Google G Suite erweitern: Google Apps Scripts oder App Maker?

Google Cloud - Apps Scripts vs. App MakerDie Google G Suite ist eine großartige Sammlung von Tools, die den Arbeitsalltag erleichtern. Zu dieser Sammlung gehören auch alle Teile der Google Cloud Platform - die ist einfach so mit dabei. Und Google hält das Versprechen der Cloud: Wir müssen uns nicht darum kümmern, wann, wie und wieso unsere Services laufen sollen - sie tun es einfach. Das gilt für den klassischen Applikations-Administrator genauso wie für den Makro-Spezialisten der Abteilung.

Früher hätte man bei diesen Leuten angefragt. Sätze wie "Hey, kannst du mir mal ein Makro für diese Aufgabe schreiben?" oder "Können Sie dafür bitte ein Formular oder so aufsetzen und für mich verknüpfen?" wären gefallen. Und als Ausführender, Gefragter, hätte man sich damit auseinandersetzen müssen, wie zum Kuckuck denn diese neuen Anforderungen in die eh schon überlastete Systemlandschaft des Unternehmens passen sollen.

Google Apps Scripts und der App Maker sind nur zwei der vielfältigen Möglichkeiten, die G Suite um Funktionen zu erweitern. Aber sie beide haben die oben genannten Probleme nicht mehr. Sie laufen neben Sheets und Gmail einfach in der Cloud mit. Google Apps Script ist hierbei gleichzeitig auch die gemeinsame Programmiersprache beider Lösungen. Das ist im Wesentlichen JavaScript ES5 mit einigen Singletons, die auf Google-Services verweisen.

Wenn Google Apps Scripts und der App Maker dieselbe Programmiersprache verwenden - worin liegt dann eigentlich der Unterschied? Die offensichtlichste Differenzierung dürfte sein, dass der App Maker einen eigenen UI-Baukasten mitbringt, während Apps Scripts zumeist im Hintergrund laufen oder sich an die GUI-Elemente der G-Suite-Kernprodukte andocken. Das ist aber noch nicht alles, was man wissen sollte, um eine gute Entscheidung treffen zu können. Die folgenden Fragen sollten wir uns bei der Technologiewahl auf jeden Fall stellen.

Möchten wir, dass Personen außerhalb unserer Organisation die App verwenden können?

Apps Scripts: Apps Scripts können mit den Services, an die sie angeschlossen sind, im Hintergrund agieren, während sie nach außen hin OAuth2 vom Nutzer verlangen - oder andersherum! Selbst kleine Skripte, die an einzelne Dokumente angedockt sind, bieten also schon viel Flexibilität. Und natürlich können wir Apps Scripts bis hin zum Add-on für ein G-Suite-Produkt entwickeln. Dadurch steht die App dann sogar im offiziellen G-Suite-Marketplace und ist einer breiten Masse von Nutzern und sogar Kunden zugänglich.

App Maker: Apps, die aus dem App Maker entstehen, sind grundsätzlich nicht außerhalb verwendbar. Nur Nutzer, die in derselben Domäne liegen und denen entsprechende Zugriffsrechte eingeräumt wurden, können auf eine App-Maker-Applikation zugreifen.

Wie umfangreich ist unsere App und insbesondere ihr User Interface?

Apps Scripts: Nicht umsonst trägt das Produkt das Wort "Skript" im Namen. Apps Scripts sind eher auf leichtgewichtige kleine Anpassungen oder Glue Code zwischen anderen, größeren Anwendungen zugeschnitten. Natürlich ist das nicht alles, was sie können, aber wenn es soweit ist, dass wir nicht nur einen Hintergrund-Task auf Basis einer bestimmten Bedingung laufen lassen wollen, haben wir mit Apps Scripts nicht viel mehr als die nativen Elemente des umgebenden G-Suite-Produkts zur Verfügung.

Wenn wir also ein Skript für Google Sheets schreiben, können wir damit Menü-Elemente in die Menüleiste von Sheets einbauen, und per Klick lassen sich Dialoge innerhalb von Sheets öffnen.

