Themes: Eine kleine Veränderung für Produkt-Roadmaps mit großen Auswirkungen (Teil 2)

Im ersten Teil des Artikels hat UX-Fachmann Jared Spool vorgeschlagen, bei der Entwicklung von Produkt-Roadmaps den Fokus zu verlagern – weg von der Planung von Features und hin zu Kundenproblemen, die ein Release lösen soll. Dieser zweite Teil knüpft direkt an diese Überlegungen an und zeigt weitere Vorteile dieses Ansatzes auf.

Das Spiel Konkurrenten-Einholen abschaffen

Ein weiterer großer Vorteil der Fokusverschiebung auf die Lösung von Kundenproblemen ist das Abwenden vom Spiel des Konkurrenten-Einholens. Wenn das Produktteam untersucht, was die Kunden brauchen, gucken sie nicht, was die Konkurrenz hat. Jedem Wettbewerber, der nach wie vor mit einem Feature-Fokus arbeitet, werden Chancen entgehen.

Fast nie werden wichtige Kundenprobleme von den Unternehmen in der Wettbewerbslandschaft gelöst. Das liegt daran, dass jeder ständig versucht, die Anderen zu übertreffen, ohne dabei den Kunden Aufmerksamkeit zu schenken.

Das erste Unternehmen, das den Schritt geht, eine Roadmap in Form lösbarer Kundenprobleme zu definieren, wird sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Es bietet innovative Lösungen für drängende Probleme, während die Wettbewerber die falschen Dinge für wichtig halten.

Statt eine Konkurrenzanalyse zu machen, spricht das Strategieteam nun darüber, was am Markt fehlt. Sie fokussieren sich vollständig auf das, was niemand sonst tut. Das ist ein solider Wettbewerbsvorteil.

Die Geschichte der Lösung vermarkten

Marketing-Teams stehen vor einer lästigen Pflicht, wenn es Zeit ist, der Welt vom nächsten Major-Release ihres Produkts zu erzählen. Sie müssen all die Features zusammensuchen und narrative Texte erstellen, die die Leute dazu bringen, diese Dinge haben zu wollen. Aber was ist die große Story, die hinter diesen unabhängig voneinander designten und entwickelten Features steckt und das Leben der Kunden besser macht?

Die Themes von Bruce ersetzen diese lästige Pflicht und präsentieren dem Marketing-Team die Geschichte auf einem Silbertablett. Hier sind die Probleme, die wir ausgemacht haben, und so haben wir sie gelöst.

Jedes Element des neuen Releases erzählt die Story, die das Marketing wiedergeben muss. (Und wenn die Marketing-Leute clever waren, haben sie von Beginn an zum Strategieteam gehört, sodass sie stets im Blick hatten, was da den Weg entlang kommt.)

Ein geschlossenes UX-Design entwickeln

Ein Bestandteil der Lösung eines Kundenproblems besteht darin, sicherzustellen, dass wir es nicht schlimmer machen. Dadurch, dass wir das Problem als Startpunkt für das Projekt haben, hat das Entwicklungsteam eine unmittelbare Grundlage, an der es sich messen kann.

Bei einem gegebenen Kundenproblem wird das Team mit mehreren Lösungen ankommen. Die beste Lösung zu wählen, wird eine Abwägung zwischen Aufwand und den Verbesserungen sein, die sie ausliefern können. Diese Faktoren zu determinieren, ist einfacher, wenn sie mit einem klar definierten Problem beginnen. Ohne ein Commitment auf spezifische Lösungen hat das Team Flexibilität.

Ein dem Feature-Ansatz innewohnendes Problem tritt auf, wenn das Team versucht, mehr Funktionen in ein bereits vollgestopftes und komplexes Produkt zu pressen. Sie laufen Gefahr, das Produkt noch schwieriger nutzbar zu machen, weil die neuen Features sich nicht schön in die bereits vorhandenen einpassen.

Mit dem Ansatz von Bruce hat das Team die Macht, Nein zu jeder Lösung zu sagen, die das Problem verschlimmert. Dazu gehört, das Produkt komplexer zu machen. Die Basisanforderung im Hinblick darauf, den Kunden das Leben leichter zu machen, besteht darin, ein geschlossenes, einfaches UX-Design voranzutreiben.

Die Verlagerung auf Themes ist eine Herausforderung

Organisationen, die mit der Feature-Mentalität groß geworden sind, werden rackern müssen, um die Verlagerung auf Kundenprobleme zu bewerkstelligen. Das ursprüngliche Bedürfnis zu fragen: „Aber welches Feature liefern wir aus?“, wird nicht ohne Kampf abklingen. Wachsamkeit über das Produktstrategie-Team hinweg (und Luftsicherung durch das höhere Management) werden Grundbedingungen sein, damit Themes funktionieren.

Nachdem das Team es allerdings in den Griff bekommen hat, in Form von zu lösenden Kundenproblemen zu denken, und alle Vorteile erntet, die damit einhergehen, ist es wahrscheinlich, dass dieses Denken zur Norm wird. Die Erfolge, die in jedem Teil des Unternehmens spürbar sind, wenn die Kunden ins Zentrum des Strategieprozesses gerückt werden, werden die Organisation zu einer der treibenden Kräfte am Markt machen.

Danke an Bruce McCarthy fürs Anbieten dieser fantastischen Idee der Themes.

Dieser Artikel wurde im Original am 16. September 2015 unter dem Titel Themes: A Small Change to Product Roadmaps with Large Effects von Jared M. Spool veröffentlicht. Jared M. Spool gehört zu den führenden User-Experience-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.uie.com. Weitere Artikel von Jared M. Spool finden Sie im UX-Special von //SEIBERT/MEDIA.