Lean Startup: Warum Lean Canvas statt Business Model Canvas? (Teil 3)

In den ersten beiden Teilen dieses Artikels hat Ash Maurya dargestellt, wie es zur Entwicklung seines Lean Canvas' kam (erster Teil) und inwiefern sich diese Modifizierung warum von Alex Osterwalders originaler Business Model Canvas unterscheidet (zweiter Teil). Abschließend beantwortet er nun häufig auftretende Fragen von Entrepreneuren zum Lean Canvas.

Warum eine Variation des Business Model Canvas statt etwas Neuem?

Obwohl es vielleicht einfacher gewesen wäre, ein neues, anderes Canvas zu entwickeln, wollte ich mit den bestehenden Layout-Beschränkungen arbeiten, um nicht zuletzt auch die Arbeit von Alex Osterwalder zu referenzieren. Da er das Original-Canvas unter die Creative-Commons-Lizenz gestellt und andere zum Teilen und Bearbeiten eingeladen hat, war dieses Vorgehen eine klare Sache.

An wen richtet sich das Lean Canvas?

Lean Canvas wurde für Entrepreneure entwickelt, nicht für Berater, Kunden oder Investoren. Davon abgesehen, kann der Entrepreneur große Vorteile daraus ziehen, diese Leute in die Validierung des Canvas’ zu integrieren. Mehr Infos gibt es hier: The Different Worldviews of Startups.

Welches ist das beste Medium für ein Lean Canvas?

Nutzen Sie, was auch immer sie normalerweise nutzen. Wir haben ein Online-Tool mit dem einzigen Zweck entwickelt, Reibung bei der Konversation und Kollaboration mit anderen zu verringern. Aber ich habe auch schon mit Notizblockversionen und großen Postern gearbeitet, die ich Leuten zugänglich gemacht habe, die sich dafür interessieren könnten. Es hat etwas Verlockendes, einen physischen Artefakt (statt eines digitalen) zu haben, den man anschauen und anfassen kann. In Dublin habe ich mal eine LEGO-Version des Lean Canvas gesehen, kein Scherz.

Welche Version soll ich nutzen: Mit dem Lean Canvas anfangen und dann zum Business Model Canvas übergehen?

Nochmals: Tun Sie, was für Sie am natürlichsten ist. Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre zentralen Geschäftsmodellannahmen und Learnings in einem portablen Format dokumentieren, sodass Sie diese mit Leuten teilen und diskutieren können.

Ich habe das Lean Canvas nun in einer Reihe von Startups erfolgreich von der Ideenbildung bis zum Product/Market Fit genutzt. Die Risiken, die auf dem Lean Canvas abgebildet werden, sind nicht nur Frühes-Stadium-Risiken, sondern sie wandeln sich und evolvieren über den gesamten Startup-Lebenszyklus hinweg.

Sind Problem und Unique Value Proposition nicht dasselbe?

Die Problem-Box dient dazu, die Hauptprobleme einzufangen, denen sich Kunden in ihrer Lebenswelt gegenüber sehen, während das UVP das Marketing-Versprechen ist, das Sie ihnen geben und das sich aus der Schnittmenge von Problem-Box und (Ihrer) Solution-Box ableitet.

Nehmen wir zum Beispiel eine Online-Stellenbörse: Das Problem des Jobsuchenden könnte "von einem künftigen Arbeitgeber bemerkt werden" sein. Die angebotene Lösung wäre dann vielleicht "professionell designte Lebenslaufvorlagen", während das UVP "Traumjob in 60 Tagen oder weniger finden" heißen könnte.

Wohin kommen die Konkurrenten auf dem Lean Canvas?

Ich interessiere mich weniger für Aufzählungen wohlbekannter Konkurrenten, die wir oft in unsere Investoren-Pitches einbauen, sondern vielmehr dafür, wie Kunden ihre Probleme heute handhaben.

Ihre wirklichen Konkurrenten sind nicht die, von denen Sie es denken, sondern die, von denen Ihre Kunden es denken.

Es gibt einen Unterbereich "Existing Alternatives" unter der Problem-Box, die für diesen Zweck vorgesehen ist.

Warum gibt es Unique Value Proposition und Unfair Advantage? Ist das nicht dasselbe?

Ein Nutzenversprechen soll die Aufmerksamkeit der Kunden wecken, während der unfaire Vorteil Kopierer und Konkurrenten abschrecken soll. Sie sind oft nicht dasselbe.

Facebook ist ein gutes Beispiel:

  • UVP: "Mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung treten und Inhalte mit ihnen teilen"
  • Unfairer Vorteil: Große Netzwerkeffekte

Warum gibt es ein einzelnes Key-Metrics-Feld? Braucht nicht jede Hypothese, die getestet wird, eine Metrik, um sie zu messen?

Ja, wird ein Element auf dem Canvas durch ein Experiment getestet, sollte man eine falsifizierbare Hypothese formulieren, die erfordert, dass man eine Metrik identifiziert, um mit ihr Erfolg oder Misserfolg zu messen. Die Key-Metrics-Box ist jedoch dafür vorgesehen, die einzelne Makro-Metrik zu identifizieren, die das antreibt, was Sie tun – sprich: welche Experimente wir durchführen.

Wird es analog zum Business Model Canvas ein Plugin-Modell für das Lean Canvas geben?

Ich habe nichts dagegen, andere Tools, Worksheets oder selbst Layer zu nutzen, die Entrepreneuren beim Brainstormen helfen oder dabei, die Hauptfelder in der Tiefe zu erkunden. Zum Beispiel könnte ein Pricing- oder Metriken-Worksheet helfen, diese Konzepte zu durchdenken. Im Online-Tool nutzen wir eine Art Schichtung, um Experimente auf dem Canvas abzubilden.

Andererseits habe ich etwas dagegen, mit diesen zusätzlichen Informationen zu arbeiten, wenn man das Kern-Geschäftsmodell vorantreibt. Was mich vor allem zum Canvas-Modell getrieben hat, war, dass es auf eine einzelne Seite passt, wodurch es schnell, präzise und portabel ist. Das Problem mit Business-Plänen ist, dass ihre Entwicklung zu lange dauert und dass andere sie nicht lesen. Ich bin dafür, bei der initialen Erarbeitung eines Canvas’ mit Time-Boxing zu arbeiten und das Lernen durch Konversationen auf Touren zu bringen.

Ist das Lean Canvas nicht zu produktfokussiert?

Wenn überhaupt, dann ist das Lean Canvas schwerst problemfokussiert. Sowohl das Canvas als auch die Methodologie betonen das Problemverständnis als notwendigen ersten Schritt. Bezüglich des Produkt-Labels tendiere ich dazu, es eher lose zu nutzen. Entrepreneure sind aktionsorientiert und müssen ein "Produkt" bauen.

In meinem Artikel Your Product is NOT the Product fordere ich Entrepreneure heraus, ihre Definition von Produkt weg vom Bauen einer Lösung hin zur Entwicklung eines funktionierenden Geschäftsmodells zu verschieben.

Dieser Artikel wurde im Original am 27. Februar 2012 unter dem Titel Why Lean Canvas vs Business Model Canvas? von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Seinen Weblog finden Sie unter www.ashmaurya.com/blog. Die Website seines Unternehmens Spark59 erreichen Sie unter http://spark59.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.