Ein richtiges Gefühl für Design mit Schrift entwickeln (Teil 2)

Im ersten Teil dieses Artikels hat der Autor beschrieben, dass erfahrene UX-Designer Schrift oft intuitiv handhaben, und die verschiedenen Ebenen und Herausforderungen beim Design mit Schrift herausgearbeitet. Darauf aufbauend, schlägt er nun Wege vor, sich ein solches Gefühl für Schrift anzueignen.

UX-Tag-CloudGefühl trainieren

Um gut im Design mit Schrift zu werden, müssen wir unser Gefühl trainieren. Das ist konzeptionell kein schwieriger Prozess, aber man muss die Bereitschaft an den Tag legen und hat einen Haufen Arbeit zu tun.

Der erste Schritt besteht darin, das Subjekt zu studieren. Wir fangen damit an, alles zu lesen, was wir darüber finden können.

Es gibt drei Bücher zum Thema, die mir gerade besonders gut gefallen. Ellen Luptons Thinking with Type ist ein wunderbares Buch, das all die Attribute auf großartige Weise einführt. Robert Bringhursts The Elements of Typographic Style bespricht die Interaktionen und das Zusammenspiel der Attribute, um zu einem erfreulichen UX-Design zu kommen. Und schließlich hat mir Tim Brown Stephen Coles' The Anatomy of Type: A Graphic Guide to 100 Typefaces nahegelegt. Das ist ein tolles Buch, das tief analysiert, was eine Schriftart von der anderen unterscheidet.

Diese drei Bücher zu verschlingen, ist ein großartiger Start. Doch wir müssen Schrift immer noch in der wirklichen Welt sehen.

Großartige (und nicht so großartige) Designs dekonstruieren

Der zweite Schritt ist der, die Schriften in den UX-Designs, die wir um uns herum sehen, zu dekonstruieren. Was haben die Designer gemacht? Wie spielen die Attribute zusammen?

Tools wie die Chrome-Erweiterung WhatFont helfen, die Schriftart auf jeder Webseite zu identifizieren. Mit anderen Werkzeugen können wir die CSS-Attribute der Schrift analysieren.

Mit der Zeit können wir erkennen, was Designer gemacht haben, und eine eigene Meinung darüber formen, was funktioniert und was nicht. Wir sammeln Beispiele von Designs, die wir mögen, und machen uns Notizen zu den Attributen, die in sie eingeflossen sind.

Aber hier ist noch nicht Schluss. Wir nehmen das CSS und die Schrift und bauen unsere eigenen Seiten, um nachzuahmen, was jene Designer gemacht haben. Dann experimentieren wir mit den Attributen, um zu sehen, wie sich das Gefühl ändert, wenn wir kleine (und große) Modifikationen vornehmen.

Der Trick liegt darin zu erkunden, was all die Attribute wirklich tun. Nicht nur, was sie laut Lehrbuch tun, sondern wie sie sich auf das Design auswirken, wenn sie justiert werden. Der Wechsel zwischen einem erfreulichen und einem unerfreulichen Design durch das langsame Manipulieren der Variablen kann zu einen echten Sinn dafür führen, wie Gefühl funktioniert.

Tim Brown hat einen kleinen Spielplatz dafür gebaut. Auf der Website TypeKit Practice können Sie in diversen Lektionen mit Schrift-Designs spielen. (Es ist toll und es ist kostenlos.)

Sich in Schrift-Design-Projekte einbringen

Der dritte Schritt besteht darin, Gelegenheiten zu finden und zu nutzen, um in Schrift-Design-Aufgaben einzutauchen. Nehmen Sie so viele Projekte wie möglich. Durch nichts lernt man ein Thema besser beherrschen als durch die nahezu tägliche Arbeit daran.

Nutzen Sie die Möglichkeiten zum Erkunden. Nehmen Sie sich extra Zeit, um mehrere Variationen eines Designs zu erstellen. Lehnen Sie sich zurück und versuchen Sie zu entscheiden, welche Variante Ihnen besser gefällt.

Bitten Sie andere, den Text zu lesen und zu sagen, welche Version leichter lesbar ist. Fragen Sie, welche Stimmung das Design weckt. Die Leute sollen versuchen zu erklären, was die Designs ihrer Ansicht nach unterscheidet.

Nutzen Sie diesen Input, um zu sehen, ob sich darin Ihre eigenen Impressionen der verschiedenen Varianten widerspiegeln. Mit der Zeit werden Sie anfangen, die Antworten auf Ihre Fragen voraussagen zu können. Wenn Sie dazu in der Lage sind, wissen Sie, dass Sie ein Gefühl dafür bekommen, was ein gutes Design ausmacht.

Jan Tschichold, der große Typograf, sagte einst: "Man wird nicht als Meister der Typografie geboren." Design mit Schrift kann angsteinflößend sein, aber die Furcht verschwindet, wenn Sie das Selbstvertrauen haben, das entsteht, wenn man zu einem Thema wirklich viel gelernt hat. Es gibt großartige Ressourcen dafür. Die besten Designer nehmen sich die Zeit, sie zu nutzen.

Dieser Artikel wurde im Original am 30. Juli 2014 unter dem Titel Developing a Right Feeling for Designing with Type von Jared M. Spool veröffentlicht. Jared M. Spool gehört zu den führenden User-Experience-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.uie.com. Weitere Artikel von Jared M. Spool finden Sie im Usability-Special von //SEIBERT/MEDIA.