Lean Startup: Meine drei wichtigsten Lektionen als Entrepreneur (Teil 1)

Business Plan ArtikelbildLektion 1: Right Action, Right Time

Zu jedem Zeitpunkt gibt es nur einige wenige Schlüsselaktionen, auf die es ankommt. Fokussieren Sie sich auf diese und ignorieren Sie den Rest.

Ich sah auf meine Uhr und es war fast 9 Uhr. Ich traf mich mit Bijoy Goswani (einem Freund und Mentor) in einem lokalen Cafe in Austin, Texas, um mich zu beraten.

Es war ein kalter Januar-Morgen im Jahr 2006 – exakt ein Jahr, nachdem ich mein eigenfinanziertes Unternehmen gegründet hatte. Ich hatte die letzten sechs Monate damit verbracht, mit einem kleinen Team ein vielversprechendes Software-Produkt zu entwickeln. Wir waren noch einige Monate vom Launch entfernt. Das Problem war, dass wir nur noch Startbahn für weniger als weitere sechs Monate hatten, ehe uns das Geld ausgehen würde. Also hatte ich prokativ entschieden, externes Geld von Investoren aufzutreiben. Ich wusste, dass der Fundraising-Prozess selbst locker mehrere Monate kosten könnte und große Teile meiner Aufmerksamkeit beanspruchen würde – und wahrscheinlich sogar den Produkt-Launch verzögern. Aber ich war darauf vorbereitet, mit diversen Prioritäten gleichzeitig zu jonglieren. Es war Zeit, die Dinge zu intensivieren.

Das Ziel des Treffens bestand darin, meine Fundraising-Strategie zu umreißen und Bijoys Unterstützung und Hilfe zu bekommen. Er hörte sich meinen Plan geduldig an und stellte mir dann eine einfache Frage:

Würdest du lieber die nächsten sechs Monate mit dem Pitchen für Investoren oder mit dem Pitchen für Kunden verbringen?

Ich dachte, ich müsste einen Weg finden, um beides zu tun. Sein Rat war, eines auszuwählen. Er führte weiter aus, dass mein Produkt, so vielversprechend es mir selbst erschien, in den Augen von Investoren (und Kunden) noch unerprobt war. Der Weg, das zu ändern, sei der, zuerst einige wenige gute Kunden zu bekommen. Wenn es mir gelänge, frühe Traction vorzuweisen, würde das jedes Gespräch mit einem Investor massiv beschleunigen. Dann lächelte er und sagte: "Nachdem du ein paar gute Kunden gewonnen hast, könntest du sogar feststellen, dass du gar keine Investoren mehr brauchst."

Das war ein Moment der Transformation und meine erste Begegnung mit dem Konzept "Right Action, Right Time".

Lektion 2: Zeit ist die wertvollste Ressource

Anders als Ressourcen wie Geld und Leute, die nach oben und unten fluktuieren können, bewegt sich die Zeit nur in eine Richtung.

Spulen wir ein paar Jahre vor. Das Geschäft läuft gut, aber ich ertrinke in Arbeit. Was sich seit meinem Treffen mit Bijoy geändert hat, ist, dass ich nun auch zwei Kinder im Haus habe. Kinder zu haben, bringt neben anderen Dingen auch eine neue Würdigung der Freizeit mit sich. Wir können mit dem Partner verhandeln, wie wir unsere Freizeit verbringen, aber wir können nicht mit einem schreienden Baby verhandeln. Vor den Kindern habe ich meine Tage und Wochenenden mit Arbeit gefüllt. Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Ich war immer beschäftigt, immer am Rennen.

Mit Kindern hatte ich dementsprechend nicht viel Freizeit zum Jonglieren. Ein Tag hat nun mal nur endlich viele Stunden, und nun wurde es noch schlimmer. Klar hatte ich die Wahl, aber für mich stand es nicht zur Debatte, keine Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Nachdem ich ein paar Monate jongliert hatte, um die richtige Balance zu finden, erinnerte ich mich daran, wie ich meine frühere Beschränkung – das begrenzte Geld – überwunden hatte. Nicht durch mehr Geld, sondern durch die Fokussierung auf die richtige Aktion. Ich fragte mich, ob derselbe Ansatz auch auf meine neue Beschränkung – die begrenzte Zeit – anwendbar war.

Statt meine Tage mit reaktiver, hektischer Arbeit zu füllen, begann ich, meinen Tag in Zeitblöcke einzuteilen. Ich legte meine kritischsten, nicht verhandelbaren "Macher-Aktivitäten", die ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen, in die frühen Morgenstunden. Mit dem Fortschreiten des Tages verlegte ich mich von Macher- auf Manager-Aufgaben, die stärker von Unterbrechungen getrieben waren. Auf diese Weise bastelte ich inkrementell an meinen "Right Action"-Aufgaben, während alles andere in den Hintergrund trat. Die Ergebnisse waren unglaublich.

Diese kleinen Bausteine begannen, sich aufzusummieren, und schon bald machte ich große Fortschritte in Sachen Produktivität. Ich fing an, meine Wochen und Monate auf dieselbe Weise zu organisieren, und alles begann zu fließen. Von außen betrachtet, muss ich wie ein begabter Jongleur ausgesehen haben. Ich managte diverse Software-Produkte, schrieb mein erstes Buch und reiste um die Welt, um Workshops zu halten. Aber wie das Drei-Bälle-Jonglieren war das nur eine schöne Illusion. Ich schaffte die Arbeit nicht dadurch, dass ich mehrere Bälle in der Luft hielt, sondern dadurch, dass ich mich stattdessen zu jedem bestimmten Zeitpunkt auf einen einzigen Ball fokussierte – und sicherstellte, dass jedes Teil ins andere griff.

Dann fragte ich mich, ob "Right Action, Right Time" nicht noch in größerem Maßstab angewendet werden könnte.

Lektion 3: Das Geschäftsmodell ist das Produkt

Die tatsächliche Aufgabe eines Entrepreneurs besteht nicht einfach darin, eine tolle Lösung zu entwickeln, sondern ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Ich war ziemlich gut darin geworden, meine Produktivität und meinen Fokus auf Aufgabenebene zu verbessern, doch mich plagte weiterhin etwas. Ich hatte über die Jahre hinweg viele neue Produkte gelauncht, aber obwohl alle meine Ideen als "großartige Ideen" begannen, wurden nicht aus allen großartige Produkte.

Sicher, wie jeder andere auch, wünschte ich, dass mehr meiner Produkte sich als großartig herausgestellt hätten, aber es war nicht meine Erfolgs-/Scheitern-Rate, die mich nachts wach hielt. Ich wusste, dass gute Ideen selten und schwer zu finden sind. Und man muss sich durch Unmengen an Dingen graben, die nicht funktionieren, um die wenigen zu finden, die es tun.

Was mich stattdessen wirklich umtrieb, war der Zyklus zwischen den Ideen. Zu dieser Zeit lagen zwischen Ideen durchschnittlich anderthalb Jahre. Das war der Zeitraum vom Aufblitzen der Idee bis zu dem Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, es entweder bleiben zu lassen oder die Anstrengungen hinsichtlich der Idee zu verdoppeln. Und das war einfach zu lange.

Wie der Autor diese Herausforderung angegangen ist, bespricht er im zweiten Teil des Artikels.

Dieser Artikel wurde im Original am 23. Februar 2016 unter dem Titel My 3 Biggest Lessons on Entrepreneurship (so far) von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Seinen Weblog finden Sie unter http://leanstack.com. Die Website seines Unternehmens Spark59 erreichen Sie unter http://spark59.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.