Agile-Skill-Matrix: Weiterbildung im Team systematisieren und Wissensaustausch zielgerichtet steuern

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In vielen Teams sind Wissensinseln ein großes Thema und eine ernstzunehmende Herausforderung. Zugleich stellt sich für alle Teammitglieder immer wieder die Frage, in welchen Bereichen sie sich individuell weiterbilden und weiterentwickeln sollten.

Einen Einstiegspunkt für einen Austausch innerhalb von Entwicklungsteams kann in diesem Zusammenhang die sogenannte Skill-Matrix bilden. Dieses Hilfsmittel unterstützt die Erarbeitung und Visualisierung von:

  • aktuellen Skill-Anforderungen, die sich dem Team in den nächsten Monaten stellen
  • Status quo der Ausprägungen dieser geforderten Skills im Team
  • gewünschten Weiterentwicklungsbereichen

Erstellung und Nutzung einer Skill-Matrix

Der Ablauf zur Erstellung und Nutzung einer Agile-Skill-Matrix stellt sich wie folgt dar:

  1. Sammlung der erforderlichen Skills für das Team in den nächsten drei bis vier Monaten
  2. Ermittlung des Status quo des Skill-Levels der einzelnen Teammitglieder
  3. Festlegung von Lernzielen und von Maßnahmen
  4. Regelmäßige Reviews der Fortschritte gemäß der Lernziele (z.B. alle sechs bis acht Wochen)

Die folgende Vorlage verdeutlicht sehr gut, wie eine solche Matrix aussehen kann:

openagile_skill_matrix

Die Vorlage für eine Skill Matrix von OpenAgile

Ein Team kann eine solche Matrix erfahrungsgemäß innerhalb von anderthalb bis zwei Stunden initial aufsetzen. Mit der Zeit sollte sie sich verändern und weiterentwickeln.

Aus der Matrix soll hervorgehen, welche Skills für das Team in der nächsten Zeit relevant sein werden und welches Maß an Granularität und Differenzierung für eine Fähigkeit sinnvoll ist. Wählt das Team eine Programmiersprache als Skill, ein Framework, eine bestimmte Library? Auf diese Fragen muss das Team mithilfe der Matrix und unterstützt von einem Moderator Antworten finden.

Die Skill-Level

Die Erhebung der Skill-Level lässt sich unterschiedlich granular gestalten. Gebräuchlich ist eine Unterteilung in Kuchendiagramme mit fünf Leveln:

  1. Keine Skills (leerer Kreis)
  2. Grundwissen
  3. Fähigkeit, grundlegende Aufgaben auszuführen
  4. Fähigkeit, alle zugehörigen Aufgaben auszuführen
  5. Fähigkeit, in allen Aufgaben zu unterrichten (voller Kreis)

Dabei dürfte die Frage, wie genau die Abgrenzung zwischen den einzelnen Leveln zu verstehen ist, sicher für Diskussionsstoff im Team sorgen. Solange diese Gespräche konstruktiv und zielgerichtet ablaufen, können sie zu einem sehr wertvollen Austausch führen. Ansonsten lassen sich aber auch granularere Unterteilungen gemeinsam festlegen.

Und was machen wir jetzt damit?

Wenn der aktuelle Stand der Skills im Team einmal dokumentiert ist, sind bereits zwei wichtige Dinge erarbeitet worden. Das Team hat mehr Klarheit gewonnen, welche Skills derzeit gefordert werden, und weiß, wie es in der aktuellen Konstellation mit diesen Skills “ausgestattet” ist.

Diese Informationen können nun als Basis für eine Diskussion darüber dienen, wie die Skill-Verteilung wahrgenommen wird. Gibt es wichtige Skills, die sehr ungleich verteilt sind? Gibt es bereits sehr ausgeprägte Skills, für die vorerst kein weiterer Weiterbildungsbedarf besteht? Hier sollten sich zahlreiche interessante Beobachtungen machen lassen.

Darauf aufbauend, kann das Team sich darüber abstimmen, wie die Lernziele für die nächste Zeit aussehen. Wer möchte in welchen Skills bis zu welchem Zeitpunkt ein Level besser werden? Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um das zu erreichen?

Diese Maßnahmen kann das Team praktischerweise auf einem kleinen Kanban-Board abbilden, das gemeinsam gepflegt wird.

Visualisierung und Reviews für dauerhafte Etablierung

Nun sollte die Skill-Matrix nach dem Aufsetzen nicht in der Schublade verschwinden, sondern zusammen mit dem Kanban-Board, auf dem die Maßnahmen abgebildet sind, im Teamraum aufgehängt werden. So bleibt das gemeinsame Vorhaben für alle Beteiligten präsent.

Es ist sinnvoll, regelmäßig (etwa alle sechs bis acht Wochen) noch einmal zu prüfen, welche Maßnahmen bereits umgesetzt wurden, welche Maßnahmen noch offen sind und ob die Matrix an sich noch den sich möglicherweise wandelnden Anforderungen entspricht.

Fazit

Die Agile-Skill-Matrix ist ein cooles Instrument, das mit wenig Aufwand eine gute Grundlage bildet, um die Weiterbildung eines Teams zu systematisieren und in einen kontinuierlichen, fließenden und anpassbaren Prozess zu transferieren. Das Team kann Wissensinseln identifizieren und diesen entgegenwirken, es schafft Transparenz über die Teamfähigkeiten, und es kann gezielt auf sich verändernde Projekterfordernisse reagieren.

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Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form am 14. Oktober 2013 im Blog Produktmanager-Internet.de unter dem Titel Wissensaustausch und Weiterentwicklung im Team zielgerichtet gestalten – die Skill Matrix von Paul Herwarth von Bittenfeld veröffentlicht. Paul Herwarth von Bittenfeld arbeitet seit 2003 bei //SEIBERT/MEDIA. Weitere Fachartikel des Autors finden Sie in unserem Special Produktmanagement.


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