//SEIBERT/MEDIA-EM-Tagebuch 2016 – Tag 12

Liebe Freunde des Absicherns und Durchsicherns,

euer EM-Tagebuch geht in die zwölfte Ausgabe! Ich werde euch durch die 15. Fußball-Europameisterschaft in Frankreich begleiten. Von mir erfährt der geneigte Leser an jedem Spieltag jede Menge interessante Dinge, die er wissen muss, und noch mehr Irrelevantes, das er besser schnell wieder vergisst. Bleibt auf Empfang! In diesem Sinne:

Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen. (Günter Netzer)

Das Spiel des Tages

Noch 7 Spiele. Die Europameisterschaft biegt auf die Zielgerade ein. Von 24 angetretenen Mannschaften sind 16 inzwischen daheim, darunter ambitionierte Mannschaften wie Kroatien und auch echte Favoriten wie Spanien und natürlich England (siehe unser Special unten 😉 ). Einige wurden feierlich und mit Ehren daheim empfangen, zum Beispiel die unentwegten Iren und Nordiren, andere fahren besser direkt weiter in den Urlaub und lassen sich erstmal nicht zu Hause blicken, beispielsweise die Engländer (siehe unser Special unten 😉 )

Heute steigt das erste Viertelfinale. Die ehrgeizigen Polen haben ihre beste Mannschaft seit vielen Jahren, und Ronaldos Portugiesen wollen endlich mal zeigen, dass irgend eine der vielen vermeintlich Goldenen Generationen, die Portugal hervorgebracht hat, auch wirklich mal was reißen kann.

Bleibt bloß zu hoffen, dass wir nicht wieder so ein übles Beton-Mischen wie im Achtelfinale Portugal gegen Kroatien durchleiden müsse.

Polen - Portugal
Donnerstag, 30. Juni, 21:00 Uhr, Marseille

Zitat zum Tage

Thema heute: Portugal, am Abend wahrscheinlich Beton gegen Polen anrührend

In Brasilien sagt man, die portugiesische Nationalmannschaft hat keine Laster: Sie raucht nicht, sie trinkt nicht, und sie spielt nicht.

Der Schriftsteller und Journalist Francisco Jose Viegas

Special: England - Island

Hm. Wird drei Tage nach diesem Achtelfinale zwischen England und Island wirklich noch über den 2:1-Sieg der Nordländer diskutiert, so packend, leidenschaftlich und denkwürdig er auch war? Oder ist das inzwischen längst alles kalter Kaffee?

In dem Fall sehen wir es als unsere Aufgabe, ihn aufzuwärmen und nochmal die ganzen billigen Sprüche vom Montag durchzukauen - immerhin haben wir das Wort Schadenfreude bis auf die Insel exportiert! 😀

Hier ist unser großes Special zu England - Island (1:2).

Der große taktische Rückblick

Ihr habt das Spiel gar nicht mehr richtig vor Augen? Kein Problem, hier ist unser Leserservice mit einer ausführlichen Zusammenfassung:

Zahlensalat VIII

Das Spiel gegen England hatte in Island eine Rekordeinschaltquote von 99,8%!

Nur rund 650 der isländischen TV-Zuschauer hatten während des Achtelfinales ein anderes Programm eingeschaltet.

Die Presse

Hach ja, für sachliche Töne ist die englische Revolverpresse eher nicht bekannt, vor allem wenn es um Fußball geht. Nach dem Aus gegen Island machen aber auch seriöse Organe wie die altehrwürdige Times keine Gefangenen und geben ihren Versagern mächtig Saures. Eine Auswahl der Pressestimmen. 😀

The Times: "Nach 959 Spielen war das die demütigendste Niederlage in Englands Geschichte - gegen ein Land von 330.000 Einwohnern, trainiert von einem Zahnarzt. England hat letzte Nacht aufgehört, ein Fußball-Team zu sein, und ist nur noch eine Lachnummer. Das war hirntoter Fußball, voll von Individuen in Panik."

The Sun: "Nationale Schande - England im heillosen Durcheinander, völlig planlos, ohne Rückgrat und Herz."

Daily Mail: "Raus aus Europa... schon wieder! - England erleidet die ultimative Demütigung durch eine beschämende Niederlage gegen den kleinsten Fisch im Turnier. Geschlagen von Island - einem Land mit der Einwohnerzahl in der Größe von Leicester."

Daily Express: "England verdient es, nach Hause zu fahren. Geschlagen von einem intelligenteren, besser organisierten und disziplinierteren isländischen Team."

