen: 67%
  • Taskboards: 66%
  • Wikis: 65%
  • Automatisierte Build-Tools: 61%
  • Unit-Test-Tools: 60%
  • Agile-Projektmanagement-Tools: 52%
  • Continuous-Integration-Tools: 51%

Welche konkreten digitalen Werkzeuge zum Einsatz kommen, weist die Studie ebenfalls aus. Hier marschieren nach Excel drei Systeme quasi im Gleichschritt, wobei MS Project und JIRA mit GreenHopper recht deutlich jeweils um 6% im Vergleich zur vorherigen Umfrage zulegen konnten. Das sind die am häufigsten eingesetzten digitalen Systeme in agilen Projekten. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Excel: 61%
  • VersionOne: 37%
  • MS Project: 36%
  • JIRA mit GreenHopper: 35%
  • In-House-Lösungen: 22%
  • Google Docs: 22%
  • Microsoft TFS: 20%
  • HP Quality Center: 19%
  • Vendor Y: 16%

Problemquellen in agilen Projekten

Reibungslos laufen allerdings (offenbar vor allem im Adaptionsstadium) auch agile Projekte nicht ab. Zwar geben 16% an, noch kein agiles Projekt durchgeführt zu haben, das als nicht erfolgreich bezeichnet werden muss. 13% wissen nicht, warum genau in Projekten Probleme aufgetreten sind. Konkrete Gründe, die agile Vorhaben behindert haben, sind die folgenden:

  • Mangelnde Erfahrung: 11%
  • Fehlendes Verständnis für die Notwendigkeit eines organisatorischen Umbruchs: 11%
  • Unternehmenskultur und agile Prinzipien passen nicht zusammen: 9%
  • Externer Druck, das Wasserfall-Modell anzuwenden: 8%
  • Zu wenig gegenseitiges Vertrauen zwischen Management und Entwicklung: 6%
  • Mangelhafter kultureller Wandel: 6%

Herausforderungen bei der Adaption

Agile verändert die Organisation in Unternehmen grundsätzlich. Welche Hürden und Herausforderungen müssen im Rahmen der Einführung agiler Methoden überwunden werden? Auch hierauf geben die Studienteilnehmer Antworten. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Notwendigkeit, die organisatorische Kultur zu ändern: 52%
  • Verfügbarkeit der nötigen Expertise im Unternehmen: 40%
  • Genereller Widerstand gegen Veränderungen: 39%
  • Management-Unterstützung: 34%
  • Projektkomplexität: 30%
  • Vertrauen in die Fähigkeit zur Adaption: 27%
  • Zusammenarbeit mit Kunden: 26%

Vorbehalte gegen Agile in Unternehmen

Die größten Bedenken, agile Methoden einzuführen, beziehen sich auf Aspekte im Zusammenhang mit der Selbstorganisation der Teams und dem iterativen Wesen agiler Prozesse. Auf die folgenden Vorbehalte sind die Befragten bei der Etablierung der neuen organisatorischen Strukturen gestoßen. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

  • Mangel an Vorausplanung: 33%
  • Verlust an Kontrolle seitens des Managements: 33%
  • Befürchteter Widerstand des Managements: 32%
  • Mangel an Dokumentation: 30%
  • Mangel an Vorhersagbarkeit: 28%

Fazit

Auch die jüngste Umfrage State of Agile Development zeigt also, dass sich mithilfe agiler Vorgehensweisen viele Prozesse verbessern und Probleme lösen lassen: Schnellere Reaktionen auf Anforderungsänderungen, Produktivitätszuwachs und mehr Transparenz sind die hervorstechenden Effekte. Dabei ist das Scrum-Modell das mit Abstand am häufigsten eingesetzte, doch individuelle Hybridlösungen, die das starre Framework etwas aufbrechen, scheinen auf dem Vormarsch zu sein. Die Vorteile gibt es allerdings nicht umsonst: Grundlegende Vorbehalte müssen ausgeräumt und organisatorische und unternehmenskulturelle Hürden und Widerstände überwunden werden, ehe Agile erfolgreich etabliert ist und der Erfolg den Agile-Verfechtern recht gibt.

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