Die Meeting Owl: Bessere Integration für Remote-Meetings?

In mehreren unserer Teams versuchen wir ständig, die Remote-Integration zu verbessern, extern arbeitende Kollegen tiefer zu integrieren und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Der wichtigste Anwendungsfall ist dabei die Partizipation an Meetings und Terminen und die Integration betrifft die Prozesse, die Software und natürlich auch die Hardware. Im letzten Blog-Artikel zum Thema habe ich es bereits kurz erwähnt: Unsere neueste Errungenschaft ist die Meeting Owl!

Auf dem Scrum Day 2019 hatte ein Teilnehmer von dem Gerät erzählt, doch die Idee verschwand bei mir erstmal wieder aus dem Blickfeld. Zum Glück fiel es mir in einem Meeting wieder und eine kurzentschlossene Kollegin war daraufhin so freundlich, die Eule bei unserem IT-Team zu bestellen.

Seit ein paar Wochen steht der schräge schöne Vogel jetzt bei uns. Und was kann das Ding nun?

Das Wertversprechen: visuelle und akustische Raumabdeckung

Die Eule ist vor allem für "Tisch-Meetings" gedacht, bei denen die Teilnehmer rund um einen Tisch sitzen. Sie besitzt eine 360-Grad-Kamera mit einer Linse; damit ist sie in der Lage, den kompletten Raum rundherum aufzunehmen. Zudem sind acht omnidirektionale Mikrofone mit jeweils bis zu dreieinhalb Metern Reichweite eingebaut. Auch Lautsprecher sind integriert, die den Ton in alle Richtungen verteilen, aber Echos vermeiden sollen.

Das eigentlich Clou ist das "Kontrollzentrum" im Fuß der Eule, das mit einer Recheneinheit samt KI ausgestattet ist. Sie zeigt neben der 360-Grad-Raumsicht im Automatikmodus immer den aktuell Sprechenden (sowie den davor). Es gibt aber auch einen manuellen Modus, in dem man den Kamerafokus per App steuern kann. (Leider geht das nur per Bluetooth und nicht aus der Ferne.)

Bleibt die schwäbischste aller Fragen: "Was koscht's?" Bei Amazon wird das Gerät für rund 800 US-Dollar angeboten; dazu kommt gegebenenfalls die Zoll-Gebühr. Etwaige darüber hinaus anfallende wiederkehrende Lizenzkosten gibt es nicht.

Soweit die Theorie.

Unsere ersten Tests

Kommen wir zur Praxis. Testweise haben wir im Team unser Daily Standup in einen unserer Meetingräume verlegt und konnten dabei für die ersten Schritte auf die fachmännische Unterstützung eines IT-Kollegen zurückgreifen.

Mit ist direkt aufgefallen, wie cool es für den externen Teilnehmer ist, genau zu wissen, wer alles dabei ist und wo wer sitzt. Das ist sonst ja nur für die Leute der Fall, die direkt im Kameraausschnitt auftauchen. Allein das wäre schon eine deutliche Verbesserung zum bisherigen Stand.

Der Fokus auf den Sprechenden funktioniert zudem ganz gut, auch wenn das große Bild keine HD-Auflösung hat - wobei hier durch Google Meet schon Grenzen gesetzt sind. Die Eule versucht übrigens nicht nur, die gerade sprechende Person im richtigen Kameraausschnitt zu zeigen, sondern sogar ein wenig aufs Gesicht zu zoomen. Cool.

Der Mikrofon-Ton ist bei mir super angekommen und ich habe alle Leute klar und deutlich verstanden. (Auch hier könnte Meet im Zweifel ein limitierender Faktor sein.) Meine Kollegen konnten mich ebenfalls gut verstehen (zumindest akustisch).

Meeting Owl

In unserem Meetingraum macht sich die Eule gut und sorgt für eine bessere Integration.

Das zweite Testgelände ist unser Teamraum – und der bildet neben dem Standup auch den Ernst- und täglichen Anwendungsfall für die Meeting Owl. Im Teambereich ist der 360-Grad-Effekt nicht ganz so ausgeprägt, weil je nach Standort nur 180 Grad wirklich interessant sind. Hier wäre ein zentraler Standort sinnvoll - was die Eule aber im wahrsten Sinne des Wortes zur Stolperfalle machen würde. Auch die Abstände der Kollegen zum Gerät und der manchmal recht geräuschvolle Durchgang nebenan sorgen bei der KI für etwas Verwirrung. Wir werden hier noch ein paar Experimente durchführen müssen.

Meeting Owl

Im Teambereich müssen wir noch weiter experimentieren. Die Größe und die Geräuschkulisse bringen die Eule immer mal wieder durcheinander.

Der dritte Test hat in unserer Bibliothek stattgefunden, einem anderen (kleineren) Meetingraum. Hier kann die Eule wiederum ihr volles Potential entfalten. Wenn das Gerät halbwegs mittig im Raum positioniert ist, funktioniert der Autofokus prima und alle Teilnehmer sind näher dran. Das gilt sowohl für das größere Bild als auch für den Ton. Erneut ist die Raumsicht eine super Sache und man fühlt sich als "Remotler" besser integriert.

In der "Bibliothek" funktioniert alles einwandfrei und man ist als Remotler mittendrin im Geschehen.

Eine Bereicherung, wenn die herkömmliche Technik an Grenzen stößt

Die Eule ist mit ihren Funktionen eine richtig tolle Erweiterung für unser Remote-Setup. Klar: Wie so oft klingt die Theorie (oder das Marketing) etwas besser, als die Praxis sich (bisher) gestaltet. Allerdings hängt der Nutzen auch stark vom Anwendungsfall und vom Einsatzszenario ab.

In einem Meeting, bei dem alle Anwesenden von einer normalen Kamera eingefangen werden können, ergibt die Verbindung von Raumansicht und Fokus natürlich nicht viel Sinn. Wenn ein klassisches Setup gut funktioniert und praktikabel ist, bietet die Eule keinen Zusatznutzen - im Gegenteil: Das Nutzererlebnis für die externen Teilnehmer ist durch die Fischaugenkamera ziemlich merkwürdig. Wenn der klassische Aufbau aber an Grenzen stößt, kann die Meeting Owl ihre Stärken ausspielen.

Wir werden weiter mit dem Gerät experimentieren. Unsere Erfahrungen werde ich an dann demnächst an dieser Stelle teilen. 🙂

Weiterführende Infos

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