Scrum in der echten Welt: Suchen wir nach dem Einhorn?

Der Satz, den ich unzählige Male höre, wenn ich Certified-Scrum- und Agile-Schulungen halte, lautet: "Ja, aber in der ECHTEN Welt..." Dies indiziert für mich: Die Person, die das sagt, arbeitet in einem Umfeld, das so tief in traditionellen Prozessen verwurzelt ist – sie kann nicht glauben, dass solche Unternehmen, die agile Werte und Prinzipien umarmen, wirklich existieren. Diese Welt ist für sie unvorstellbar; es ist, als hätte ich sie gebeten, auf die Suche nach einem Einhorn zu gehen.

Es gibt echte Unternehmen, die mit Agile und Scrum Erfolg erfahren. Was also unterscheidet diese Unternehmen von jenen, die behaupten, sie hätten es mit Agile probiert und es habe nicht funktioniert?

1. Fehlendes Verständnis, dass Scrum und Agile anders sind

Sie kennen das alte Sprichwort: Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Viele nutzen das Agile-Vokabular oder Begriffe aus dem Scrum-Framework, aber machen damit weiter, dem traditionellen Projektmanagement oder dem Wasserfall-Modell zu folgen.

Sie erwarten irgendwie, dass sie schneller Ergebnisse ausliefern, nur weil sie "scrummige" Dinge sagen oder weil sie ein 15-minütiges Meeting etabliert haben, bei dem sie jeden Tag aufstehen. Agile und Scrum ist weitaus mehr als einfach neue Bergriffe zu verwenden. Agile und Scrum erfordern, dass auf fundamental andere Weise gearbeitet wird. Ohne dieses Verständnis sind die Chancen gering, dass eine Organisation irgend etwas schneller ausliefert als mit ihren alten Arbeitsmethoden.

2. Keinen Grund haben, Agile zu adaptieren

Wenn ich frage: "Warum adaptiert ihr Agile?", ist die Antwort Nummer eins, dass der CxO (CEO, CFO, CIO etc.) gesagt hat, wir müssen. Ja, das ist toll! Aber das beantwortet die Frage nicht. Warum will der CxO das tun? In anderen Worten: Was erhoffen wir uns zu erreichen, wenn wir die Arbeit auf eine andere Art und Weise machen? Die Nummer-eins-Antwort ist "schneller ausliefern".

Okay. Das bringt uns weiter. "Wie lange dauert es mit eurem derzeitigen Prozess bis zur Auslieferung?", frage ich. Ich bin verblüfft, wie groß die Zahl der Leute ist, die diese Frage nicht beantworten können. Wenn wir keine Ahnung haben, wie lange das Ausliefern mit dem aktuellen Ansatz dauert, wie wollen wir dann wissen, ob wir tatsächlich "schneller" ausgeliefert haben? Ohne ein Ziel ist die Chance gering, es zu erreichen.

Und vergessen wir nicht, dass Veränderung schwierig ist. Manche Organisationen durchlaufen Veränderungen sehr einfach, während es in anderen Widerstand oder einfach gar keine Veränderungen gibt. In ScrumMaster-Zertifizierungskursen lehren wir die Scrum-Werte. Einer dieser Werte ist Mut. Obgleich das, was es für ihr derzeitiges Unternehmen bedeuten würde, sich wirklich zu wandeln, einigen Teilnehmern unrealistisch erscheinen mag – Scrum und Agile wirklich als einen Weg der Arbeit zu nutzen, kann ein wenig Mut erfordern. Mut zum Informieren. Mut zum Mund-Aufmachen. Mut, etwas Neues auszuprobieren – und wenn es nicht funktioniert, etwas Anderes zu versuchen. Aber es zu probieren.

Ich fordere alle, die denken, "wirklich Scrum" oder "wirklich Agile" zu machen, sei wie die Suche nach einem Einhorn, dazu heraus, den Mut zu finden, entscheidende Diskussionen zu führen, zu informieren und zu sehen, ob sie mithelfen können, die Art und Weise zu verändern, wie Arbeit in ihrer derzeitigen Realität getan wird.

Dieser Artikel ist am 2. Dezember 2015 unter dem Titel Scrum in the Real World - Are we Looking for Unicorn? im Weblog von cPrime erschienen. Die Autorin ist Krista Trapani. cPrime gehört zu den führenden Dienstleistern für Lösungen, die Unternehmen helfen, agile Entwicklungsmethoden zu adaptieren, zu transformieren und zu skalieren. Dabei fokussiert sich cPrime auf die Harmonisierung von Menschen, Prozessen und Technologien, um Frameworks aufzubauen und zu optimieren, die geschäftliches Wachstum mit hoher Geschwindigkeit und hoher Qualität unterstützen. Die Website von cPrime erreichen Sie unter www.cprime.com.