Das Kind muss einen Namen haben – Intranet-Namen (Teil II)

Der Name eines Unternehmens-Intranets ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Natürlich ist es einfach, ein Wiki-basiertes Intranet einfach Wiki und ein Sharepoint-basiertes Intranet einfach Sharepoint zu nennen. Manche Leute nennen ihren Hund ja auch einfach Hund. Gattung und individuelle Bezeichnung verschmelzen in solchen Fällen begrifflich zu einer Einheit.

Die individuelle Namensgebung für Intranets hingegen bietet enorme Potenziale auf verschiedenen Ebenen, wie ich schon in einem früheren Posting eingeleitet hatte. Darin habe ich auch auf die Schwierigkeiten angesprochen, die vielfach mit der Namensfindung einhergehen. Mitunter werden die Namen von grimmigen Patriarchen top-down vorgegeben, mal werden sie basisdemokratisch abgestimmt, teilweise vom Entwickler aus einer Laune heraus temporär vergeben und dann einfach so belassen. Kurzum: Die Namen kommen irgendwoher, und wenn sie da sind, bleiben sie in den allermeisten Fällen bestehen.

Nun mag es dem Zeitgeist entsprechen, dass mit Namen recht leichtfertig umgegangen wird. Blenden wir die Zeit zurück, können wir feststellen, dass dies vor noch gar nicht allzu langer Zeit deutlich strenger gehandhabt wurde, da die Menschen sich mit Zahlen und Buchstaben deutlich intensiver und analytischer auseinander gesetzt haben als wir es heute für gewöhnlich tun.

Pythagoras zum Beispiel war davon überzeugt, dass eine Zahl nicht nur eine quantitative Dimension hat, mit der wir Häufigkeiten abzählen können, sondern auch eine qualitative Dimension, über die eine wesentliche Charakteristik ausgedrückt wird. In diesem Verständnis steht die 2 quantitativ für das zweimalige Vorkommen einer Sache (zwei Tassen Kaffee, zwei Überstunden, zwei Mal vergessen, jemanden zurückzurufen). Qualitativ steht die 2 für die Polarität, etwa in Form von Licht und Schatten, Gut und Böse, für den „Zwei“-fel usw. In unserem Alphabet wäre das B ein Vertreter der 2, ebenso das K und das T. Im Gesamtsystem lassen sich aus Namen – also Buchstabenketten – somit Zahlen ermitteln, deren gemeinsame und verdichtete Charakteristik nun auch eine qualitative Aussage zum Namen treffen kann.

Im aktuellen westlichen Wissenschaftsverständnis spielt die qualitative Seite der Zahlen eine eher untergeordnete Rolle. In der Wirtschaft trifft man mitunter auf Markenerfinder oder Personaler, die sich für die numerologische Seite von Bezeichnungen oder Bewerbern interessieren und einschlägige Hilfe hinzuziehen. Für die Bewertung von Intranet-Namen möchte ich ein paar Fälle exemplarisch durchspielen, um die zugrundeliegende Systematik zu verdeutlichen.

Nehmen wir an, ein Unternehmens-Intranet heißt nun tatsächlich Sharepoint und wird auch von allen so genannt. Dann ergibt sich numerologisch aus diesem Namen die Berechnung 1 + 8 + 1 + 9 + 5 + 7 + 6 + 9 + 5 + 2 = 53. Die Quersumme aus 53 ist die 8. Damit ist die Namenszahl eines Sharepoint genannten Intranets 8. Nun geht die eigentliche Arbeit los, nämlich die Auseinandersetzung mit dem Wesen der 8. Folgt man den über die Jahre aufgebauten Überlieferungen (Pythagoras wurde seinerzeit 580 v. Chr. auf Samos geboren), erfährt man zur 8, dass sie als die Zahl der Eingeweihten gilt. Sie steht für Unendlichkeit und Gerechtigkeit, Leistungsstärke und Autorität, aber auch für mitunter diktatorisches Auftreten, Eitelkeit und Probleme damit, sich zu entschuldigen.

Nennt man dieses Sharepoint-Intranet nun fortan nicht mehr Sharepoint, sondern beispielsweise Hugo, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Hugo gilt ja gemeinhin als „der Schlaue“ und bietet sich somit als Name für ein Intranet recht gut an. Numerologisch ergibt Hugo nun 8 + 3 + 7 + 6 = 24, Quersumme 6. Die 6 gilt als Zahl der Vollkommenheit. Sie verbindet Himmel und Erde, steht für Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit, zeigt sich pflichtbewusst, ist allerdings auch konservativ, besitzergreifend und eigensinnig und macht sich oft Sorgen um die Zukunft. Für ein Unternehmens-Intranet eine solide Basis.

