Wie man eine eigene Portalseite im Web und im Intranet optimiert und wirklich besitzt

Read this article in English.

Zunächst war es ein simpler JIRA-Vorgang mit der Zusammenfassung Eigenes öffentliches Profil optimieren. Wir hatten im Dezember eine US-Tour für unsere Intranet-Lösung Linchpin und ich habe wie verrückt Mails und Interessenten und Intranet-Kunden geschrieben. Jede E-Mail enthält einen einfachen Footer:

Viele Grüße / Best regards

Martin Seibert

//SEIBERT/MEDIA, T. +49-611-20570-20, +1-619-798-6420
http://seibert.biz/martinseibert

Sowohl deutsche als auch englische Kontakte sehen diesen Footer. Jede E-Mail, die ich versende, enthält also standardmäßig diese Infos: Meine E-Mail (im Header), meine Telefonnummern und meine englische Profilseite.

Ich finde es gut, dass der Footer kurz und knapp ist. Ich stelle aber auch fest, dass die Bedeutung der verlinkten Seite zunimmt. Das ist auch der Grund, warum es diesen JIRA-Vorgang gibt: Ich wollte etwas Zeit in die Optimierung investieren.

Warum kein Link auf ein Social-Media-Profil?

In den USA und den meisten Teilen der Welt ist LinkedIn der Ort, an dem man eine professionelle berufliche Profilseite haben sollte. In Deutschland ist Xing nach wie vor führend. Ich habe Profile auf beiden Portalen.

Ich will diese Seiten aber nicht im E-Mail-Footer verlinken, weil ich nicht die Kontrolle über sie habe. Zum Beispiel kann ich nicht einfach ein großes Video auf die Profilseite stellen, wenn ich das will. Das Netzwerk zeigt Werbung, zwischen meinen Inhalten gibt es Störer, auf meiner Seite gibt es Infos, die ich nicht beeinflussen kann. Ich habe gar nichts gegen Xing, LinkedIn & Co., sie bieten coole Möglichkeiten. Aber ich möchte diese Links nicht im E-Mail-Footer haben. Stattdessen verlinke ich von meiner Profilseite prominent dorthin.

Bei der Arbeit an meiner Seite ist dann direkt die folgende Frage aufgekommen:

Was könnte auf der Profilseite stehen?

Es gibt diverse Wege, um Ideen für eine persönliche Profilseite zusammenzutragen:

  • Die Social-Media-Dienste LinkedIn, Xing, Twitter, Facebook, Quora usw. sind ein guter Anfang. Aber die sind ja bereits verlinkt, und ich wollte nicht einfach Inhalte von dort kopieren. Zum Beispiel habe ich persönlich keinen besonders spannenden Lebenslauf. Ich bin selbständig, seit ich 17 bin. Keine Unternehmenswechsel, keine Änderungen der Position. Doch trotzdem liefern diese Dienste Ideen für Profile: Präsentationsfolien, Zitate von Kunden und Geschäftspartnern, Fremdsprachen-Skills, persönliche Stärken und Fähigkeiten, Hobbys, berufliche Interessen, persönlicher Slogan, Geburtstag und Alter, Mädchenname und anderes mehr.
  • Die Idee der Fotos gefällt mir und ich habe sie von Facebook abgeschaut. Man würde ja gerne auch sehen, mit wem man es zu tun hat.
  • Videos kommen einem natürlich auch sofort in den Sinn. Also kann ein Link auf den eigenen YouTube-Kanal hilfreich sein.
  • Wenn ich will, dass Leute sich mit mir vernetzen oder erfahren können, was mich gerade beschäftigt, ist es sinnvoll, ein paar dynamische Elemente mit aufzunehmen, die meine letzten Social-Media-Aktivitäten zeigen (also meine neuesten Tweets, meine jüngsten Facebook-Aktivitäten, meine letzte Antwort auf Quora etc.).
  • Ich habe mir Profile von Kollegen angesehen, die ihre beruflichen Profilseiten ebenfalls seit Jahren pflegen. Speziell Joachim und Paul haben ziemlich viel Aufwand in Inhalte gesteckt, die für Kunden hilfreich sind. Diese Ideen habe ich von ihren Seiten: Veröffentlichungen, öffentliche Vorträge, Blog-Artikel, das Angebot, als Redner aufzutreten, Referenzkunden, aktueller beruflicher Fokus.

