Google Pixelbook im Selbstversuch: Erfahrungen mit einer ernstzunehmenden MacBook-Alternative

Google PixelbookIch probiere gerne Dinge aus und gehöre, wenn man meinen Kollegen glauben kann, zu den Early Adopters, was neue Technologien betrifft. Gleichzeitig gelte ich als ausgesprochener Apple-Nerd und habe hier bei //SEIBERT/MEDIA aktiv darauf hingearbeitet, dass alle unsere Mitarbeiter MacBooks bekommen (so sie dies denn wünschen).

Seit wir uns auch als Unternehmen und offizieller G Suite-Reseller intensiv mit Google-Lösungen beschäftigen, ist meine Offenheit gegenüber Alternativen zu Apple jedoch größer geworden. Mein aktueller Selbstversuch ist auch nicht die erste Gelegenheit, bei der ich meine etablierten Arbeitsmittel auf den Prüfstand stelle: So war letztens ein Android-Smartphone von Huawei drauf und dran, mich vom iPhone wegzulotsen.

Nun ist es also das Google Pixelbook, das in Konkurrenz zu meinem MacBook tritt. Meine Erfahrungen habe ich mal tagebuchähnlich und in chronologischer Reihenfolge aufgeschrieben.

Die erste Begegnung

Nach dem Entfernen der schönen Verpackung und dem Einschalten bin ich sogleich von der hochwertigen Tastatur angetan. Die Tastatur meines MacBooks ist allerdings auch wirklich richtig schlecht. Alle Nase lang verheddert sich die Tastatur mit einem Staubkorn und wenn man auf R drückt, kommen gleich zwei Rs. Das nervt mich unheimlich. Und das Problem lässt sich zwar mit einem starken Staubsauger beheben, aber das dauernd zu tun, kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Da hat Apple bei der Hardware aus meiner Sicht einen Fehler gemacht.

Die Touchbar des Apple MacBook Pro nutze ich überhaupt nicht. Natürlich weiß ich, dass viele Leute sie intensiv beackern und jeden Kniff kennen, aber hier soll es ja zunächst um meine Produktivität gehen. Lediglich die Fingerabdruck-Erkennung ist für mich wirklich praktisch.

Bevor ich überhaupt richtig loslegen kann, muss ich für das Chromebook erstmal mein Google-Passwort ändern. Dank 1Password ist das so kryptisch, dass man sich das nie im Leben merken kann.

Dann eine erste Ernüchterung: Es gibt viele Apps nicht nativ für das Chromebook. Ich hatte angenommen, dass man auch Android-Apps einfach installieren könne. Offenbar geht das aber nicht – oder jedenfalls nicht so ohne Weiteres. Vor allem die folgenden Apps vermisse ich sofort:

  • Google Hangouts Chat: Die Lösung nutzen wir bei //SEIBERT/MEDIA inzwischen als Unternehmens-Messenger.
  • Telegram: Das nutzen wir intensiv mit Partnern und Kunden und ich verwende es auch mit meinen Freunden und der Familie privat.

Für Websites gibt es so eine Art „Emulationsmodus“. Die sehen dann so ähnlich wie Programme aus. Aber eigentlich nutzt man nur die Web-Oberfläche. Das ist zum Beispiel bei Telegram so.

Nach zehn Minuten Nutzung habe ich schon so viele Punkte gefunden, dass ich vermute, dass sich das Konzept bei uns nicht so einfach als MacBook-Ersatz einführen lässt. Allerdings: Das Pixelbook ist als Arbeitsmittel schon mal definitiv besser als ein Smartphone. Und ich kann mir auch vorstellen, dass man damit wirklich ordentlich arbeiten kann. Ich werde das weiter prüfen.

Apps: Problem oder nur eine Frage der Umstellung?

Auf Anhieb ist mir nicht ganz klar, wie ich mit dem Pixelbook eine VPN-Verbindung aufbaue. Aber das werde ich kurzfristig schon hinkriegen.

Weil wir als Unternehmen keine Device-Management-Lizenz für Google-Chromebooks gekauft haben, müssen die Administratoren die Installation von Android-Apps erstmal einzeln freischalten. Das ist ziemlich lästig und umständlich. Eine weitere Recherche zeigt dann aber schnell, dass die „Guideline“ ganz leicht umgangen werden kann, indem man im Google Playstore einen weiteren privaten Google-Nutzer installiert, für den die Einschränkungen nicht gelten. Mit dem kann ich nun die Android-Apps installieren.