BBC: "England erleidet die schlimmste Erniedrigung seit dem Aus bei der WM 1950 in Brasilien gegen die USA. Roy Hodgson tritt nach dererbärmlichen Demütigung zurück, gegen den 34. der Welt mit einer Bevölkerung von nur 330.000 zu verlieren."

Mirror: "Völlige Demütigung. Keine Ideen, keine Überzeugung, keine Klagen - Roy Hodgsons Männer sind nach einer grauenhaften Vorstellung in Nizza auf dem Weg nach Hause. Es gibt drei Dinge, die sicher sind im Leben: Tod, Steuern und miese englische Vorstellungen in großen Turnieren."

Independent: "Der Grund, warum die Nation damit hadert, Mitgefühl oder eine Verbindung zu vielen dieser Spieler aufzubauen, ist das Ego. Zu berühmt, zu wichtig, zu reich, zu arrogant, um die Geschwindigkeit und den Kampf anzunehmen, wenn es gegen eine der winzigsten Fußballnationen Europas geht. Das ist England."

Daily Star: "Horror-Show!"

Fallobst?

Nun, bei allem Verständnis für den Frust - aber nach dem Spiel tun die Medien so, als hätten sie in Island erst kürzlich das Feuer entdeckt.

Um die Recken um Zottelbart Aron Gunnarsson im Vorfeld etwas erster zu nehmen und um zu verstehen, dass Island eben keine Thekenmannschaft ist, hätte indes schon ein kurzer Blick auf die Ergebnisse der Qualifikation zu dieser EM gereicht...

Island

Und warum die Isländer konditionell so irre stark sind, ist inzwischen auch klar:

Der Torhüter

Zu Englands Traumata gehören nicht nur die Elfmeterschießen, sondern seit Jahr und Tag auch die Torhüter. Entweder haben sie schlicht keinen tauglichen Keeper, oder sie haben mal einen mit Potenzial, aber wenn's drauf ankommt, versagt er doch.

Diesmal war es Joe Hart, kein schlechter Mann und Stammkraft im Tor von Manchester City, dem neuen Verein von Startrainer Pep Guardiola.

Doch dann die 18. Minute: Kolbeinn Sighthórsson kommt an der Strafraumgrenze zum Schuss, oder eher zum Schüsschen, aber Hart geht mit der Schnelligkeit eine Bahnschranke runter und lässt den eher harmlosen Kullerball unter der linken Hand durchflutschen. Ein schlimmer Patzer und das 2:1 für die Isländer, das sie bis zum Schlusspfiff verteidigen.

Auf Twitter begleitete man die Angelegenheit so:

Ein Twitterer machte gleich mal eine der beliebten Football Battles auf, die ja nach dem Motto funktionieren: "Wer ist besser? Retweet für Spieler X, Fave für Spieler Y." 😀

Und irgendwann muss irgend jemand den folgenden Gag zum ersten Mal gepostet haben... 😉

Der Kommentar II

Er war auch wieder gut in Form, Gudmundur Benediktsson, der Fußballkommentator beim isländischen TV, dem die Stimmlage vor Begeisterung manchmal um zwei Oktaven nach oben verrutscht.

Hier sind die Sekunden vor dem Schlusspfiff und die danach. Einfach irre wunderbar! 😀

Die Fans

Ja, was haben sie zu Tausenden so wunderschön gesungen, die Engländer:

Don’t take me home
Please don’t take me home
I just don’t wanna go to work -
I wanna stay here
And drink all your beer!
Please don’t, please don’t take me home!

Tja, nix mit dableiben und all das gute Bier wegtrinken: Nach nur zwei Wochen EM ging es tatsächlich doch schon nach Hause und zurück an die Arbeit.

Einige trugen es mit britischer Würde:

Andere waren dagegen entsprechend angesäuert. 😀 /o\

Bei der EM im Fluchen hätten die Engländer sicher beste Chancen gehabt! 😀

Und woran lag's nun?

Fums

Die Zukunft

Und wie geht’s nun weiter mit dem englischen Fußball?

Spiel zum Tage

Ziemlich sinnlos, aber lustig. 😀 Gib deinen Namen ein und verziere ein virtuelles Island-Trikot damit! Ein Klick auf das Bild führt direkt zum Islandsk Navnegenerator:

Netzer Island


Die nächste Ausgabe des EM-Tagebuchs folgt am Freitag, den 1. Juli. 😀