Warum gründen Leute Startups?

Offenbar werden eine Menge Leute aus den falschen Gründen Entrepreneure – um cool zu sein, um einen Haufen Geld zu machen, um der nächste (hier den Namen eintragen) zu werden.

Ich habe darüber nachgedacht, warum ziemlich kluge Menschen die ziemlich irrationale Entscheidung treffen, ein Unternehmen zu gründen. Es braucht nicht viel Analyse (oder Zeit in einem Startup), um zu sehen, dass die Wetten für Startups schlecht stehen – selbst in einer Gesellschaft, die eine Faible für Überlebenskünstler hat. Man kann viele andere Dinge tun, um ein prima Leben zu haben, und in vielen Teilen der Welt ist Unternehmergeist sogar ein kulturelles Tabu.

In Paris wird Entrepreneurschaft als etwas angesehen, in das man gezwungen wird, wenn es einem nicht gelungen ist, einen sicheren staatlichen Job zu finden.
– Matthieu Lefort

Wenn man als Entrepreneur erfolgreich ist, wird man in Spanien entweder als Betrüger oder als jemand, der Glück hatte, angesehen.
– Ramón Suárez

Doch ungeachtet dessen: Entrepreneure sind überall.

Ich war besonders überrascht davon, dass 60 Prozent des Traffics zu meinem Buch von außerhalb der USA kommt – weniger als zehn Prozent kommt aus Silicon Valley.

Da ich zuletzt ziemlich viel auf Reisen war, habe ich noch einen anderen Unterschied beobachtet: Während Startups in Silcon Valley vielfach professionelle Sportteams ähneln, die nach der Meisterschaft trachten, werden Startups in anderen Teilen der Welt von einem anderen Spiel angetrieben: dem Überleben.

Ich glaube, die Gründe, ein Startup aufzuziehen, variieren breit, aber diese Gründe verändern sich auch über die Zeit. Ich startete mein erstes Unternehmen 2002 und fast seit meinem College-Abschluss bin ich in Startups aktiv. Zurückblickend kann ich meine eigenen Gründe in drei ausgeprägte Stadien aufsplitten.

Stadium 1: Verlockung der kreativen Hingabe - Entrepreneure sind Künstler

Wie viele andere Entrepreneure war ich anfangs getrieben von einem unerklärlichen Bedürfnis, etwas zu erschaffen – etwas Einzigartiges zu bauen, das potenziell die Welt verändert.

Damals im Jahr 2002 begann ich, eine private Social-Networking-Anwendung namens 6Degrees zu entwickeln. Ich konnte schwerlich wissen, dass nur Monate später Friendster erscheinen würde, gefolgt von Dutzenden anderer Social-Networking-Sites. Das konnte uns nicht aufhalten, denn wir hatten einen anderen Ansatz (basierend auf Privatsphäre und Dezentralisierung). Konkurrenz fühlte sich wie Validierung an und gab uns die Befugnis, mit dem Erschaffen weiterzumachen. Doch seinerzeit im Jahr 2002 kamen Privatsphäre und Social Networking nicht zusammen.

Lektion 1: Anders zu sein, ist nur dann gut, wenn der Unterschied etwas ausmacht.

Stadium 2: Startup als Überlebenskampf - Auch Entrepreneure müssen essen

Schon ziemlich früh muss man herausfinden, wie ein Startup das Starting-up-Gefälle überlebt. Ich habe einen spaßigen kleinen Artikel mit dem Titel Ausprägungen eines Startups geschrieben, der diverse Ansätze dafür umreißt.

Selbstfinanzierung war nicht meine erste Wahl. Ich war gerade Teil eines neunstelligen Startup-Exits gewesen (das hauptsächlich den Gründern gehörte), also vereinbarte ich ein Meeting mit den Gründern. Zu meiner Überraschung mochten sie mein Konzept, waren aber nicht willens, seine Entwicklung zu finanzieren. Das war die erste von vielen noch folgenden Lektionen im Hinblick auf das Verstehen von Startup-Risiken und die wirkliche Aufgabe eines Entrepreneurs. Zu dieser Zeit hatte ich das alles noch nicht ganz verstanden.

Kapital war damals nicht leicht zu kriegen (speziell in Texas), aber ich war entschlossen, voranzuschreiten. Ich bekam tatsächlich meine "große Chance" durch einen Entrepreneur aus Norwegen, der mich über einen Blog-Post fand und die Entwicklung einer Plattform, die ich baute, im Austausch gegen einen vergünstigten Lizenz-Deal finanzierte.

Sogar damals schon lobte ich eine Prämie auf meine Zeit aus. Ich traf eine Vereinbarung mit meiner Frau, dass ich Geld als Erfolgsbarometer nutzen würde. Wann immer ich in der Vergangenheit etwas wollte, das ich mir normalerweise nicht leisten konnte, stellte ich mir selbst die Herausforderung, Wege zu finden, es zu bezahlen. Ich wandte das gleiche Denken hier an: Der Preis war, genug Startbahn zu bauen, um mir meine kreative Neigung leisten zu können.

Seltsam genug: Ich ließ sieben Jahre am Stück keine einzige Rechnung offen und wurde wirklich gut im Überleben. Allmählich interessierte es mich weniger zu lernen, wie man komplexe Produkte entwickelte; mich interessierte es immer stärker zu lernen, wie man erfolgreiche Produkte entwickelt.

