Lean Startup: Wie man eine Idee findet, deren Zeit gekommen ist

Nach meinem letzten Artikel Die Kraft einer guten Strategie habe ich einige E-Mails bekommen, in denen es darum ging, ob nun Timing oder Strategie der Hauptgrund für den Erfolg von Facebook gewesen war. Diese E-Mails enthielten auch einen Link zum jüngsten TED-Talk von Bill Gross, in dem er davon spricht, dass Timing der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Startups ist – neben vier anderen Kriterien, die er untersucht hat.

Seine fünf Startup-Erfolgsfaktoren sind:

  1. Timing
  2. Team/Ausführung
  3. Idee
  4. Geschäftsmodell
  5. Finanzierung

Wenn Sie es noch nicht kennen – es ist kurz und sehenswert:

Das Problem, das ich mit Timing als Erfolgsfaktor habe, besteht darin, dass dabei eine einseitige Rückschau-Perspektive mitschwingt. Die größere Frage ist: Wie kann man eine Idee, deren Zeit gekommen ist, von solchen auseinanderhalten, bei denen das nicht der Fall ist?

Timing: Die Wahl, Beurteilung oder Kontrolle dahingehend, wann etwas getan werden sollte.

Es war nicht das Ziel des Strategie-Artikels, den Lesern einen heiligen Erfolgsgral mitzugeben, sondern einen Denkprozess oder eine Metastrategie für das Finden von lösenswerten Problemen zu teilen. Dies umfasst die Untersuchung unserer Analogs und Antilogs, um einen "anderen Ansatz" (Strategie) zu verfertigen, den wir dann durch kleine, schnelle, additive Experimente testen.

Wenn ich meinen stärksten Indikator für Erfolg angeben müsste, wäre es nicht Timing, sondern Zugkraft.

Was ist Zugkraft?

Zugkraft ist die eine Metrik, die mehr als alle anderen zählt, doch das Problem ist, dass Zugkraft für unterschiedliche Leute unterschiedliche Bedeutungen hat, und sie kann auch missbraucht werden.

Lean Startup Hockeystock

Es reicht nicht aus, irgend eine bequeme Metrik zu nehmen, in der der Graph nach rechts und nach oben geht, und das als Zugkraft zu verkaufen. Zum Beispiel kann die kumulative Anzahl der Nutzer über die Zeit hinweg eigentlich gar nicht anders, als nach rechts und oben zu gehen. Ein erfahrener Investor wird die Fassade der Eitelkeitsmetriken direkt durchschauen.

Wir müssen stattdessen eine Metrik wählen, die als ein belastbarer Frühindikator für das zukünftige Wachstum des Geschäftsmodells dient. Hier ist meine Definition von Zugkraft:

Zugkraft ist die Rate, bei der ein Geschäftsmodell monetarisierbaren Wert von seinen Kunden einfängt.

All die Unternehmen in der Erfolgskategorie (Airbnb, Instagram, Uber, YouTube, LinkedIn), die im TED-Talk genannt werden (und auch Facebook), haben dieses Kriterium ziemlich früh erfüllt. Die gescheiterten Unternehmen nicht.

Wenn wir Zugkraft haben, macht sich die Finanzierung normalerweise von selbst. Ebenso das Geschäftsmodell. Umgekehrt ist das nicht notwendigerweise der Fall.

Es braucht nicht massenweise Ressourcen für frühzeitige Zugkraft

Die gute Nachricht ist, dass wir gelernt haben, wie wir Zugkraft in ihre Einzelkomponenten aufbrechen und Frühindikatoren messen können, wie Facebook es getan hat. Sie mussten nicht an eine Milliarde Menschen ausrollen, um ihre Investoren davon zu überzeugen, dass sie es könnten.

Wenn wir den ersten Singularitätsmoment unseres Produkts nicht erreichen können, ist alles andere auch egal.

Der Singularitätsmoment eines Produkts ist nicht der, in dem man seine erste Code-Zeile schreibt oder die erste Finanzierungsrunde meistert, sondern der, in dem wir unseren ersten Kunden erzeugen. Wir gehen von Nichts zum Erschaffen von Wert.

Jedes Business, sei es das von Amazon, das von Google oder das von Facebook, hat auf diese Weise begonnen – mit einem der Millionen (oder Milliarden).

Wenn wir das wiederholt tun können, müssen wir die Anstrengungen verdoppeln und uns von hier aus auf ein höheres Niveau bringen.

Kontrolle über die Zeit zu übernehmen, ist besser handzuhaben als Timing

Statt zu hoffen, dass die Idee das richtige Timing hat, sollten wir stattdessen unsere Zeit als heiligste Ressource bewerten. Wir können immer mehr Geld und mehr Leute kriegen, aber der Zeitpfeil bewegt sich nur in eine Richtung.

Hier ist eine kleine Grübelei aus meinem neuen experimentellen Blog:

Gute Ideen sind einfach schwer zu finden.
Und wir alle haben viele von ihnen.
Aber wir können bei einer Idee, deren Zeit nicht gekommen ist, nicht mit roher Gewalt vorgehen.

Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt auch bessere und schnellere Wege haben, um diese Ideen rasch zu durchleuchten.

Deshalb sehen wir kurzfristig mehr Ideen, die scheitern, als solche, die erfolgreich sind.
Aber das ist meiner Meinung nach immer noch ein Erfolg.
Wir tauschen das große Scheitern gegen viele kleine Resets ein.

Diese Ideen haben einfach Raum in unserem Kopf eingenommen.
Nun gibt es Platz für unsere nächste "große Idee".
Drauflos!

Dieser Artikel wurde im Original am 11. Juni 2015 unter dem Titel How to Find an Idea Whose Time Has Come von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Seinen Weblog finden Sie unter http://leanstack.com. Die Website seines Unternehmens Spark59 erreichen Sie unter http://spark59.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.