Damit sind zwei Probleme sogleich gelöst: Mit der OpenVPN-App für Android ist die VPN-Verbindung in Windeseile eingerichtet. Und 1Password X als Passwortmanager ist exakt für das Chromebook erstellt worden. Das funktioniert auch entsprechend gut.

Das weitere Rumprobieren weckt dann den Eindruck, dass die Android-Apps teilweise einfach nicht ganz so gut sind wie die nativen Apps für den Mac. Oder ist das nur eine Umstellungs- und Gewöhnungsfrage? Doch man merkt es schon. Bei Hangouts Chat gibt es zum Beispiel das Problem, dass mir die App kein Layout für die große Oberfläche des Bildschirms angeboten hat. Für Textexpander fehlt mir aktuell noch ein Äquivalent für das Chromebook. Das sollte aber machbar sein.

Da das Pixelbook aus den USA importiert wurde, ist die Tastatur eine US-amerikanische Variante. Auch wenn das Notebook selbst keine deutsche Tastatur hat, kann man ganz leicht auf eine deutsche Tastatur umstellen und mit dieser arbeiten.

Dann kann ich ja erstmal meinen Arbeitsplatz vernünftig einrichten. Die USB-C-Buchsen sind genau die gleichen wie beim MacBook Pro und funktionieren auch genau so. Das Chromebook unterstützt locker mehrere Bildschirme gleichzeitig.

Nach etwa zwei Stunden Arbeit mit dem Gerät kann ich keinen wesentlichen Nachteil gegenüber einem MacBook feststellen. Auf einem Bildschirm läuft die Fußball-Weltmeisterschaft. Auf einem weiteren surfe und schreibe ich. Auf dem dritten sind verschiedene Messenger aktiv.

Das Google Pixelbook im Praxistest

Fußball, Internet, Messenger: das Google Pixelbook im Praxistest

Bewährungsprobe I: Man muss sich darauf einlassen

Drag & drop funktioniert einwandfrei. Auch kann ich unproblematisch Dateien auf dem Gerät lokal zwischenspeichern und weiter nutzen.

Google Chrome ist tatsächlich ein ziemlich ausgereiftes Betriebssystem. Ich bin nicht sicher, ob es aktuell überhaupt etwas gibt, was ich vermisse. Die Nutzung ist flüssig – ohne Geruckel oder Wartezeiten. Das kommt bei meinem MacBook schon ab und zu vor, weil es im Hintergrund Apps gibt, die Ressourcen saugen.

TextExpander auf dem Mac habe ich inzwischen durch die kostenfreie Chrome-Erweiterung Auto Text Expander ersetzt. Das war tatsächlich einer der aufwändigsten Prozesse, weil ich 23 unterschiedliche Snippets habe, die ich alle einzeln übernehmen musste. Eine Herausforderung ist allerdings, dass die Text-Ersetzung nur im Chrome-Browser und nicht in anderen Apps funktioniert. Das ist ein bisschen störend.

Das Wechseln zwischen zwei Apps ist auf dem Mac einfacher, weil die Symbole der offenen Apps auf allen Bildschirmen angezeigt werden. Auf dem Chromebook wird das nur auf dem aktuellen Gerät dargestellt. Hmm, hatte ich oben nicht gerade gesagt, dass ich nichts vermisse?

Ich will es so formulieren: Aktuell ist das Google Pixelbook insgesamt eher etwas für Menschen, die sich auskennen oder die die Geduld aufbringen, sich ein wenig auf solche neuen Konzepte einzulassen. Dann kann man auch viel aus dem Gerät rausholen.

Beispielsweise mag ich das Konzept, dass man Tabs in Chrome einfach zu Apps in der Taskleiste machen kann. Das ist nur eine Oberflächensache, aber es fühlt sich cool an.

Ich nutze getcloudapp.com für Screenshots. Das geht auf dem Pixelbook jetzt leider nicht mehr. Da muss ich mir was Neues überlegen und neu verinnerlichen, wie man Screenshots erstellt. Rasch hat sich gezeigt, dass das in ChromeOS aber selbst schon gut gelöst ist. Das Bildschirm-Teilen über Chromecast funktioniert ganz unproblematisch.

