Amerikanische Tech-Kultur im Silicon Valley: Was haben die, das uns in Deutschland fehlt?

Jüngst habe ich „Silicon Valley“ von Christoph Keese gelesen. So richtig gut fand ich es nicht, weil er ziemlich befangen ist und gräusliche, abstruse Theorien über die Motivation und Zukunft von Google als bösartiger Weltherrscher aufstellt. Man könnte das Buch schon fast als Lobby-Maßnahme des Springer-Verlags wahrnehmen, die offensichtlich sehr anschlussfähig ist. Das Buch verkauft sich bestens.

Interessant fand ich aber die Frage, was das Silicon Valley hat, das uns in Deutschland fehlt, um auch so innovativ und erfolgreich im Internet zu sein.

Während ich das hier schreibe, fahren wir – das sind meine Kollegen Diana Gaudenz von draw.io, Inga, Paul, Sebastian, Uta und ich – gerade von der Garage der HP-Gründer William Hewlett und David Packard weg und weiter zum Facebook-Headquarter im Hacker Way 1 in Menlo Park. Davor waren wir in Cupertino bei Apple im Infinite Loop 1 und im Amphitheatre Parkway bei Google. Nächste Woche sind wir kurz nach der Eröffnung des neuen Apple-Campus bei Atlassian. Das neue Büro von Atlassian in Mountain View haben wir auch besucht. Letztes Jahr waren wir bei Airbnb.

   

   
Amerikanische Tech-Kultur im Silicon Valley, u.a. bei Apple, Google und Atlassian

Amerika ist in Kalifornien sicher sonniger als Deutschland. Vielleicht macht das die Menschen offener. Aber es ist auch viel dreckiger und ekliger. Man hat den Eindruck, dass die meisten Freeways von den Amerikanern als Müllhalden benutzt werden. Man ist hier einfach sehr… sagen wir mal: pragmatisch. Der Müll beeinträchtigt ja keinen. Und eigentlich ist es ja auch kein Problem, dass hinter dem fetten Facebook-Schild mit dem Like-Button noch das Originalschild von Sun Microsystems steht.

   
Die Facebook-Residenz in Menlo Park, dahinter rostet das Sun-Schild im Gebüsch…

Die Büros von Apple und Google sehen nicht anders aus als andere amerikanische Büros und versprühen keine Inspiration.

Auch wenn es Christoph Keese wichtig ist, noch mal darzustellen, wie viel mehr Venture Capital im Silicon Valley fließt, glaube ich, dass das bestenfalls ein Faktor unter mehreren ist. Wenn wir in Deutschland mehr Innovation wollen, dann müssen wir an den Menschen arbeiten. Und am einfachsten fangen wir damit bei uns selbst an.

Mehr Offenheit und Freigiebigkeit täten vielen Unternehmen gut. Auf dem Google-Campus kann man mit Google-Fahrrädern herumfahren. Die Testplattformen für die E-Autos stehen offen zugänglich herum. Vermutlich kann man da als Konkurrent eh nicht viel abschauen. Aber die Offenheit im Verhalten, die man in Gesprächen mit den Menschen hier kennenlernt, spiegelt sich auch in den Gebäuden und ihrer Zugänglichkeit wider.

   
Google-Bikes und E-Autos auf dem Google-Campus

In Deutschland müssen wir noch intensiver lernen, besser im Team zu arbeiten, uns mehr zu vertrauen und Mitarbeitern die Freiheit zu geben, sich zu entfalten. Software dient nicht dazu, Menschen und ihre Leistung zu überwachen, sondern um ihnen mehr Gestaltungsfreiheiten zu geben.

Ich habe mich heute bei der Fahrt durch das Valley an unsere Unternehmensmission erinnert gefühlt: Zusammenarbeit von Teams mit Software verbessern. Das schaffen wir schon. Und die sollen sich hier zwischenzeitlich mal um ihre Dürre und die abgewarzten Häuser kümmern. 😀

Beste Grüße aus Kalifornien!

Weiterführende Infos:
Unser Live-Blog zum Atlassian Summit US 2017
Atlassian Summit US in San José: Ausgebuchter Add-on Discovery Day, draw.io als Gold-Sponsor in der Expo Hall
Das Programm des Summit im Überblick

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