Bis dahin hatte ich mich bei der Produktentwicklung durchgewurschtelt: Ich hatte versucht, eine Plattform zu bauen, mit Open Source herumgestümpert, "Release early, release often" praktiziert, "Less is more" aufgegriffen und sogar "More is more" probiert. Zu dieser Zeit kam ich mit Customer Development in Berührung, von wo aus ich der Spur zu Lean Startup folgte, was meinen Ansatz, wie ich Produkte behandle und entwickle, komplett änderte.

Während ich erfolgreich brauchbare Kundenprobleme aufdeckte, die gelöst werden müssen, und sogar ziemlich weit damit kam, das Geschäftsmodell zu validieren (mit positivem Cashflow), fehlte etwas ganz Essenzielles: Leidenschaft für die Kunden und ihre Probleme. Auf meinem Weg hatte ich meine Gründungsvision unbewusst von problembasiert ("Alle auf diesem Planeten verbinden") zu lösungsbasiert verschoben: Ein Peer-to-Peer-Web-Framework, das die Grenzen zwischen dem Desktop und dem Web verwischt. Ich war zu einem Unternehmen mit einer Lösung, das nach einem Problem sucht, geworden, und die rentablen Kunden und Märkte, die ich fand, fand ich unvorhergesehen.

Anmerkung: Es ist wichtig hervorzuheben, dass viele Unternehmen auf dieses Muster passen, und es ist ein absolut plausibler Weg, ein Geschäft aufzubauen. Aber das war nicht das, weshalb ich mein Unternehmen in die Welt gesetzt hatte.

Lektion 2: Geld zu machen, ist die erste Form der Validierung, aber nicht genug.

Stadium 3: Der Fluch der Altlasten - Entrepreneure müssen sich ständig neu erfinden

Ich sah mich gezwungen, mich meinem Problem leidenschaftslos zu stellen, und entschied, dass es Zeit war, den Reset-Knopf zu drücken. Hinterlassenschaften können ein Vorteil sein oder ein zwingender Nachteil und es war keine einfach zu treffende Entscheidung.

In den letzten zwei Jahren war ich in ein neues Set von Problemen gestolpert – eines, das den Nerv auf vielen Ebenen traf. Ich hatte diesen Blog für mich aufgesetzt, um einen Weg zu haben, mich weiter öffentlich erklären zu können, doch nach und nach wies der Weg in Richtung der Lean-Startup-Welt und ich gesellte mich zur Diskussion dazu. Ich war positiv überrascht von den Reaktionen und der Ermutigung, die ich erfuhr, und entschied mich zur weiteren Erkundung. Wiederwillig fing ich an, ein Buch zu schreiben, und noch wiederstrebender begann ich, Workshops zu halten. Doch beides waren Wege, neue lösenswerte Probleme aufzudecken und zu testen.

Als ich sah, wie sich immer mehr Punkte miteinander verbanden, rief ich meinen ersten Kunden aus Norwegen an und sagte ihm, dass ich bereit wäre, das Geschäft zu verkaufen. Innerhalb von zwei Wochen hatten wir einen Deal und nach einer kurzen Zeit der Unternehmensübertragung begann ich, die Grundlagen für ein neues Unternehmen zu schaffen: Spark59 mit der Mission, anderen Startups dabei zu helfen, ihre Erfolgschancen zu erhöhen. Nein, das war kein Pivot zum Berater. Ich liebe es zu sehr, Produkte zu entwickeln, und ich habe einen Weg gefunden, dies mit dem Schreiben, dem Experimentieren, dem Lehren und dem gemeinsamen Arbeiten mit anderen Entrepreneuren zu kombinieren.

Lektion 3: Nur eine Leidenschaft für die Lösung zu haben, ist ein Problem.

Pioniergeist

Es gibt viele Gründe, aus denen Leute Startups gründen, die zu erfolgreichen Unternehmen (und/oder Exits) werden. Ich bin seit langem dabei. Startups können Jahre unseres Lebens einnehmen und tun es auch. Wir stellen besser sicher, dass es den Ritt wert ist.

Meine neue Formel für den Start eines Unternehmens lautet, ein Problem zu finden, dass es wert ist, für die Kunden gelöst zu werden, mit denen ich liebend gerne zusammenarbeite. Statt sich, dem Lean-Startup-Geist folgend, ins Bauen einer einzelnen Lösung zu stürzen, bevorzuge ich multiple und spät verbindliche Iterationen einer Lösung, die nur durch positive Bestätigung seitens der Kunden weiter verfeinert werden.

Der einzige Weg, großartige Arbeit zu machen, besteht darin zu lieben, was man tut. Wenn du es noch nicht gefunden hast, such weiter. Gib dich nicht zufrieden.
– Steve Jobs

Die Leute haben unausweichlich Probleme, und wir (die Entrepreneure) sind dazu berufen, nach Lösungen zu suchen.

Dieser Artikel wurde im Original am 5. Oktober 2011 unter dem Titel Why Are You Doing a Startup? von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Seinen Weblog finden Sie unter http://leanstack.com. Die Website seines Unternehmens Spark59 erreichen Sie unter http://spark59.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.