App Maker: Der App Maker bringt einen sehr umfangreichen Drag-n-Drop-Editor für seine UI mit. Mindestens ebenso sauber implementiert er eine Definitionsmaske für Datenmodelle, denen wir Datenquellen hinterschalten müssen. Für wen das Kürzel WYSIWYG ein Schimpfwort geworden ist, der kann beruhigt sein: Hier wird kein Code autogeneriert, sondern es werden bloß fest definierte Komponenten mit Werten oder Data Bindings befüllt.

Die festen Schemata, die der App Maker uns abverlangt, erhöhen die Lernkurve, sorgen aber dafür, dass die App grundsolide wird.

Wo stehen unsere Nutzer und was erwarten sie?

Apps Scripts: Apps Scripts sind entweder für den Nutzer unsichtbar und werden (beispielsweise zeitlich oder Event-getrieben) automatisch angestoßen oder sie fügen sich nahtlos in die bekannten G-Suite-Produkte ein. Wenn ein User schon einmal das Design seines Slidedecks in Google Slides verändert hat, kann er auch mit der Sidebar unseres Apps-Scripts-Add-ons umgehen: Das sieht nämlich ganz genau so aus.

App Maker: Use Cases, die weit entfernt von den normalen Anwendungsfällen der G Suite sind, bildet der App Maker ab. Apps Scripts glänzen bei Problemchen, die die G Suite schon fast löst, aber noch ein bisschen Nachhilfe braucht. Der App Maker hingegen lässt es zu, dass wir völlig andere, neuartige oder Organisations-spezifische Problemstellungen ganz individuell zugeschnitten lösen.

Solche Apps können den Nutzer da abholen, wo er momentan steht, und sie müssen gar nicht nach Google oder Material Design aussehen (oder sich so anfühlen), wenn das für die User Experience hinderlich wäre.

Wie sieht die Datenhaltung der App aus?

Apps Scripts: Wenn keine zusätzliche App-spezifische Datenhaltung notwendig ist oder die Menge und Art der Daten in ein Google Sheet passt, sind Apps Scripts gut mit allen Mitteln ausgerüstet, die wir für diese minimale Datenhaltung benötigen. Für alles, was darüber hinausgeht, müssen wir allerdings die Persistenzschicht selbst in unsere Anwendung einbauen, denn abgesehen vom JDBC-Service, der auch im App Maker zur Verfügung steht, bieten Apps Scripts keine weitere Unterstützung für Datenbanken.

App Maker: Vorhandene Datenbanken kann der App Maker via JDBC oder HTTP/REST ansprechen. Erfolgt die Datenhaltung in GCP (oder wird für die App neu angelegt), empfiehlt Google seine native Unterstützung von Cloud SQL. Für Nutzerdaten steht das G-Suite-Nutzerverzeichnis zur direkten Verfügung. Und in Fällen, in denen wir einfach lokal oder temporär Datenmodelle brauchen, können wir sowohl Server- als auch Client-seitig Calculated Models bereitlegen. Der App Maker kann mit vielen Ansätzen problemlos umgehen und dank Technologien wie Cloud SQL auch ansatzlos skalieren.

Fazit

Wie eingangs erwähnt, basieren beide Lösungen auf derselben Technologie. Apps Scripts sind allerdings klar darauf angelegt, neben der G Suite her zu laufen, während wir mit dem App Maker auch querfeldein zügig vorankommen. Davon abgesehen, bieten uns beide Alternativen die Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand wichtige Automatisierungen und Business-Development- Projekte umzusetzen. Die wichtigsten Kriterien unserer Technologiewahl sollten zunächst das gewünschte Nutzererlebnis und dann Überlegungen zur gegebenenfalls notwendigen Datenhaltung sein.

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Weiterführende Infos

Google Apps Scripts, Clasp und Data Studio
Google Apps Script – Skript-Verwaltung mit dem App Scripts CLI (Clasp)
Weshalb sich große Organisationen für die Google G Suite entscheiden
Google G Suite: Revisionssichere und DSGVO-kompatible Mail-Archivierung im Google Vault


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