Strategy Explorer – Strategie als Teamwork

Strategieentwicklung im Team – geht das überhaupt? Viele Unternehmen pflegen einen eher klassischen Ansatz, da ist die Strategie "Chefsache" und wird hinter verschlossenen Türen von einer kleinen Elite entwickelt. Einerseits sagt das Sprichwort zwar, dass viele Köche den Brei verderben, andererseits ist die Vielfalt der Perspektiven sehr begrenzt, wenn die Strategie nur von wenigen Vertretern einer homogenen (Management-)Gruppe oder im Extremfall von einer einzigen Person (= Chef) entwickelt wird.

Eine robuste Strategie lebt von der Vielfalt der Sichtweisen, kreativen Ideen und umfangreichem Wissen auf Basis unterschiedlicher Hintergründe. Nicht nur deshalb gibt es seit einigen Jahren den Trend, Strategieprozesse zu öffnen – Stichwort "Open Strategy". Die Strategieentwicklung im Team ist ein guter Schritt in diese Richtung, der viele der Vorteile nutzt und die potenziellen Nachteile begrenzt.

In meiner langjährigen Tätigkeit in Unternehmen, unter anderem als Head of Corporate Development, sowie in meiner eigenen Beratungspraxis habe ich bislang ausschließlich positive Erfahrungen mit Strategieentwicklung durch divers aufgestellte Teams gemacht. Diesen co-kreativen Ansatz habe ich in meiner Strategy-Explorer-Methode mit der Arbeitsweise von Canvas-Modellen verknüpft und so ein schlankes Werkzeug für die gemeinsame Entwicklung von Strategien in Team geschaffen (Strategy Explorer – das Strategiewerkzeug für Teams, GABAL 2019). Damit lässt sich auf einer einzigen Seite schnell und agil für jedes Business die passende Strategie entwickeln.

"Auch wir bei Seibert Media haben den Strategy Explorer eingesetzt, um unsere Strategie für Google Workspace zu formulieren. Wir waren begeistert davon, wie schnell wir uns im Team durch die Methode fokussieren und eine bis heute tragfähige Strategie ableiten konnten."
Paul aus dem Google-Team von Seibert Media

Strategy Explorer

Das Google-Team von Seibert Media bei der Strategieentwicklung

Der Strategy Explorer

Bei der Strategieentwicklung geht es vor allem darum, die richtigen Fragen zu stellen und zu versuchen, gute Antworten darauf zu finden. Genau dabei hilft der Strategy Explorer, indem er in sechs Schritten durch den Prozess der Strategieentwicklung führt: Von der Festlegung des Betrachtungsgegenstandes, der Vision und Mission geht es über die Umfeldanalyse zu den Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken mit entsprechenden Schlussfolgerungen.

Anschließend führen die Sammlung und Priorisierung von großen Schritten wie strategischen Optionen dann zur Formulierung des erfolgversprechendsten Weges nach vorne. Durch die Erarbeitung auf einer einzigen Seite hilft der Strategy Explorer den Teams dabei, sich nicht in Details zu verlaufen, sondern den Überblick und die richtige strategische Flughöhe zu wahren. Es entsteht ein visualisiertes strategisches Gesamtbild mit klar erkennbaren logischen Argumentationsketten, die auch später noch nachvollziehbar sind.

Das Ziel der Arbeit mit dem Strategy Explorer ist die Formulierung der Strategie als eine kurze Geschichte, die Orientierung gibt. Diese bildet die Basis für die weitere detaillierte Ausarbeitung und Umsetzung. Ein gemeinsames Verständnis über das große Ziel, das zu erreichen ist, sowie über den generellen Weg dorthin ist heute wichtiger als eine langfristige, detaillierte Planung von Umsätzen und anderen Kennzahlen. Gerade im agilen Kontext ist es ausschlaggebend, eine klare Vision sowie Leitplanken für das Handeln und für erforderliche Entscheidungen in den Teams zu haben. Die Arbeit mit dem Strategy Explorer schafft genau dafür die Voraussetzungen.

Worauf ist zu achten?

Der Strategy Explorer funktioniert sehr intuitiv und die sechs Arbeitsschritte geben dem Workshop automatisch eine sinnvolle Struktur. Eine Moderation ist dennoch zu empfehlen, damit sich das Team auf die Diskussion konzentrieren kann, während der Moderator hilft, die richtige Flughöhe zu wahren. Dies kann ein Teammitglied übernehmen, das sich zuvor in die Methode eingearbeitet hat, oder ein externer Moderator, der auf Basis seiner Sichtweise auch kritisch hinterfragen kann.

