Lean Innovation: Vitamine haben kein Trigger-Event (Teil 1)

Waren Sie mittendrin im Launch eines neuen Produkts oder Startups, als die Pandemie zugeschlagen hat? Wie viele andere Entrepreneure haben Sie wahrscheinlich die Bremse für das Projekt gezogen oder Ihre neuen Ideen erstmal auf Eis gelegt, um Ressourcen zu schonen und diese Phase der Unsicherheit auszusitzen.

Viele von uns waren optimistisch, dass der Sturm schnell vorüberziehen würde. Aber aus Wochen wurden Monate und allmählich dämmert es uns: Wir sind in einer neuen Normalität angekommen und manche Dinge werden nie wieder so sein, wie sie mal waren.

Was sollen wir mit unseren Produkt/Startup-Plänen tun?

Was, wenn ich Ihnen gesagt hätte, dass es nie eine besser Zeit für ein Startup oder einen Pivot mit Ihrem Produkt gegeben hat? Klar, sich fürs Überleben zu wappnen, ist in einer Krise der erste (und richtige) Instinkt. Wenn aber die grundlegenden Maßnahmen getroffen sind, ist es auch eine großartige Zeit, unsere Möglichkeiten aus einer völlig neuen Perspektive komplett zu re-evaluieren.

In der Geschichte haben Krisen zu massiven Neuverteilungen der Wertschöpfungsketten geführt – weg von den "Amtsinhabern" hin zu neuen Konkurrenzunternehmen und ihren Produkten.

Hier ist eine kleine chronologische Auswahl solcher Herausforderer und ihrer Produkte, die in früheren Krisen erschaffen wurden:

  • Nach der großen Depression in den 30-er Jahren: Disney, Hewlett-Packard, Lego
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg: Sony
  • Öl-Embargo-Rezession in den 70-ern: Microsoft, Apple
  • Energiekrise in den 80-ern: Electronic Arts, Adobe, Whole Foods
  • Nach dem Platzen der Dotcom-Blase in den 2000-ern: Apple veröffentlicht iPod und iPhone, Mailchimp
  • Große Rezession von 2009: Uber, Slack, Airbnb
  • Covid-19-Krise: Fortsetzung folgt...

Innovation entsteht aus Kampf

Das ist kein neues Konzept, aber die größere Frage ist, wie wir unser Unternehmen so positionieren, dass es auf der richtigen Seite dieser Neuverteilung steht.

Das Geschäft eines Startups ist die Herausforderung des Status quo durch die Einführung neuer Wege, Dinge zu tun, und das Herbeiführen eines Wechsels von einem alten zu seinem neuen Weg. Ja: Egal, wie disruptiv unser Angebot ist – es gibt immer einen alten Weg.

Es ist hilfreich, "Innovation als Wechsel" mit einer Bergsteiger-Metapher zu visualisieren:

Einfach einen besseren neuen Weg einzuführen, ist normalerweise nicht genug, um einen Wechsel anzustoßen. Warum nicht? Weil Konsumenten Gewohnheitstiere sind. Die Standardposition ist der Widerstand gegen Veränderungen. In der Bergsteiger-Metapher ist der Widerstand gegen Veränderung die Trägheit.

Darüber hinaus ist ein neuer Weg eben neu; es spielt Unsicherheit mit, und das löst Angst aus, die eine andere resistive Kraft einführt: Friction.

Die Unfähigkeit, Trägheit (also Gewohnheiten) und Friction (also Angst) zu überwinden, ist der Grund dafür, warum die meisten Neuheiten am Markt scheitern. Sie erfordern zu viel Verhaltensänderung, zu denen die Kunden noch nicht bereit sind.

Eine Möglichkeit, diese Trägheit zu überwinden, ist die Entwicklung eines signifikant besseren Produkts (nach Einschätzung der Kunden, nicht unserer eigenen) – und zwar mit einem Wertversprechen, das um den Faktor 10 besser ist.

Aber warum machen das nicht alle Startups?

Weil die Entwicklung eines zehnmal besseren Produkts, das die Kunden leicht finden und leicht verstehen können, einfacher gesagt als getan ist.

Anders ausgedrückt: Vom Start weg ein wirklich phantastisches Produkt zu entwickeln und es in die Köpfe der Kunden zu bekommen, geschieht selten und ist wirklich schwer.

Die meisten Produkte müssen den Produktadaptions-Lebenszyklus durchlaufen:

Die durchschnittliche Zeit bis zum Erreichen von Product/Market Fit beträgt ungefähr zwei Jahre und 80 Prozent aller Startups kommen nie dorthin. Das bedeutet, dass meistens die Amtsinhaber naturgegeben die größeren Gewinnchancen haben – außer...

Außer eine externe Veränderung wirft den Amtsinhaber aus der Bahn.

Das führt uns zu Vitaminen.

Hier knüpft der zweite Teil des Artikels an.

Dieser Artikel wurde im Original am 10. Juni 2021 unter dem Titel Vitamins Don't Have a Triggering Event von Ash Maurya veröffentlicht. Ash Maurya gehört zu den führenden Köpfen der internationalen Gründerszene und ist einer der renommiertesten Experten für Lean Startup und Customer Development. Die Website seines Unternehmens LEANSTACK und seinen Blog erreichen Sie unter http://leanstack.com. Mehr Fachartikel bietet unser Lean-Special.