Was wollen Kunden auf meiner Profilseite?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Aber den Blickwinkel des Kunden einzunehmen, sollte Standardpraxis sein. Das sind die Fragen, auf die Kunden meiner Annahme nach Antworten suchen, wenn sie auf die Profilseite gehen:

  • Wer ist das? Wie sieht er aus? (Ergebnis: Name, Rollen im Unternehmen, Porträtfoto)
  • Wie kann ich ihn erreichen? (Ergebnis: E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Handynummer, Meeting-Planungsseite)
  • Was für einen formellen Hintergrund hat er? Gibt es dafür Zertifizierungen?) (Ergebnis: Lebenslauf, Bildungsweg und Uni, vielleicht sogar außergewöhnliche Abschlüsse)
  • Welche Projekt- und Produkterfahrung hat er? (Ergebnis: Fallstudien, Berichte, Referenzen, Links, ...)
  • Wie ist er so? Ich würde gerne einen kleinen Einblick in seine Persönlichkeit und seinen Stil erhalten. (Ergebnis: kurzer persönlicher Abschnitt, Vorstellungsvideo)

Aus meiner Erfahrung heraus und vor allem aus vielen Gesprächen mit Kollegen und anderen Geschäftskontakten ist mir klar, dass diese Form der digitalen Verfügbarkeit mitunter als Problem gesehen wird. Potenziell kann mich jeder auf dem Handy anrufen oder einen Gesprächstermin mit mir aufsetzen. Das ist nicht ganz das Ziel, das ich habe. Aber es passiert auch überhaupt nicht. Und ich bin rigoros darin, Telefonate und Meetinganfragen zu blocken, für die meine Teilnahme nicht wirklich nötig ist. Andererseits bekomme ich auch sehr gute Anrufe von Personen, mit denen ich wirklich gerne sprechen will.

Wie erstellt man so eine Profilseite?

Als Twitter aufkam, legte ich mir dort ein Profil an und fand es doof, dass ich die Twitter-Domain dafür nutzen musste: http://twitter.com/mseibert. Später habe ich auf Facebook, LinkedIn und Quora und all den anderen Social-Media-Diensten gelernt, dass das ganz normal ist. Nun wird man mir bestimmt sagen, wie oldschool es ist, wenn ich will, dass mein Profil mir gehört. Wer dieser Meinung ist, ist bei LinkedIn und Xing super aufgehoben.

Meine Empfehlung lautet nach wie vor, eine eigene Seite in einer eigenen, kontrollierbaren Umgebung zu pflegen. In meinem Fall ist es eine öffentliche Confluence-Instanz. Das geht natürlich auch mit WordPress, Joomla oder jedem anderen CMS. Wer mag, kann sich mit HTML und CSS eine Profilseite auch von grundauf hochziehen und trainiert damit gleich mal seine Tech-Skills.

Ein anderer Grund für eine unabhängige Seite ist, dass Leute von dort aus im Unternehmenskontext Kontakt aufnehmen können. Die Profilseite meines Kollegen Adil hat über unseren Live-Chat tatsächlich schon eine neue Geschäftsbeziehung generiert!

Die Rolle von Intranet-Profilen

Wer in einem Unternehmen mit 1.000 oder mehr Leuten arbeitet, für den treffen all diese Überlegungen auch auf das Intranet der Organisation zu. In unserer Confluence-basierten Intranet-Lösung Linchpin haben Admins die mächtige Möglichkeit, die Profilstruktur der Nutzer aufzupeppen und beliebig um Felder zu erweitern. Sie können Pflichtfelder definieren, und ein Profile Completion Assistant erinnert die User daran, die erforderlichen Daten zu hinterlegen. Die folgenden Videos zeigen das Konzept der erweiterten Nutzerprofile in einem Linchpin-Intranet:

Und in Linchpin ist es außerdem möglich, per Klick eine individuelle Seite anzulegen und diese dann zusätzlich im internen Profil zu verlinken.

Eine gute virtuelle Selbstdarstellung im eigenen großen Unternehmen zu haben, kann sogar noch wertvoller sein als im Web. Wem die Dunbar-Zahl etwas sagt, der weiß auch, dass es schon schwer ist, interne Beziehungen zu mehr als 150 Leuten zu pflegen. Und was ist, wenn ich in einer Organisation mit 15.000 Mitarbeitern bin? Wie stelle ich sicher, dass die Leute wissen, worüber ich viel weiß, welche Sprachen ich beherrsche, in welchem Büro ich sitze und wann ich erreichbar bin, um zu unterstützen?

Ein gutes, informatives und sympathisches Intranet-Nutzerprofil ist kein hübsches Social-Intranet-Beiwerk. Es kann zu einem Karrieretreiber werden.

Work in progress ...

Während ich dies schreibe, sind meine deutschen und englischen Profilseiten nach wie vor in progress. Der Prozess wird wahrscheinlich nie enden. Schauen Sie dort doch mal vorbei – und für Vorschläge und Kritik bin ich gerne zu haben. Das bringt mich direkt auf die nächste Idee: Kontaktformulare und Feedback-Befragungen auf Profilseiten.

Wie sehen Sie das? Haben Sie ein unabhängiges Profil auf einer eigenen Website? Welche Ziele verfolgen Sie damit? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen! 🙂

Weiterführende Infos

Social Intranet mit Linchpin
Der Profile Completion Assistant in Linchpin
Custom User Profile für Confluence: Jetzt auf dem Atlassian Marketplace verfügbar


Mehr über die Creative-Commons-Lizenz erfahren