Einkommensverteilung in Deutschland

In einem am Sonntag, den 13.11.2005 erschienenen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) berichtet die Zeitung über die Einkommensverteilung in Deutschland und die Vermögen, über die Deutsche verfügen.

Einkommensverteilung in Deutschland

Ledige
Anteil der Steuerpflichtigen ==> Zu versteuerndes Jahreseinkommen
47,1% verdienen 1€ bis unter 20.459 Euro
47,4% verdienen 20.459 Euro bis unter 52.293 Euro
4,6% verdienen 52.293 Euro bis unter 122.724 Euro
0,5% verdienen 122.724 Euro bis unter 245.423 Euro
0,3% verdienen 245.423 Euro und mehr

Ehepaare
Anteil der Steuerpflichtigen ==> Zu versteuerndes Jahreseinkommen
57,8% verdienen 1€ bis unter 40.918 Euro
38,0% verdienen 20.459 Euro bis unter 104.586 Euro
3,3% verdienen 52.293 Euro bis unter 245.449 Euro
0,5% verdienen 122.724 Euro bis unter 490.846 Euro
0,3% verdienen 490.846 Euro und mehr

In Deutschland verdienen demnach etwa 95% der Menschen weniger als 52.293 Euro. Das Statistische Bundesamt suggeriert allerdings mit der Angabe des arithmetischen Mittels für Angestellte eine erheblich höhere Zahl. Demnach verdient nämlich der Durchschnitt der Deutschen Angestellten 3.384,00 Euro im Monat - also 40.608,00 Euro pro Jahr.

Wie man oben in der Aufstellung sieht, verdienen ja bereits 47.1% der ledigen und 57,8% der Verheirateten weniger als 20.459 Euro. Es ist dann wohl plausibel anzunehmen, dass 50% der Deutschen durchschnittlich weniger als 20.000 Euro pro Jahr verdienen.

Was ist nun aber falsch? Stimmt eine der beiden Statistiken nicht?

Hintergrund: Das arthmetische Mittel ist sehr empfindlich für Ausreißer. Wenn man aus einer nicht normal verteilten Grundgesamtheit wie dem Einkommen der Deutschen den Mittelwert errechnet, resultiert ein viel zu hoher Wert. Richtig wäre die Anwendung des Median, der so rechnet (50%-Quantil) wie oben dargestellt.

Hinzu kommt, dass das statistische Bundesamt aufteilt in Arbeiter und Angestellte. Bei den Arbeitern sieht es selbst beim arithmetischen Mittel noch anders aus. Hinzu kommt - und das übersehen viele -, dass es in Deutschland 10% Arbeitslose gibt, die in der Statistik des Bundesamtes einfach ausgeblendet werden, obwohl Sie ja auch "Einkünfte" erhalten.

Es bleibt die Erkenntnis, die ich bereits in meinem Artikel "Mächtige Statistiken" beschrieben hatte:

Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

Quellen: EVS, ZEW, Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Finanzen, Artikel "Kein Herz für Millionäre" in der FAS 13.11.2005.

Andere Blogger zu ähnlichen Themen: