Der Mal-10-Produkt-Launch (Teil 1)

Sie haben durch über 100 Kundeninterviews gewissenhaft ein MVP definiert und gebaut. Sie haben durch eine Teaser-Seite tausende E-Mail-Adressen von potenziellen Interessenten gesammelt. Sie sind bereit zum Go-live. Aber ...

Der Techniker in Ihnen sorgt sich um einige echte technische Risiken. Sie gehen durch die Nutzung einer neuen Art Datenbank bis an die Grenzen: Ist die Datenbank korrekt partitioniert? Wird sie skalieren? Sollten Sie nicht besser warten und erst noch weitere Tests durchführen?

Der Marketing-Mann in Ihnen sorgt sich um das Pricing und die Positionierung: Können Sie die Kosten für Ihr MVP rechtfertigen? Liefern Sie genug Mehrwert aus? Haben Sie den richtigen Preis gewählt? Vielleicht sollten Sie noch warten, um ein paar weitere Features hinzuzufügen, oder die Zahlungspflicht auf später verschieben?

Eine beliebte Lösung ist die Auslieferung einer "Private Beta" – Sie können Ihr Produkt inkrementell ausrollen, frühe Kundenerwartungen in Schach halten und die Preisfrage unter dem Vorwand verschieben, erst noch mehr lernen zu wollen. Während dieser Ansatz unsere inneren Ängste gewiss besänftigt, handelt es sich oft jedoch um Drückebergerei.

Der Zweck des MVP besteht darin, den Kunden ein Produkt vorzusetzen, um den Lernprozess in die Gänge zu bringen, aber lernen ist nicht gleich lernen. Sie müssen das Lernen zuerst um die riskantesten Teile Ihres Produkts herum priorisieren.

Bei den meisten Produkten sind technische Risiken nicht die riskantesten.

Das Ausliefern eines neuen Produkts kann beängstigend sein, weil man mit mehreren Produkt-, Kunden- und Marktrisiken jonglieren muss. Ich habe beim Launch des SaaS-Produkts USERcycle vor denselben Herausforderungen gestanden und den folgenden Launch-Plan entwickelt.

Der Mal-10-Produkt-Launch-Plan

Das ist die Grundidee:

10x-rollout

Wie die Private Beta nutzt auch der Mal-10-Launch einen stufenartigen Rollout. Aber im Gegensatz zur Private Beta wird jede Konnotation in Sachen Beta-Stadium vermieden. Sie müssen Ihre starke Überzeugung vom Produkt demonstrieren und bereit sein, diese Überzeugung vom ersten Tag an rigoros zu testen.

Zusätzlich nutzt der stufenartge Rollout eine logarithmische Treppenfunktion (mal 10), die die richtige Priorisierung von Risiken auf jeder Stufe erfordert.

Die richtige Priorisierung von Risiko

Das Lean Canvas unten kartiert den Pfad, den ich nutze, um die drei Risikotypen systematisch anzupacken:

canvas-risks

Produktrisiken – Das Produkt richtig verstehen

  1. Stellen Sie als erstes sicher, dass es ein Problem gibt, das sich zu lösen lohnt.
  2. Dann definieren Sie die kleinste mögliche Lösung (MVP).
  3. Bauen Sie das MVP und validieren Sie es auf kleiner Skala (UVP demonstrieren).
  4. Schließlich verifizieren Sie es auf großer Skala.

Kundenrisiken – Einen Weg zu den Kunden bauen

  1. Identifizieren Sie als erstes, bei wem etwas wehtut.
  2. Dann grenzen Sie die Early Adopters ein, die Ihr Produkt jetzt wirklich haben wollen.
  3. Es ist okay, mit ausgehenden Kanälen zu starten.
  4. Aber bauen und entwickeln Sie sukzessive eingehende Kanäle – je früher, desto besser.

Marktrisiken – Ein rentables Geschäft aufbauen

  1. Identifizieren Sie durch bestehende Alternativen Konkurrenten und wählen Sie einen Preis für die eigene Lösung.
  2. Testen Sie das Pricing zunächst durch das, was die Kunden sagen (verbale Commitments).
  3. Dann durch das, was sie tun.
  4. Optimieren Sie die Kostenstruktur, um ein funktionierendes Geschäftsmodell zu verwirklichen.

Anmerkung der Redaktion: Im folgenden zweiten Teil des Artikels zeigt Ash Maurya, wie dieser Plan in die Tat umgesetzt wird.

Dieser Artikel wurde im Original am 4. Oktober 2011 unter dem Titel The 10x Product Launch von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Seinen Weblog finden Sie unter www.ashmaurya.com. Die Website seines Unternehmens Spark59 erreichen Sie unter http://spark59.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.