Themes: Eine kleine Veränderung für Produkt-Roadmaps mit großen Auswirkungen (Teil 1)

Ich bin verliebt. Ich bin in eine Idee verliebt. Wirklich eine ziemlich einfache Idee. Aber eine, die unglaubliche Effekte hat, wenn man sie in Bewegung bringt.

Es ist Bruce McCarthys Idee. Bruce ist der Produktmanager unter den Produktmanagern und einer der klügsten Menschen, die ich kenne. Er hat mir von dieser Idee erzählt und ich erzähle sie Ihnen weiter.

Bruce und ich unterhielten uns über Produkt-Roadmaps, in denen die Features beschrieben werden, für die sich das Team verpflichtet, sie über die nächsten paar Releases hinweg auszuliefern. In den meisten Organisationen dreht sich alles um solche Roadmaps.

Das Marketing-Team nutzt die Roadmap, um die Stories zu planen, die sie erzählen wollen, um neue Kunden anzulocken (und um bestehende zum Upgrade zu bringen). Der Kunden-Support nutzt sie, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter sich mit den neuen Features auskennen und Hilfe anbieten können. Und die Produktentwicklung nutzt sie natürlich, um Ressourcen zuzuteilen und die künftige Entwicklung zu beschleunigen.

Während wir so über Roadmaps diskutierten, erschütterte Bruce meine Welt mit einem einzelnen Wort: Themes. Themes bilden eine Alternative zu Features. Statt zu versprechen, ein spezifisches Feature zu bauen, verpflichtet sich das Team, ein spezifisches Kundenproblem zu lösen.

Themes sind ein Versprechen, Probleme zu lösen und nicht Features zu bauen

Ein typisches Roadmap-Feature könnte die Fähigkeit sein, Daten nach Salesforce zu exportieren. Kunden haben vielleicht sogar schon nach diesem Feature gefragt und gesagt, dass sie weitere Lizenzen en masse kaufen, wenn das Produkt es einfach macht, die Daten zu bewegen.

Aber mit den Themes von Bruce würde das Produktstrategie-Team untersuchen, warum Kunden ihre Daten in Salesforce einbringen möchten. Inwiefern macht es ihnen das Leben leichter? Könnte es sogar noch besser sein, wenn die Migration in beide Richtungen möglich wäre? Wie aktuell müssen die Salesforce-Daten sein? Was passiert, wenn sie in Saleforce eingespeist sind? Was ist das größere Problem, das gelöst werden muss?

Die letzte Frage ist ziemlich interessant. Zu verstehen, wie die Daten nach Salesforce exportiert werden sollen, trägt zur Lösung eines größeren Problems bei. Das Team könnte interessante Alternativlösungen aufdecken. Vielleicht ist Salesforce nur ein Zwischenhalt auf dem Weg, größer zu werden. Und falls ja: Vielleicht gibt es Funktionalitäten, die das Team dem Produkt hinzufügen könnte. (Oder noch besser: Vielleicht gibt es die Funktionen schon, aber sie sind schwer zu finden.)

Bruce sagt, dass Themes den Teams helfen, fokussiert zu bleiben, ohne sich permanent auf eine Lösung zu committen, die sich vielleicht später als nicht die beste Idee herausstellt. Das kann vor allem für Roadmaps gelten, die zwei, drei oder mehr Jahre in eine undeutliche Zukunft reichen. Die Viabilität eines Features kann sich dramatisch verschieben, während die Natur eines wichtigen Kundenproblems wahrscheinlich dieselbe bleiben wird.

Wir haben festgestellt, dass dies sich auf nette Weise mit einem anderen Phänomen zusammenfügt, das wir beobachtet haben: Wenn ein Team eine klare Definition des Problems hat, liegen Lösungen oft auf der Hand. In der Regel ist die größte Fehlerquelle auf dem Weg zur Lösungsdefinition eine unklare Problemdefinition. Indem wir das Problem zum Zentrum unserer Strategie machen, werden mehr Ressourcen verfügbar, um bei der Definition zu helfen.

Strategie mit den Kunden im Mittelpunkt

Die schiere Brillanz von Bruce‘ Idee liegt darin, dass der wichtigste Fokus bei der Entwicklung einer Produktstrategie mit einem Mal darauf liegt, alles über die Kunden zu lernen. Wenn Unternehmen über Features reden, sagen sie: „Schaut auf uns. Schaut auf das, was wir tun können.“ Wenn Unternehmen über die Probleme der Kunden reden, sagen sie: „Schaut darauf, womit sie es zu tun haben. Schaut, wie wir ihnen helfen können.“

Während Unternehmen gerne dutzende (oder in manchen Fällen hunderte) von Features in einem jeden Release haben wollen, können die Kundenprobleme zahlenmäßig geringer sein. Wenn es ein großes Problem ist, mit dem viele Kunden zu tun haben, kann dessen Lösung das Einzige sein, was im Release ausgeliefert wird.

Nun, da das Team damit begonnen hat, das Problem zu lösen, könnte das bedeuten, dass sie eine Menge Änderungen über das Produkt hinweg vornehmen. Aber jede dieser Änderungen spielt eine bestimmte Rolle bei der Lösung dieses spezifischen Kundenproblems.

Das wird zu einem wichtigen Rasiermesser für die Entscheidung über Prioritäten. Nehmen wir zwei oder drei wichtige Kundenprobleme für dieses Release. Jede Änderung am Produkt, die nicht hilft, eines dieser Probleme zu lösen, wird aus dem Backlog geworfen.

So viele Features in den heutigen Produkten sind Lösungen ohne klares zu lösendes Problem. Dieses Rasiermesser hält Teams fokussiert, was oft auch bedeutet, dass die Zeit bis zur Auslieferung kürzer ist.

Nutzerforschung wird vom netten Beiwerk zur Pflicht

Wir können eine Roadmap nicht mit Kundenproblemen füllen, wenn wir nichts über unsere Kunden wissen. Wenn wir uns davon abwenden, Features einzuführen (was unabhängig davon geschehen kann, ob die Kunden brauchen, was wir bauen), erfordert diese Roadmap-Technik tiefe und umfassende Einsichten über die Kunden.

Der beste Weg, diese Einsichten zu generieren, ist solide, kontinuierliche Nutzerforschung. Produktmanager müssen nun Kundenbesuche initiieren, das Team muss Nutzer beobachten und danach suchen, was diese Leute wirklich brauchen und welche Hürden ihnen im Weg stehen.

Der Status der Nutzerforschung verändert sich – von einem Luxus im Prozess des Produktdesigns zu einer dem Strategieprozess vorangestellten Anforderung. Das Erfassen und Synthetisieren unterschiedlicher Probleme wird nun zur Standardmethode, wenn wir darüber reden, wie ein Produkt entwickelt wird. Kunden stehen im Mittelpunkt jeder Diskussion darüber, was einfließt und was nicht.

Weitere Vorteile des Theme-Ansatzes für Roadmaps folgen in Kürze im zweiten Teil des Artikels.

Dieser Artikel wurde im Original am 16. September 2015 unter dem Titel Themes: A Small Change to Product Roadmaps with Large Effects von Jared M. Spool veröffentlicht. Jared M. Spool gehört zu den führenden User-Experience-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.uie.com. Weitere Artikel von Jared M. Spool finden Sie im UX-Special von //SEIBERT/MEDIA.