UX-Designer-Tricks, um zahlreiche Design-Variationen zu erkunden

Eine Falle, in die ich UX-Designer regelmäßig tappen sehe, ist die, eine Idee zu nehmen und sie bis ins Detail auszuarbeiten. Das klingt nicht schlecht. Im Grunde genommen ist es eine gute Idee, warum also nicht? Ich muss Admiral Ackbar vertrauen: Es ist eine Falle (und deshalb tappen auch so viele so einfach hinein).

Oft ist unsere erste Idee nicht unsere beste Idee, vor allem, wenn wir ein schwieriges Problem angehen. Wir haben die Grenzen des Problems nicht vollständig erkundet. Wenn wir den erstbesten Weg nehmen und zu weit auf ihm gehen, kann es irgendwann zu schwierig zum Umkehren sein.

Es kam zur Sprache, als ich mit Chris Risdon über die anstehende UX Immersion sprach: Interaktions-Workshops über Prototyping. Er erzählte mir, dass er es zur Regel für seine Teams gemacht hatte, für jeden einzelnen Design-Artefakt etliche Variationen zu produzieren, ehe damit begonnen wird, eine bestimmte Idee auszuarbeiten.

Nehmen wir an, wir arbeiten an einem Prototyp einer App, die Eltern dabei hilft, Privatlehrer für ihre Kinder (oder sich selbst) in der Nähe zu finden. In dieser App wird jeder Nutzer einen Account brauchen, um sich mit dem Lehrer seiner Wahl verbinden zu können. Wenn wir ausskizzieren wollen, wie dieser Onboarding-Prozess aussehen könnte, wäre unsere erste Variation, einen Account zu erstellen und dann die in der Nähe verfügbaren Lehrer zu sehen.

Wir wollen hier nicht anhalten, also denken wir eine Sekunde darüber nach und erkennen, dass wir diese Reihenfolge auch einfach umkehren könnten. In einem zweiten Prototyp zeigen wir erst die Liste der Lehrer in der Nähe. Nur wenn der Nutzer den gesuchten Mathelehrer für die Mittelschule gefunden hat, den er gerne kontaktieren würde, müsste er einen Account anlegen. Nun haben wir zwei Prototypen, die wir vergleichen können. Nicht schlecht. Allerdings hört ein echter Jedi hier nicht auf.

Generativ sein: Das Außerhalb der Komfortzone erkunden

Diese beiden Variationen waren offensichtlich. Die erste Idee, dann die Umkehr dieser ersten Idee. Chris‘ Empfehlung lautet, hier nicht zu stoppen. Stattdessen untersuchen wir das Problem ein wenig eingehender und schauen mal, wohin uns die Reise führt.

In beiden Variationen sind die Suche nach Lehrern und die Eingabe der Account-Informationen eigenständige, nicht miteinander verbundene Aktivitäten. Was wäre, wenn wir sie zusammenführen und sie weniger voneinander getrennt machen?

Was, wenn wir das Profil des Nutzers entsprechend der Auswahl aufbauen, die er bei der Verfeinerung seiner Lehrersuche vornimmt? Wir könnten seinen Standort einsammeln, das Alter des Kindes und die Themen, bei denen Hilfe gesucht wird – das alles, indem wir einfach schauen, wie er die Liste filtert. Diese Informationen könnten dann smarte Vorschläge für sein Account-Profil werden.

Voila! Eine dritte Variation ist geboren!

Über die offensichtlichen Alternativen hinauszugehen, nennt Chris „die Komfortzone verlassen“. Manchmal, wenn wir uns ein bisschen Zeit und Raum nehmen, können wir zusätzliche Variationen finden, die sich nicht sofort von selbst angeboten haben, und diese können Elemente haben, die besser sind als das, mit dem wir ursprünglich daher kamen.

Wir nutzen diese generativen Design-Techniken, um Möglichkeiten zu erkunden. Wir investieren nicht Unmengen an Zeit in die einzelnen Varianten, sondern nutzen die Zeit dafür, neue Variationen zu generieren. Im Gegenzug lernen wir mehr über die Problemlandschaft.

Feedback erhalten: Auf die Stimmen um uns herum hören

Zahlreiche Variationen bieten einen großen Vorteil, indem sie uns helfen, reichhaltiges Feedback zu sammeln. Wir bekommen unsere Kollegen und Stakeholder dazu, sich über das Standard-Zwillingspaar „Gefällt mir“ / „Gefällt mir nicht“ hinauszubewegen, von denen uns beide nicht dabei helfen zu lernen, was wir nächstes Mal anders machen sollten.

Mit diversen Variationen können wir unsere Kritiker bitten, die Versionen zu vergleichen. Wir können unsere Intention mit jeder Iteration feinschleifen. Wir können sehen, ob eine Iteration das Problem besser löst als andere. Und am wichtigsten: Wir können erkunden, warum die Variationen das Problem lösen (oder nicht), und profitieren von diesem Wissen bei künftigen Iterationen.

Es gibt immer noch Fallen zu vermeiden, zum Beispiel die naheliegende Frage „Welche Version findest du am besten?“ Es interessiert uns nicht, ob jemandem eine Variation gefällt oder nicht. Es interessiert uns, ob die Variation tut, was unserer Intention entspricht.

Bei der ersten Version unseres Lehrer-Finders ging es darum, das Profil aufzubauen, sodass der Nutzer mit besser auf ihn zugeschnittenen Suchergebnissen starten könnte. Wäre das unsere Intention gewesen, könnten wir unsere Reviewer nun fragen, wie gut unsere Variation dieses Ziel erreicht.

Was hat Variation eins, das sie im Vergleich zu den anderen beiden Versionen besser darin macht, Nutzer an Bord zu bekommen? Warum?

Wo greift Variation eins im Vergleich zu den anderen beiden Version dabei zu kurz, User schnell an Bord zu bekommen? Warum?

Jede Variation sollte ihre eigene Intention haben, die sie von den anderen Versionen unterscheidet und einzigartig macht. Wenn das Team über die unterschiedlichen Intentionen diskutiert, entsteht eine eigene Sprache, um das Problem und seine möglichen Lösungen zu beschreiben. Dieses tiefe Eintauchen macht uns alle klüger im Hinblick auf unsere UX-Designs.

Das Coole daran ist, dass die Arbeit mit zahlreichen Varianten keine radikale Änderung unseres Prozesses erfordert. Es ist ein Weg, der uns vor der Falle bewahrt, uns zu sehr auf eine bestimmte Richtung einzuschießen, ehe wir das Problem komplett verstanden haben.

Dieser Artikel wurde im Original am 30. Dezember 2015 unter dem Titel Jedi Designer Tricks for Exploring Multiple Variations von Jared M. Spool veröffentlicht. Jared M. Spool gehört zu den führenden User-Experience-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.uie.com. Weitere Artikel von Jared M. Spool finden Sie im UX-Special von //SEIBERT/MEDIA.