Kontinuierliches Schätzen in agilen Projekten

In einem Software-Projekt will der Kunde natürlich wissen, auf was für ein Budget er sich einstellen muss: Was kostet das denn? In komplexen IT-Vorhaben, in denen man sich naturgemäß immer mit Unsicherheiten konfrontiert sieht, ist die Beantwortung dieser Frage jedoch nicht trivial. Am Anfang eines agilen Scrum-Projekts steht daher eine grobe Schätzung aus dem Bauch heraus, die dann mit jeder Iteration genauer wird, sodass früh im Projekt immer mehr Klarheit über die zu erwartenden Gesamtkosten entsteht.

Relative Komplexitätsschätzung mithilfe von Story Points

In der Planungsphase stellt sich zunächst die Frage, was die Software können soll und welchen Zweck hat sie. Es geht also um die Entwicklung einer Produktvision und der Beschreibung der Featurewünsche auf grobem Niveau, aus denen ein ebenso grober initialer Product Backlog entsteht.

Anschließend kommt bereits das Scrum-Team ins Spiel, das die Funktionen später auch umsetzen soll: Das Team sortiert die Funktionen nach Komplexität und versieht diese Reihenfolge mit Story Points. Ein Story Point ist dabei eine relative Größe, die die Komplexität einer Funktion in Relation zu einer anderen Funktion beschreibt. Aus dieser Komplexitätsschätzung gehen also Werte hervor, die die Komplexität eines Features im Vergleich zu den anderen beschreiben. (Ausführliche Informationen zu geeigneten Beschätzungsmethoden bietet die Aufzeichnung unserer Live-Session zum Thema.)

Auf Basis der Story Points können dann hilfsweise Aussagen über den Umsetzungsaufwand zu einem bestimmten Zeitpunkt getroffen werden, indem man die Erfahrungswerte im Projekt (Was kostet ein Story Point?) heranzieht. Zu Projektbeginn sind allerdings keine Erfahrungswerte vorhanden, was die Umsetzung von Features betrifft. Deshalb lässt sich eine Aufwandsindikation nur dadurch erreichen, dass das Team versucht, den Umsetzungsaufwand einer exemplarischen und nicht zu komplexen User-Story zu beschätzen (komplette Umsetzung inklusive Kommunikation, Konzeption, Entwicklung, Testen, Deployment).

Ist die erste Story beschätzt, kann durch die Hochrechnung auf alle User Stories mithilfe von Story Points ein erstes, noch sehr unsicheres Gesamtbudget errechnet werden.

Zunehmende Budgettransparenz mit jeder Iteration

Durch die iterative Umsetzung durch das Team wird dann zusehends klarer, welchen Aufwand ein Story Point tatsächlich verursacht und was seine Realisierung folglich kostet.

Das Team kennt die technischen Besonderheiten des Projekts immer besser, die Anforderungen werden präziser beschrieben und neu beschätzt, das Backlog entwickelt sich weiter (Emergent-Status). Nach jedem Sprint werden Budgetausagen also genauer. Die Erfahrung zeigt, dass die Werte nach dem dritten Sprint bereits recht stabil sind, solange sich keine grundlegenden Änderungen ergeben.

Sehr früh im Projekt entsteht somit ein immer genaueres Bild über die zu erwartenden Projektkosten (und nicht am Ende, wenn der Kunde aus allen Wolken fällt, weil das initial kalkulierte Budget explodiert ist) mit entsprechenden Reaktions- und Anpassungsmöglichkeiten seitens des Kunden: Die Beeinflussbarkeit des Gesamtbudgets ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr hoch.

Video-Beratung: Kontinuierliches Schätzen in Scrum-Projekten

In diesem Video aus unserer Online-Sprechstunde diskutieren Joachim und Martin Seibert die oben angesprochenen Methoden und Vorgehensweisen und vertiefen zudem weitere Fragen wie etwa die, warum Erfahrungswerte aus früheren Projekten für die Beschätzung mit Vorsicht zu genießen sind. Die etwa fünfzehnminütige Aufzeichnung können Sie unten auch als MP4-Datei zum Offline-Anschauen herunterladen.


Dieses Video downloaden (MP4, 136 MB)

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