Läutet Googles +1 ein neues Zeitalter der Suchmaschinenoptimierung ein? (Aprilscherz?)

Mit der Funktion +1 erweitert Google seine Suchmaschinenfunktion um eine soziale Komponente. Könnte sich der Umgang mit dem Suchmaschinengiganten damit grundlegend ändern? Tritt Google wirklich in Konkurrenz zu den etablierten Social Networks? Die Antworten lauten Vielleicht und Nein. Sehen wir uns im einzelnen an, was es mit Googles Mag-ich-Knopf auf sich hat.

Was bedeutet +1?

Facebook nutzt schon lange die Funktion „Like it“: Durch einen Klick auf den Mag-ich-Button kann der Facebook-Nutzer seinen Kontakten mitteilen, dass ihm eine Statusmeldung, ein Bild, ein Link gefällt. Durch diese simple Interaktion werden Inhalte verbreitet und beworben – das Marketing-Potenzial ist Google nicht entgangen.

Googles +1 Button

+1 ist Googles Version der bekannten Facebook-Funktion. Bislang steht der Service in den USA für Google-Anzeigen und organische Suchtreffer zur Verfügung, später soll der Dienst ausgeweitet werden.

Die Funktionsweise ist denkbar einfach. Nutzer liken Suchtreffer, die sie als hilfreich und hochwertig einschätzen, die gemochten Ergebnisse landen automatisch in einer Merkliste im eigenen Google-Profil. Die Web-Kontakte eines Nutzers – Google spricht von Netzbekannten, die über Google-Dienste miteinander verbunden sind – sehen dessen gelikte Inhalte zusammen mit Namen und Profilfoto in den Ergebnislisten. Haben in einer Trefferliste keine Google-Kontakte die +1-Funktion genutzt, wird unter jedem Ergebnis anonymisiert aufgeführt, wie viele Likes es bislang auf sich vereint.

Wem bringt +1 etwas?

Durch den Klick auf den +1-Button können ausgewählte Produkte oder Suchtreffer also weiterempfohlen werden. Die Potenziale sind vielversprechend, zunächst vor allem aus Googles Perspektive: Durch den Einfluss der sozialen Komponente kann Google die Suchmaschinenabfragen weiter optimieren und personalisieren und wird insbesondere noch tiefergreifende Einblicke in das Nutzungsverhalten der User erhalten.

Aus Sicht eines Website-Betreibers sehr interessant: Der +1-Service soll künftig auch in das Ranking einfließen. Viele +1-Punkte dürften dann zu einer besseren Position in den organischen Ergebnislisten führen.

Zudem ist abzusehen, dass das Feature – wenn es sich denn durchsetzt – einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Vertrauensbildung leisten wird: Inhalte, die viele Nutzer mögen, klicken andere User eher an, weil sie sich hochwertige, relevante Inhalte versprechen. Google berät Werbekunden daher eingehend, welche Veränderungen sich ergeben könnten.

Kurz zusammengefasst: Für den Google-Nutzer zahlt sich die Nutzung von +1 insofern aus, dass seine Suchergebnisse weiter optimiert und auf die eigenen Like-Aktivitäten abgestimmt werden. Dafür muss er freilich in Kauf nehmen, dass Google noch mehr persönliche Daten erhebt und auswertet. Internetdienstleister und Unternehmen, die auf systematisches Online-Marketing setzen, werden auf viele Likes ihrer zufriedenen Kunden hinarbeiten müssen, um Nutzervertrauen aufzubauen und ein gutes Ranking sicherzustellen.

Kontakte ohne Bestätigung

So weit Facebook den Begriff Freundschaft fasst, so weit definiert auch Google den Begriff Bekanntschaft. Jede Person, mit der man über einen Google-Dienst in Kontakt steht, wird zum Netzbekannten. Doch anders als Facebook oder ähnliche soziale Netzwerke, in denen Kontakte nur mit beiderseitigem Einverständnis hergestellt werden, macht Google kein langes Federlesen: Alle Einträge aus dem Google-Mail-Adressbuch, alle Kontakte aus Googles Chat-Tool, selbst User, denen man via Google Buzz oder Google Reader folgt und zu denen gar keine persönliche Verbindung besteht, werden unaufgefordert übernommen.

Der Nutzer wird also über Likes sämtlicher Personen informiert, mit denen er via Google in irgendeiner Form kommuniziert hat oder für die er sich interessiert, ohne selbst Kontakte anberaumen und bestätigen zu müssen. Ablehnen oder ignorieren kann er Anfragen indes auch nicht.

Mit +1 konkurriert Google nicht mit Facebook & Co.

Mit der Ankündigung von +1 sind natürlich sogleich kritische Diskussionen entbrannt: Googles Pendant zum Like-it-Button habe große Schwächen im Vergleich. Das mag zutreffen, allerdings will Google laut eigenen Aussagen gar kein soziales Netzwerk aufbauen, sondern „lediglich“ eine effektivere Suche ermöglichen. Diskussionsmöglichkeiten, wie sie Facebook bietet, sind z.B. nicht geplant.

Als ausbaufähig wird angesehen, dass für die Bewertung mit +1 keine Austauschfunktion vorgesehen ist und sich die von Google generierten Kontakte nicht bearbeiten lassen. Es ist jedoch nicht vorgesehen, dass sich Netzbekanntschaften beispielsweise in Gruppen zusammenführen lassen und Nutzer selbst definieren können, welchen Gruppen welche Informationen zugänglich sind.

Die Google-Seite zu +1 zeigt den Sinn der Anwendung in einem einfachen Beispiel sehr deutlich: Wer nach einem Pasta-Rezept sucht, wird wahrscheinlich den Treffer auswählen, den der als Gourmet bekannte Zimmergenosse bereits positiv bewertet hat.

Facebook muss also sicherlich nicht bange vor einer möglichen Google-Konkurrenz werden. Bei der Einführung von +1 geht es nicht um den sozialen Austausch via Social Media, sondern um das Abgleichen von Suchtreffern mit dem sozialen Umfeld und die damit einhergehende Optimierung für den Einzelnen. So jedenfalls verkauft Google die neue Funktion.

Fazit und Ausblick

Trotz des ähnlichen Prinzips unterscheidet sich Googles +1 grundlegend von Facebooks Mag-ich-Knopf. Das bewusste Empfehlen von organischen Ergebnissen und Anzeigen ist allerdings geeignet, das von Facebook etablierte Prinzip weiter auszuschöpfen. Daraus könnten sich neue Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung und des effektiven Schaltens von AdWords-Werbung ergeben.

Der neue Service steht – wie erwähnt – zunächst nur in den USA zur Verfügung. Ob er sich auf breiter Ebene durchsetzen und inwieweit er Online-Marketing-Strategien tatsächlich vor neue Herausforderungen stellen wird, bleibt abzuwarten. Nicht erst ein Google-Projekt ist mit viel Getöse gestartet, um sang- und klanglos eingestellt zu werden.

Wir können uns also zunächst zurücklehnen und der Erfahrungsberichte amerikanischer Online-Marketing-Fachleute und Suchmaschinenoptimierer harren. Zu gegebener Zeit werden wir +1 sicherlich wieder aufgreifen. Wer die Funktion auch in Deutschland gerne schon jetzt nutzen möchte, kann sie sich in seinem Google-Account freischalten lassen.

Weiterführende Informationen

Die Google-Seite zu +1
Unsere spezielle Seite zum Thema Google-Werbung
Der Artikel im Spiegel zu +1
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