Design-Sprints: Ein Zündsystem für Innovationsprojekt-Teams

Der kolbenbasierte Verbrennungsmotor, dieses Wunderding, das Automobile anreibt und das das Industriezeitalter revolutioniert hat, hat eine große Schwachstelle: Er kann nicht von selbst starten. Wenn er einmal läuft, entzünden die Zündkerzen den Treibstoff, die Kolben werden der Reihe nach angeschoben, die Kurbel dreht sich und das Auto ist in Betrieb. Aber der Motor wurde nie so gebaut, dass die Kolben sich aus dem Stillstand heraus selbst in Bewegung setzen.

Hier kommt das Zündsystem eines Autos ins Spiel. Dreht man den Schlüssel, wird elektrische Leistung an einen zweiten Motor übertragen, den Starter, der wiederum die Kurbelwelle antreibt und die Kolben bewegt. Das Auto beginnt dann, die Zündkerzen zu zünden, wodurch sich der Treibstoff entzündet, und von da an übernimmt der Verbrennungsmotor die Sache.

In den Autos unserer Tage passiert das alles automatisch im Bruchteil einer Sekunde – und wir denken selten darüber nach. Doch ohne dieses Zündsystem würde das Auto seine Reise nie antreten können.

Design-Sprints sind wie ein Zündsystem für Projektteams

Projektteams haben dasselbe Problem. Ein gut zusammengesetztes Projektteam wird angenehm segeln können, wenn es einmal Fahrt aufgenommen hat. Aber der Start aus dem Stillstand heraus kann ein großes Problem sein. Wenn das Team das Projekt nicht richtig startet, wird es eine ganze Weile stottern und vielleicht nie auf Betriebstemperatur kommen.

Hier kann ein Design-Sprint hilfreich sein. Die Aktivitäten des Sprints injizieren einen konzentrierten Energiestoß ins Team, der ihm den Schub verleiht, den es braucht, in zügigem Tempo in die richtige Richtung loszugehen.

Kürzlich habe ich mich Richard Banfield viel über Design-Sprints unterhalten, der zusammen mit seinen Co-Autoren C. Todd Lobardo und Trace Wax gerade ein neues Buch zum Thema geschrieben hat, das rein zufällig Design Sprint heißt. Richard erklärte mir, das der Design-Sprint aus einer Reihe von User-Experience-Aktivitäten besteht, das Team vom Verstehen der Projektziele zum Brainstormen möglicher Ideen führt, ehe es ans Prototyping der besten unter diesen Ideen geht und zuletzt die Annahmen, die dem Projekt zugrundeliegen, validiert werden. Ein typischer Sprint dauert eine Woche (und bisweilen weniger) und bringt das Projekt in Fahrt für einen fantastischen Start.

Zündsequenz #1: Das Team in einen Raum bringen

Ich fragte Richard, inwiefern Design-Sprints tolle Projektstarter sind. Er sagte mir, dass ein Grund darin besteht, dass so alle im Team für die Dauer des Sprints im selben Raum sind.

„Wir hatten vor kurzem die Situation, dass die Leiter bestimmter Produkte und bestimmter Abteilungen mit uns in Abstimmung über den Design-Sprint-Prozess waren. Einer der Projektmanager kam anschließend zu mir und sagte: ‚Das ist das erste Mal seit über drei Monaten, dass wir alle zusammen in einem Raum waren.‘ Allein die Tatsache, dass sie zusammen in einem Raum waren, war ein guter Startpunkt.“

„Das ist kein Elixier für alle Probleme, aber wenn wir einfach Leute zusammen in einen Raum bringen und anfangen, über diese Dinge zu reden, passieren aufregende Dinge. Wir sprechen miteinander. Wir haben wirklich eine Konversation. Wir schicken einander nicht bloß E-Mails oder schreiben in Google Docs. Wir reden tatsächlich miteinander über die Dinge, die wichtig sind.“

In vielen Projekten laufen die Leute langsam an und erledigen erst ihre alten Verpflichtungen, ehe sie richtig beginnen. Ohne, dass alle im selben Raum und fokussiert sind, braucht das Projekt ewig, um auf Touren zu kommen.