Bei der Zusammenstellung des Strategieteams braucht es etwas Fingerspitzengefühl. Es gilt, in einer kleinen Gruppe (ideal für die Arbeit mit dem Strategy Explorer sind fünf oder sechs aktive Diskussionsteilnehmer) einerseits die relevanten Player, andererseits aber auch möglichst große Diversität in Sachen Perspektiven, Wissen, Charakter usw. zu vereinen. Generell gilt: Vielfalt und Sachkenntnis sind wichtiger als Hierarchie. Hier kommt es stark auf die Organisationskultur an, wie groß der Spielraum bei der Teamzusammenstellung ist, also wer "unbedingt" dabei sein muss oder vielleicht auch nicht.

Die Gruppengröße ist aus rein praktischen Erwägungen ein wichtiger Faktor für die effektive Arbeit mit dem Strategy Explorer: Die Beantwortung der wichtigen strategischen Fragen ergibt sich aus der Diskussion – und deren Umfang skaliert mit der Anzahl der aktiven Diskussionsteilnehmer. Es gilt also, einen guten Mittelweg zwischen Gruppengröße und Dauer des Prozesses zu erreichen. Mit der oben genannten Handvoll aktiver Diskussionsteilnehmer lässt sich beispielsweise im Präsenzformat bereits in nur einem intensiven Tag der Entwurf für eine Strategie erarbeiten.

 

Strategieentwicklung nach dem Strategy-Explorer-Ansatz mit physischen Boards

Wenn das Ziel also die kompakte, schnelle und fokussierte Arbeit sein soll, ist eine kleine Gruppengröße ausschlaggebend. Es gibt natürlich auch Modi, bei denen die Arbeit über längere Zeiträume ausgedehnt werden kann, jedoch profitiert die Arbeit davon, dass in den Köpfen der Teilnehmer ein gemeinsames strategisches Bild entsteht. Je größer die Pausen zwischen den einzelnen Arbeitsphasen werden, desto eher kann dieses Bild verblassen und muss gegebenenfalls wieder aufgefrischt werden.

Das ist insbesondere der Fall, wenn virtuell gearbeitet wird. Der Strategy Explorer lässt sich hervorragend online mithilfe digitaler Whiteboard-Tools bearbeiten. Ein Beispiel ist Conceptboard, wo der Strategy Explorer bereits ein Standard-Template ist.

Der Strategy Explorer in Conceptboard

Der Strategy Explorer in Conceptboard

Allerdings dauert die Diskussion im virtuellen Raum etwas länger und ist auch anstrengender, weshalb häufige Pausen und kürzere Sessions erforderlich sind. Die Erfahrung zeigt, dass ein gutes Ergebnis innerhalb von vier Sessions von je drei bis vier Stunden Dauer (inklusive Pausen) erreicht werden kann. Gerade hier kommt es darauf an, nicht zu viel Zeit zwischen den Sessions verstreichen zu lassen.

Einfach anfangen

Detaillierte Informationen über den Strategy Explorer und praktische Tipps zur Entwicklung der eigenen Strategie und Planung der Workshops finden sich im Buch sowie in den Artikeln auf der Strategy-Explorer-Homepage. Ich empfehle hierzu auch mein neues Video-Tutorial in sechs Schritten auf Youtube.

Ich wünsche allen Lesern und ihren Teams viel Spaß und Erfolg beim gemeinsamen Strategieentwickeln. Fangen Sie einfach an, das ist das Wichtigste!

Dr. Stefan Pastuszka unterstützt als Strategie- und Innovationsberater Menschen und Organisationen dabei, Klarheit und Struktur in komplexe Zusammenhänge zu bringen, um sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. Vor seiner Selbstständigkeit war der promovierte Physiker als Führungskraft in zwei Technologiekonzernen aktiv, unter anderem als Head of Corporate Development. In seinen Workshops verbindet er breite Business-Erfahrung aus verschiedenen Märkten mit technologischem Verständnis, unkonventionellen Ansätzen und strategischer Visualisierung. Mit seinem aktuellen Buch "Strategy Explorer – das Strategiewerkzeug für Teams" führt er eine neue Methode zur co-kreativen Strategieentwicklung ein und beschreibt dabei auch die Erfolgsfaktoren für produktive Strategieworkshops.