Firmenwiki-Einführung: Der Umgang mit Zweiflern und Blockierern

In jedem Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die an einem Firmenwiki zweifeln und ihm (zunächst) negativ gegenüberstehen. Wiki-Zweifler gibt es in mehreren Ausprägungen. Zunächst sind hier Gegner, die inhaltliche Argumente gegen das Wiki vortragen, und Gegner, die technische Gründe angeben, zu unterscheiden, also beispielsweise Mitarbeiter, die das Wiki-Konzept der Offenheit und Kollaboration missverstehen, und Kollegen, die das Wiki etwa aufgrund einer spezifischen IT- und System-Strategie ablehnen.

Darüber hinaus gibt es komplizierte Hybridversionen, bei denen politische Aspekte ausschlaggebend sind. Diese Personen möchten nicht, dass das Wiki Erfolg hat, weil es Zielen (vermeintlich) entgegensteht, die sie für wichtiger halten. Hier kann sich die Kritik bis hin zur Blockadehaltung steigern. Der Umgang mit einem solchen Blockierer ist so schwierig, weil er sich selten offen zu erkennen gibt.

Für den Wiki-Propheten, der das Wiki im Unternehmen vorantreibt, ist es sinnvoll, den Konflikt anzugehen, indem er zunächst identifiziert, aus welchen Gründen das Wiki abgelehnt wird. Gibt es Argumente aus inhaltlicher/konzeptioneller oder technischer Perspektive? Oder haben Sie es tatsächlich mit einer Blockadehaltung aus politischen Gründen zu tun? Und welche Herangehensweise sollten Sie als Wiki-Prophet im Einzelfall wählen, um mit einem Wiki-Zweifler umzugehen?

Persönliche Kommunikation

Grundsätzlich sollten Sie mit diesem Mitarbeiter einzeln und möglichst persönlich kommunizieren, aktiv den Kontakt zu ihm suchen, ihm das Gespräch anbieten und Zeit investieren. Überzeugungsarbeit ist aufwändig.

Allerdings kommt es erfahrungsgemäß immer wieder vor, dass Wiki-Kritiker diese Gesprächsangebote zunächst nicht annehmen: Man hat Wichtigeres zu tun und reagiert mit Ablehnung und Ignoranz. Doch das Recht, einen Wiki-Zweifler Ihrerseits zu ignorieren, haben Sie als Wiki-Prophet erst, nachdem Sie ihm freundlich die Hand gereicht haben.

Hier ist es nicht selten erforderlich, hartnäckig zu sein und den Kollegen zu umgarnen, seine Bedeutung für das Unternehmen anzusprechen etc. Das kann mitunter etwas lästig sein, ist aber hilfreich. Wie oben angesprochen, besteht der Kerngedanke hier erst einmal darin herauszufinden, aus welchen Gründen das Wiki abgelehnt wird.

Fehler, die Sie vermeiden sollten

Irgendwann werden aber auch Zweifler, die Ihren Gesprächswunsch zunächst ignorieren, doch mit Ihnen reden und klarstellen, warum sie gegen das Wiki sind. Vermeiden Sie dabei eine emotionale Argumentation und Meinungen. Versuchen Sie auch nicht, an den guten Willen zu appellieren, und bitten Sie nicht händeringend um Unterstützung, vor allem dann nicht, wenn diese wirklich wichtig für das Wiki-Projekt ist.

Machen Sie sich nicht von Wiki-Gegnern abhängig und versuchen Sie, sie aus dem Projekt und aus dem Pilotteam herauszuhalten, in dem sie für Missstimmung sorgen könnten. Somit bieten Sie den Wiki-Gegnern kein Forum, in dem jene ihrerseits emotional argumentieren können. (Digitale Systeme nutzen Zweifler eher ungern, weil sich in ihnen bestimmungsgemäß nur Sachbotschaften gut transportieren lassen.)