Etwas anders sieht es aus, wenn ein Intranet den Namen Linchpin trägt. Aus der Buchstabensumme ergibt sich 3 + 9 + 5 + 3 + 8 + 7 + 9 + 5 = 49, Quersumme 13, nochmalige Quersumme 4. Die Qualität der 4 steht für Ordnung, Sicherheit, Zusammengehörigkeit und Orientierung. Dabei werden ihr Zuverlässigkeit und Ausdauer zugeschrieben sowie viel Arbeit, die in Freude erbracht wird. Die 4 entfaltet sich in Form und Design, sie ist tendenziell konservativ und von Sicherheitsdenken geprägt.

Nun könnte es sein, dass ein authentisch veranlagter Intranet-Verantwortlicher seinem System dem Namen Allwissende_Müllhalde gegeben hat, als Ausdruck der eigenen Verzweiflung und als Reminiszenz an Jim Hensons Fraggles. In diesem Fall würde der Unterstrich ignoriert und der Umlaut aufgeschlüsselt, mit dem numerologischen Ergebnis 81, Quersumme 9. In diesem Fall hätte der Intranet-Verantwortliche die Qualität der Vollendung, Erfüllung und Transformation herbeigelockt, wenngleich geprägt von einem Hang zum Selbstmitleid und zu spontanen Wutausbrüchen. Offenkundig würde bei diesem Intranet-Namen die lebensweltliche Bedeutung durch ihr numerologisches Äquivalent unterstrichen.

Mit diesen exemplarischen Hilfestellungen ist ein Weg aufgezeigt, bei der Benennung eines Unternehmens-Intranets systematische Elemente einzubauen und ungewollte Fehlgriffe damit zu vermeiden.

Nochmals verstärkt werden kann dieser Effekt durch ein zweites Instrument, mit dem wir Aussagen zum Schicksalsweg des Intranets ermitteln können: die Analyse des Go-live-Termins. Nehmen wir abermals an, ein frisch relaunchtes Intranet soll am 13.06.2016 scharf geschaltet werden. Dann ergibt sich aus dem avisierten Datum 1 + 3 + 0 + 6 + 2 + 0 + 1 + 6 = 19 und damit reduziert die 1 als Qualität des Schicksalswegs. Als Schicksalszahl steht die 1 für höchste schöpferische Kraft, Originalität, innere Stärke und Angstfreiheit. Für den Intranet-Verantwortlichen und sein Projekt würde dies einen großen Wurf in Aussicht stellen, und er könnte sich anstrengen, diesen Termin zu halten.

Die numerologische Untersuchung von Intranet-Namen ist bislang noch wenig verbreitet, obgleich sie – wie wir gesehen haben – nicht nur zur Analyse, sondern auch zur prospektiven Gestaltung eingesetzt werden kann. Gleichzeitig können mit der Numerologie in einem nachvollziehbaren systematisierten Verfahren Vorlagen für jene Entscheider produziert werden, die ausschließlich auf Basis von Kennzahlen ihre Entscheidungen treffen.

Drei Fragen bleiben allerdings noch offen:

  • Sind Verschiebungen von Go-live-Terminen möglicherweise darin begründet, dass sich die Beteiligten nicht über den gewollten Schicksalsweg einigen können?
  • Sind Namenswechsel auch ohne Relaunch statthaft?
  • Inwiefern lässt sich numerologische Expertise als Agenturdienstleistung integrieren? Und sollte dies eher im Verborgenen oder offensiv praktiziert werden?

Intranet-Namen werden uns noch weiter beschäftigen. Im nächsten Beitrag geht es aber erstmal um unterbrechungsfreies Arbeiten.

Karsten Wendland ist Leiter des Instituts für Informationsgestaltung und Komplexitätsreduktion ininko® (www.ininko.de) im Steinbeis-Verbund und Professor für Medieninformatik an der Hochschule Aalen. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind Digitalisierung der Arbeitswelt, Informationsmanagement und Technikgestaltung. Hier finden Sie eine Übersicht über alle Gastbeiträge von Karsten Wendland im //SEIBERT/MEDIA-Blog