Warum Sie zu träge sind, Ihre Statistiken zu kontrollieren, und wie Sie aktiv werden

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Wenn Leute, die auf Social-Media-Marketing schwören, versuchen, Verfechter traditioneller Marketing-Strategien von ihrem Ansatz zu überzeugen, betonen sie häufig die neuen Möglichkeiten des Trackings, die das Web heute bietet. Wir wissen natürlich, welche Indikatoren und Statistiken wichtig sind. Das große Problem ist aber, dass wir trotzdem kaum einen Blick auf diese Daten werfen. Vielmehr neigen wir dazu, unsere Statistiken stiefmütterlich zu behandeln und eher zu vernachlässigen. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist, was Sie dagegen tun und wie Sie aktiv werden können.

Suchen Sie nicht nach neuen wichtigen Statistiken – die relevanten kennen Sie längst

Jedes Mal, wenn ich Blog-Artikel mit Titeln wie „Zehn Schlüssel-Statistiken in Sozialen Netzwerken“ oder „Die Top-5-Faktoren, die Ihren Web-Auftritt beeinflussen“ sehe, frage ich mich: „Hm, habe ich das nicht gerade gestern schon gelesen?“ Als Web-Marketing-Fachmann pflege ich solche Posts natürlich dennoch anzuklicken. Und da haben wir es wieder: Ich lese einen Artikel, der mir erklärt, was ich längst weiß. Bloße Zahlen sind nichts. Sie müssen interpretiert werden. Sie können mit Twitter-Followern, Listings, Retweets oder womit auch immer anfangen. Wir alle wissen: Es gibt Twitter, Facebook und YouTube. Manche würden vielleicht auch noch Google Buzz, LinkedIn, MySpace und weitere Dienste anführen. Wir wissen, wo das eigene Unternehmen aktiv sein sollte. Und wir wissen im Grunde auch, wann unsere Aktivitäten erfolgreich sind und wann nicht.

Mein Tipp: Sie werden nicht viel lernen, wenn Sie Blog-Artikel lesen, die Ihnen erklären, welche Statistiken wichtig sind. Denn das wissen Sie längst.

Je komplexer, desto weniger greifbar

Dem werden Sie vielleicht entgegenhalten: „Ja, aber was ist mit der Analyse von Stimmungen, was ist mit meinem Einfluss und meiner Reichweite?“ Sicher, wenn Sie Verantwortlicher bei Apple sind, möchten Sie wissen, wer gut über Sie spricht, wenn Sie ein Projekt wie Ping starten. (Wobei ich bezweifle, dass Steve Job sich viele Gedanken darum macht, was Sie und ich darüber twittern.) Wenn sie in der Marketing-Abteilung von Coca-Cola arbeiten, finden Sie es bestimmt toll, dass Ihre Reichweite stetig wächst. Aber was fangen Sie mit der Stimmungsanalyse an? 40% lieben Ihr Produkt, 20% mögen es und 40% mögen es nicht. Und nun? Nichts. Aus diesen Daten können Sie keine To-dos generieren. Das ist ein Problem.

Ein zweites: Klout. Ich liebe Klout eigentlich. Es ist so herrlich einfach zu verstehen. Die Null ist für Verlierer, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommunizieren, die 100 ist für Gewinner. Ich selbst habe einen Klout von 21. Robert Scoble liegt bei 77. Michael Arrington hat 65. TechCrunch liegt bei 97 und Mashable kann sich mit der magischen 100 schmücken. Und wie ist Ihr Score? Schreiben Sie doch einen Kommentar und lassen Sie mich wissen, was Sie unternommen haben, nachdem Ihnen Klout gesagt hat, wie „einflussreich“ Sie im Social-Media-Umfeld sind. Wissen Sie was? Ich glaube, Sie tun gar nichts. Ich habe auch nichts gemacht, um meinen Klout-Faktor zu pushen. Ich kann mir nämlich gar nicht vorstellen, was man unternehmen könnte. Da Klout uns nicht verraten will, wie der Score ermittelt wird, ist es natürlich schwierig, auf ihn einzuwirken.

Und Klout ist noch nicht mal ein so großes Problem. Es dauert ja nur ein paar Sekunden, um den eigenen Score zu ermitteln. Versuchen Sie das mal mit der Stimmungsanalyse.

Mein Tipp: Vergessen Sie all die New-Style-Statistiken, die mehrere Statistiken in einer Zahl zusammenfassen. Es ist viel cooler und vor allem sinnvoller, Retweets zu zählen.

Die Trägheit, die wir gemeinsam haben

A social media couch potato

Es ist symptomatisch für unsere Trägheit, dass Leute ständig versuchen, bessere und vereinfachte Statistiken für uns zu erfinden. Der Grund dafür ist, dass Sie und ich die relevanten Statistiken nicht auswerten und dementsprechend handeln. Hierin liegt das Kernproblem. Kennen Sie die Anzahl der Listings und Follower aller Ihrer Twitter-Accounts? Zählen Sie die Retweets? Nehmen Sie es zur Kenntnis, wenn ein Tweet oder ein Status-Update für viele Retweets bzw. Likes sorgt? Wissen Sie, worauf Ihr Publikum reagiert? Teils, teils, oder? Ich vermute, Sie haben einige Faktoren ganz genau im Blick und müssen bei anderen mit den Schultern zucken. Keine Sorge, da geht es Ihnen wie mir und den meisten Lesern dieses Artikels.