Eines muss man bei dieser Gelegenheit eingestehen: Durch so ein Google Chromebook steigt die Abhängigkeit zu Google als Anbieter erheblich. Andererseits: Man könnte es als Vorteil ansehen, dass man sein Google-Passwort kennen muss.

Hardware-Fragen

Auf der Hardware- bzw. Zubehör-Seite gibt es hier und da noch kleinere Hürden zu überwinden. Ein HDMI-Adapter, der mit dem MacBook funktioniert hat, funktioniert mit dem Pixelbook nicht. In unserer IT habe ich fünf unterschiedliche Apple- und No-Name-Adapter ausgetestet. Drei haben funktioniert, zwei nicht. Ich habe jetzt einfach ein anderes No-Name-Teil genommen.

Ich nutze meine externe Tastatur und dieselbe Maus weiter wie bisher. Insofern ist der Übergang relativ nahtlos. Nur beim Schreiben auf dem Pixelbook selbst ist es eine gewisse Einschränkung, dass es keine Umlaute gibt. Jemand, der „aus Gruenden“ immer „fuer“ statt „für“ schreibt, ist irgendwie suspekt. Das kann ich mit der externen Tastatur leicht umgehen. Wenn Google das Pixelbook irgendwann nach Deutschland bringt, wird es sicherlich auch eine deutsche Tastatur haben.

Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauche ich jedoch in Sachen Tastenbelegung. Auf dem Mac muss ich für ein @-Zeichen Alt + L drücken. Auf Windows und dem Chromebook ist es die Tastenkombination Alt Gr + Q. Das ist für mich als langjährigen Mac-User schon eine Umstellung. Die meisten Windows-Nutzer dürften dagegen keine Einschränkungen haben.

Eine Zukunft mit Chromebooks?

In Gesprächen mit Kollegen stelle ich fest, dass das Interesse an diesem Thema groß ist. Manche sehen darin ordentliches Potenzial, Kosten für teure Apple-Hardware einzusparen. Nicht sicher bin ich mir bisher allerdings, ob sie einfach nur weniger Kosten sehen möchten oder ob sie auch wirklich meinen, Sie könnten mit einem Chromebook gut arbeiten.

Ich habe heute den kompletten Tag mit dem Google Pixelbook verbracht. Es ist nicht das bessere Gerät. Und meine Produktivität erhöht sich dadurch nicht. Aber es beeinträchtigt mich auch nicht. Das Entsperren des Macbooks durch die Apple Watch und den Fingerabdruck ist ein Vorteil. Aber auch kein entscheidender.

Ich habe begonnen, darüber nachzudenken, ob ich einfach demonstrativ mein MacBook abgeben sollte. Manchen geht das wiederum entschieden zu schnell und zu weit: Meine Kollegin fühlt sich bereits durch meinen Test sozusagen unter Druck gesetzt und befürchtet, dass wir ihr das MacBook und das iPhone wegnehmen würden. Mach dich mal nicht verrückt! 😀

Aber wie auch immer: Ich sammle erstmal noch weiter Praxiserfahrung.

Bewährungsprobe II: Produktive Nutzung im Büro und unterwegs

Wir haben eine Webinar-Session via YouTube live durchgeführt. Die Ergebnisse in Sachen Video und Audio sind wohl besser als mit dem Mac. Das war wirklich beeindruckend. Das Pixelbook hat das problemlos hinbekommen und dabei keinerlei Schwächen aufgewiesen. #WTF

Bei Telegram dagegen kann ich jetzt nicht mehr so leicht kopieren. Das ist wiederum #meh.

Egal, ich gehe jetzt mal aufs Ganze und habe mich dazu entschlossen, für einen dreitägigen Aufenthalt in Hamburg nur das Pixelbook mitzunehmen und das MacBook zu Hause zu lassen. Gerade im Flieger dürfte das „Convertible“, also die Möglichkeit, das Pixelbook wie ein iPad zu nutzen, ziemlich große Vorteile ausspielen können, weil bei Start und Landung kein Medienbruch mehr stattfindet.

Meine Erfahrung ist positiv: Auch unterwegs schlägt sich das Pixelbook souverän. Die Verbindung mit dem Hotspot meines iPhones und die Einwahl mit VPN sind einfach möglich.

