Status Quo Agile: Auswertung einer Studie – Adaption und Nutzen agiler Methoden in Deutschland

„Status Quo Agile“ lautet der Titel einer aktuellen Studie, die Mitarbeiter der Fachhochschule Koblenz unter der Leitung von Ayelt Komus im Mai und Juni 2012 durchgeführt haben. Dafür wurden deutsche Unternehmen aller Größenordnungen und aus 19 verschiedenen Branchen zum Stand der Dinge im Hinblick auf die Nutzung agiler Methoden und ihrer Auswirkungen auf Projektergebnisse befragt.

Mit 266 vollständig ausgefüllten Fragebögen ist die Studie in einigen Details nur eingeschränkt repräsentativ, aber die Grundaussagen sind interessant und entsprechen weitgehend denen anderer Erhebungen zum Thema Agilität. Eine kurze Zusammenfassung der Studie steht im Netz zur Verfügung, der Zugang zu einer umfangreichen Auswertung kann dort per E-Mail kostenlos angefordert werden. In diesem und im folgenden Blog-Artikel stellen wir Ihnen die wichtigsten Resultate vor. Zunächst zu den allgemeinen Aussagen über die Adaption und den Nutzen von Agile.

Mehrheitlich Kombinationen aus agilen und klassischen Methoden

Eine rein agile Organisation trifft man in den wenigsten der befragten Unternehmen an. Stattdessen kommen vorwiegend sowohl agile als auch klassische Methoden sowie Hybridformen zur Anwendung. So organisieren sich die Unternehmen, denen die Umfrageteilnehmer angehören:

  • Durchgängig agil: 16%
  • Sowohl als auch: 35%
  • Mischform: 27%
  • Durchgängig klassisch: 22%

Und welchen Fokus haben diese Projekte? Agile Methoden kommen vorwiegend in IT-Projekten zur Anwendung, allerdings zeigt die Studie, dass es auch Anwendungsfälle und Einsatzmöglichkeiten in anderen Umfeldern gibt. In diesen Bereichen führen Unternehmen, die agile Methoden nutzen, Projekte durch:

  • IT-Projekte: 75%
  • Nicht-IT-Projekte: 25%

Adaption von Agile geht auf Eigeninitiative Einzelner zurück

Für jedes Unternehmen, das agil arbeitet, ist es interessant, wie der Adaptionsprozess in anderen Organisationen abgelaufen ist. Auch hierüber gibt die Studie Auskunft. Bemerkenswert: Die Umstellung auf agile Methoden geht in fast drei Viertel der Unternehmen auf die Eigeninitiative einzelner Mitarbeiter zurück. So wurde und wird die Adaption vorangetrieben:

  • Eigeninitiative einzelner Mitarbeiter: 72%
  • Mitarbeiter-Training: 59%
  • Externe Berater: 36%
  • Einrichtung eines Zentralbereichs: 9%
  • Sonstiges: 5%

Die Umstellung auf Agile ist dabei zumeist sukzessive und von einem kleineren Rahmen ausgehend erfolgt. Nur etwa jedes siebte Unternehmen hat agile Methoden sofort auf alle Projekte angewendet. So verlief bzw. verläuft der Umstellungsprozess:

  • Einzelne ausgewählte Projekte: 58%
  • Gleich bei allen Projekten eingeführt: 16%
  • Zunächst nur in einem Testprojekt: 15%

Erfolgsquoten in agilen und klassischen Projekten

Unternehmen, die heute agile Methoden anwenden, sollten gut einschätzen und vergleichen können, ob und inwiefern sich Auswirkungen auf die Projekterfolge im Vergleich zu klassisch organisierten Projekten feststellen lassen. Im Rahmen der Studie wurden diese Unternehmen um eben jene Einschätzung gebeten. Welche Erfolgsquoten haben die mit agilen Methoden (auch Mischform agil-klassisch) durchgeführten Projekte bzw. Entwicklungsprozesse?

  • 20 bis 29%: 1%
  • 30 bis 39%: 1%
  • 40 bis 49%: 1%
  • 50 bis 59%: 2%
  • 60 bis 69%: 6%
  • 70 bis 79%: 34%
  • 80 bis 89%: 34%
  • 90 bis 100%: 21%

Und welche Erfolgsquoten haben die mit klassischen Methoden durchgeführten Projekte bzw. Entwicklungsprozesse?

  • 20 bis 29%: 6%
  • 30 bis 39%: 4%
  • 40 bis 49%: 10%
  • 50 bis 59%: 10%
  • 60 bis 69%: 25%
  • 70 bis 79%: 23%
  • 80 bis 89%: 16%
  • 90 bis 100%: 5%

Wenig überraschend lässt sich also ein deutlicher Trend im Hinblick auf die Erfolgsaussichten von Projekten erkennen: Den Erfahrungen derjenigen Unternehmen zufolge, die heute agile Methoden anwenden, sind die Erfolgsquoten von Agile-Projekten offenbar deutlich höher als bei klassischen Projekten.

Bessere Ergebnisse und mehr Effizienz durch Agile

Wie wirkt sich Agile nun insgesamt aus? Die Studienteilnehmer, in deren Unternehmen agile Vorgehensweisen zur Anwendung kommen, geben hier eine klare Antwort auf die Frage „Sind durch die Anwendung von agilen Methoden Verbesserungen bei Ergebnissen und Effizienz realisiert worden?“

  • Ja: 86%
  • Nein: 5%
  • Keine Angabe: 9%

Aufwand für die Etablierung agiler Methoden lohnt sich

Die Umstellung auf agile Methoden ist jedoch mit einem nicht unerheblichen organisatorischen Aufwand verbunden. Wie bewerten die befragten Unternehmen, die agile Methoden nutzen, die Verbesserungen durch Agile im Vergleich zum Aufwand für die Etablierung? Lediglich sieben Prozent geben an, dass der Aufwand in Anbetracht der Verbesserungen zu hoch sei. Das spricht deutlich für den hohen Return on Investment der Einführung agiler Prozesse.

  • Verbesserung sehr viel höher als der Aufwand: 25%
  • Verbesserung höher als der Aufwand: 69%
  • Verbesserung geringer als der Aufwand: 5%
  • Verbesserung sehr viel geringer als der Aufwand: 2%

Zwischenfazit

Es zeigt sich auch in der Studie der Fachhochschule Koblenz, dass Unternehmen, die agile Methoden etablieren, in den allermeisten Fällen von den veränderten Strukturen und Organisationsformen profitieren. Interessant ist dabei allerdings die Feststellung, dass rein agil organisierte Unternehmen (noch?) deutlich in der Minderheit sind und der Großteil sowohl auf agile als auch auf klassische Ansätze oder auf Hybride setzt. Im zweiten Artikel kommen wir auf den Einsatz agiler Konzepte im Einzelnen und ihre Bewertung durch die Studienteilnehmer zu sprechen.

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Weiterführende Informationen

Website der Fachhochschule Koblenz zur Studie Status Quo Agile
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