Aber das Problem verschärft sich: Wissen Sie, wie sich Ihre Zahlen im letzten Monat entwickelt haben? Sind sie gestiegen? In welchem Maße? Welches Ziel visieren Sie an? Diese Fragen werden Sie wahrscheinlich nicht spontan beantworten können. Ehrlich gesagt: Ich kann es auch nicht. Aber selbst das ist noch nicht das ganz große Problem. Man kann auch ganz ohne Ziel sehr erfolgreich werden. Fragen Sie mal Sergey Brin und Larry Page: Als sie mit Google anfingen, hatten sie keine Ahnung, wie damit Geld zu verdienen sein sollte. Sie verbrannten Millionen ohne zu wissen, ob diese jemals wieder hereinkommen würden. Aber sie taten etwas. Sie lieferten.

Social Media ist nicht nur zum Spaß da, sondern bringt Sie auch Ihren Zielen näher

Seien wir ehrlich: Die wenigsten von uns tragen auf Twitter und Facebook maßgeblich zum Ausbau des Weltwissens bei. Wir hängen vielmehr herum und betreiben Smalltalk. Das ist kein Problem, solange wir uns in unserer Freizeit auf diesen Kanälen tummeln. Wenn Sie Social Media aber für berufliche Zwecke nutzen, sollten Sie sich fragen, ob Ihre Aktivitäten effektiv und effizient sind. Schließlich soll das Optimum dabei herausspringen. Deshalb müssen wir in die Hände spucken und Ergebnisse anstreben.

  • Was kann ich in meinem Fachgebiet schreiben, um Retweets und Likes zu generieren?
    Fast schon eine langweile Frage, richtig? Wir stellen sie uns ja immer wieder selbst. Aber haben Sie sich jemals Notizen dazu gemacht? Haben Sie ein Konzept, eine Taktik oder gar eine Strategie ausgearbeitet? Haben Sie zur Kenntnis genommen und ausgewertet, was Ihnen wirklich Retweets einbegracht haben? Haben Sie daraus etwas im Hinblick auf Ihre künftigen Tweets gelernt und diese Ergebnisse dokumentiert? Ganz ehrlich: ich nicht. Und ich schätze, dass das bei Ihnen kaum anders ist. Aber wir sollten es definitiv tun. Es ist ganz einfach.
  • Warum sollten die Leute meinen Updates auf Twitter und Facebook folgen?
    König ist, wer verschiedene „Antworten“ auf Twitter und Facebook hat. Schauen Sie sich mal an, wie Mashable und TechChrunch mit Twitter und Facebook umgehen. Bei TechCrunch liegt der Fokus eher auf den Autoren. Mashable dagegen stellt auf Facebook eine Frage. Das macht offenbar den Unterschied.
  • Was hat in den letzten Tagen Aufmerksamkeit auf Twitter und Facebook erregt?
    Ich empfehle, dass Sie einfach mitzählen. Notieren Sie, was von Bedeutung gewesen ist. So kommt der Schuss in Ihren magischen Social-Media-Drink. Dank dieser Zahlen können Sie Ihren Fokus ausrichten und sich bewusst machen, was wirklich eingeschlagen hat. Wenn Sie normalerweise nie mehr als drei bis fünf Retweets pro Tag erhalten, gestern aber plötzlich 15, sind Sie an dem Punkt angelangt, an dem Sie Nachforschungen anstellen sollten. Welcher Tweet war der Big Point? Welches Thema wurde behandelt? Wie haben Sie es rübergebracht? Was war anders als sonst? Was können Sie daraus lernen? Was ist nun zu tun?

Bleibt die Frage nach dem "Wie?"

Sie haben nun zwei Möglichkeiten, Ihre Daten zu tracken. Die erste Option: Sie zählen selbst und führen eine schicke Excel-Tabelle, die Sie täglich aktualisieren und auswerten. Wenn Sie das systematisch durchziehen wollen, müssen Sie schon ein wenig Zeit und Mühe investieren und Disziplin an den Tag legen. Aber reden wir nicht die ganze Zeit von unserer Trägheit?

Bei vielen Leuten funktioniert die Kontrolle ihrer Statistiken nur, wenn sie ein Tool die Arbeit für sich machen lassen. Wenn das Ihre bevorzugte Alternative ist, sollten Sie sich bspw. TwentyFeet ansehen, das von //SEIBERT/MEDIA entwickelte webbasierte Egotracking-Tool, mit dem Sie Ihre Aktivitäten bei Twitter, Facebook, YouTube & Co. zentral im Blick haben. TwentyFeet nimmt Ihnen viel lästige Arbeit ab: Das Tool verfolgt, analysiert und informiert und hilft Ihnen dadurch, Auffälligkeiten und Zusammenhänge zu erkennen. Eine kompakte Einführung gibt Ihnen dieses kurze Video:

Also: Weiter zählen, aufschreiben und Schlussfolgerungen ziehen

Das ist das Grundrezept. Deshalb rate ich:

  1. Trägheit und Social Media passen nicht zusammen, wenn man etwas erreichen will. Vergeuden Sie Ihre Zeit nicht mit Herumhängen und Smalltalk.
  2. Setzen Sie sich ein Ziel und legen Sie eine Strategie fest, zumindest wenn Sie Social Media professionell nutzen.
  3. Zählen Sie Ihre Retweets und Likes. Oder lassen Sie ein Tool die Arbeit erledigen.
  4. Wenn Sie einen Kracher gelandet haben, finden Sie heraus, was so toll daran ist und was sie daraus für künftige Aktivitäten lernen können.
  5. Schreiben Sie es auf.
  6. Fangen Sie wieder bei Punkt 3 an.

Na, was denken Sie? Zu einfach?


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