Eine Option, die mir jetzt erst aufgefallen ist, besteht darin, einfach die Tastatur auf „deutsch“ zu lassen und auch auf der englischen Notebook-Tastatur mit der deutschen Belegung zu arbeiten. Das kann man natürlich nur machen, wenn man weiß, welche Tasten wo liegen und nicht immer erst nachsehen muss. Aber dann gehen halt auch ä, ö, ü und ß ganz einfach. 😀

Die Arbeit im Flieger hat sehr gut funktioniert. Auch das Umschalten auf Tablet wurde vom Flugpersonal akzeptiert. Wenn man aus dem Tablet-Modus in den normalen Modus als Notebook umschaltet, dauert es allerdings etwas, bis die Tastatur wieder aktiviert wird. Das Markieren von Text im Tablet-Modus ist im Vergleich zu Apple doch recht unbequem. Pluspunkt: Selbst im Dunkeln kann man mit dem Gerät sehr gut arbeiten; die Tastatur ist beleuchtet und sieht dabei sehr hochwertig aus.

Das ständige Eingeben des Passworts zum Entsperren des Rechners ist im Vergleich zum Mac lästiger. Hier wäre ein Fingerabdruck-Scanner oder vielleicht sogar eine Gesichtserkennung wie beim iPhone X besser. Ich muss mir die Einstellungen noch mal ansehen. Vielleicht geht ja auch das Einloggen mit einem Code.

Aha! Man kann auch das Pixelbook an den Rand der Leistungsfähigkeit treiben, indem man zig Chrome-Tabs öffnet.

Zu meinem Bedauern stelle ich fest, dass meine Erreichbarkeit per Telegram auf dem Pixelbook etwas leidet – auch, weil es dort keine „Ungelesen“-Anzeige direkt am App-Icon gibt.

Eine Erfahrung, die noch Recherche erfordert: Auf die Schnelle kann ich keine join.me-Session auf dem Chromebook starten. Gibt es hier ein Kompatibilitätsproblem?

Ein weiteres Hardware-Detail springt nach einiger Zeit ins Auge: Das Pixelbook hat zwei USB-C-Anschlüsse, das MacBook Pro vier. Mir reichen zwei aus – für manch einen ist das jedoch vielleicht schon knapp. Hingegen ist ein einziger USB-C-Anschluss wie beim neuen MacBook entschieden zu wenig, wie ich bei Kollegen schon häufiger festgestellt habe.

Und was an dieser Stelle auch noch bemerkenswert ist: Apple sorgt einfach dafür, dass bestimmte USB-C-Hardware nicht sauber funktioniert. Nur die Ladekabel von Apple selbst laden zuverlässig. Und ein HDMI-Adapter funktioniert auch nicht. Hier ist das MacBook Pro deutlich anspruchsvoller als das Pixelbook. Einen Vorteil für mich als Anwender vermag ich darin nicht zu erkennen.

Nachdem ich das MacBook nach etwa 14 Tagen mal wieder aufgeschlagen habe (hauptsächlich, um die Batterie nicht die ganze Zeit entleert zu lassen), fällt mir einmal mehr auf, was ich am Mac gar nicht mag: Eine ewige Warterei auf Updates und ein sich selbst verwaltendes Betriebssystem sind längst zur Normalität geworden. Auf dem Pixelbook ist das komplett gegenstandslos. Es läuft einfach und steht nie. So muss ein Betriebssystem sein.

Was noch zu klären wäre

Soweit mein kleines Erfahrungstagebuch mit Notizen über meine ersten Schritte mit dem Google Pixelbook. Ist die Zeit nun tatsächlich reif, mein MacBook in den Ruhestand zu schicken oder es einem Kollegen zur Verfügung zu stellen? Wie geht es also weiter? Das hängt unter anderem von den Antworten auf die folgenden noch offenen Fragen ab:

  • Kann man aktive Ecken konfigurieren, um die aktiven Fenster zu sehen und zu wechseln?
  • Lässt sich das Bild eines iPhones auf dem Chromebook spiegeln?
  • Wie kann ich eine Screen-Aufnahme auf dem Chromebook machen?

Und es werden sich gewiss noch weitere Fragen und Herausforderungen ergeben. Ich werde berichten!

Welche Erfahrungen mit Chromebooks versus Mac (oder auch Windows) haben Sie gemacht? Haben Sie Tipps für die schnelle Adaption und die produktive Arbeit? Schreiben Sie unten doch einen Kommentar oder pingen Sie mich mal auf Twitter an (@mseibert)! 🙂

Vortrag zum Vergleich auf dem Google Cloud BBQ