Mit einem Design-Sprint starten alle zur gleichen Zeit mit fokussierten Aktivitäten ins neue Projekt. Selbst wenn die Leute in der Folgewoche wieder zu ihren vorherigen Projekten zurückkehren müssen, um lose Enden zu verbinden, hat der Sprint dem Team diesen fokussierten Stoß gegeben, der für den Start nötig ist.

Zündsequenz #2: Eingestehen, dass wir die Antworten nicht kennen

Ein weiterer Grund, warum Design-Sprints ein Projekt so gut ins Rollen bringen, besteht darin, dass sie aktiv anerkennen, dass wir nicht all die Antworten kennen. In vielen Projekten zwingen die Rollen, die die Leute einnehmen, ihnen auf, so zu agieren, als würden sie alle wichtigen Antworten kennen, selbst wenn das wirklich nicht der Fall ist. Damit startet das Projekt auf einer falschen Basis nicht verifizierter Annahmen, und es ist schwer, es hinzubiegen, wenn die Wahrheit ans Tageslicht zu kommen beginnt. Richard erklärte es so:

„Leute kommen zu uns und sagen: ‚Wir haben dieses Problem.‘ Und wir ahnen sofort, dass sie uns als nächstes nach der Lösung fragen. Dabei lautet die richtige Antwort: ‚Das ist ein erstaunliches Problem. Ich weiß die Antwort nicht. Lass sie uns zusammen rauskriegen. Lass uns gemeinsam daran arbeiten. Lass uns herausfinden, was die beste Lösung sein könnte.'“

„Wir haben nur nicht das Selbstvertrauen, das zu tun, denn vom Tag unserer Einschulung an haben wir eingetrichtert bekommen, dass es auf etwas immer nur eine Antwort gibt. Wir haben einen Mathetest, und es gibt eine richtige und eine falsche Antwort. Wir haben einen Englischtest und es gibt eine richtige und eine falsche Antwort.“

„Wir sind mit dem Glauben aufgewachsen, dass es nur Antworten gibt. Statt Ich weiß nicht, aber hier ist etwas, über das wir nachdenken sollten oder Lass uns darüber sprechen und mit der besten Antwort rauskommen zu sagen, sind wir prädisponiert zu denken, dass es für jedes Problem da draußen eine Antwort geben müsse, von der man erwartet, dass wir sie in der Hosentasche haben.“

„Doch in Wahrheit kennen wir die Antworten nicht, speziell nicht die auf Fragen, die sich auf diese unklare Zukunft beziehen. Wie hätte ich wissen können, das wir im Jahr 2016 diese Mengen an unterschiedlichen Endgeräten zur Verfügung haben würden? Wie hätte ich wissen können, dass ganze Industrien durch simple Ideen zerrüttet werden?“

Design-Sprints nutzen, um den Motor zu starten

Organisationen setzen darauf, dass ihre Teams die Innovationen erzeugen, die ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit antreiben. Wenn diese Teams ihre eigenen Innovationsprojekte initiieren, müssen sie sicherstellen, dass sie mit voller Geschwindigkeit starten. Design-Sprints bieten einen einfachen, aber effektiven Weg dafür.

Dieser Artikel wurde im Original am 17. Februar 2016 unter dem Titel Design Sprints: An Ignition System for Innovation Project Teams von Jared M. Spool veröffentlicht. Jared M. Spool gehört zu den führenden User-Experience-Experten unserer Zeit. Seine Website erreichen Sie unter http://www.uie.com. Weitere Artikel von Jared M. Spool finden Sie im UX-Special von //SEIBERT/MEDIA.

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