Zuhören und sachlich argumentieren

Wenn Sie gegen inhaltliche und technische Widerstände gegensteuern, sollten Sie nicht den Eindruck vermitteln, per se die Antworten auf alle Fragen parat zu haben. Bevor Sie Lösungen und Argumente anbieten, sollten Sie gut zuhören und verstehen, wo Probleme liegen. Fassen Sie die Herausforderungen zusammen und lassen Sie sich bestätigen, dass Sie alles richtig verstanden haben.

Erst dann legen Sie Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Hier gibt es inzwischen sehr hilfreiches und belastbares Material. Ein gutes Hilfsmittel ist auch eine Argumentebilanz mit Pro- und Contra-Seiten. Gewichten Sie die Argumente. Vergleichen Sie das Wiki mit anderen Systemen und arbeiten Sie hier so objektiv wie möglich.

Früher oder später gehen Ihrem Gegenüber die Gegenargumente aus. Dann erleben Sie wahrscheinlich eine der folgenden drei Reaktionen:

  1. Der Zweifler lenkt ein und übernimmt Ihre Position. Im Optimalfall haben Sie sogar einen starken Verbündeten gewonnen.
  2. Der Zweifler zieht sich in eine Egal-Haltung zurück. Er wird wohl nicht aktiv am Wiki teilnehmen oder es sonst wie fördern, aber es auch nicht bekämpfen. Das ist im Zweifelsfall zunächst ein akzeptabler Kompromiss und auf jeden Fall besser als aktives Gegensteuern.
  3. Der Zweifler nimmt eine Blockierer-Position ein. Dann kann er – je nach Stellung und Gewicht im Unternehmen – das Wiki-Projekt sogar in Gefahr bringen.

Schaden durch Blockierer vermeiden

Der Blockierer hat politische Ziele und entzieht sich einer sachlichen Argumentation. Mit einer solchen werden Sie ihn also wahrscheinlich nicht überzeugen. Versuche, ein ernsthaftes Gespräch zum Thema zu initiieren, dürften zumeist fehlschlagen. (Für viele Wiki-Propheten ist es frustrierend, wenn sie nicht alle Kollegen vom Nutzen eines Wikis überzeugen können, obwohl die Argumente auf der Hand liegen. Damit müssen Sie sich leider einfach abfinden.)

Ihre Aufgabe hier ist nun vielmehr, dafür sorgen, dass der Blockierer dem Wiki nicht gefährlich wird. Ignorieren Sie ihn bei allen Wiki-relevanten Projekten und Meetings, involvieren Sie ihn nicht in Wiki-Aspekte. Suchen Sie einen Weg, der für das Wiki unschädlich ist und der es dem Blockierer erlaubt, Sie ebenfalls zu ignorieren. Konfrontieren Sie ihn – wenn irgend möglich – nicht mit Entscheidungszwang.

Lobbyarbeit betreiben und politische Unterstützung suchen

Stattdessen wirken Sie auf Vorgesetzte und/oder gleichrangige Kollegen des Blockierers ein, für politischen Druck zu sorgen. Das ist die Aufgabe des Managements, nicht die des Wiki-Propheten. Bemühen Sie sich also möglichst um eine starke Lobby pro Wiki, die auf unternehmenspolitischer Ebene Einfluss nehmen kann.

Das Ziel besteht darin, dass der Blockierer schließlich von der Unternehmensführung oder aber von der Marktsituation ("Alle Mitbewerber nutzen Wikis und wir hecheln hinterher. Das sind Wettbewerbsnachteile, die wir ganz bewusst in Kauf nehmen!") dazu bewogen wird, in den sauren Apfel zu beißen. Das kann allerdings lange dauern und Kraft und Nerven kosten.

Wenn Sie dann den richtigen Moment abpassen, um den Blockierer ehrlich und mit offenen Armen empfangen, ohne ihn spüren zu lassen, dass er sein Gesicht verloren hat, können aus Ihnen in Sachen Wiki möglicherweise sogar noch gute Freunde werden.

Aber: Manche Unternehmen sind nicht reif für Enterprise 2.0

Auch wenn es sich bei dem Blockierer um Ihren Geschäftsführer oder Vorstand handelt, besteht kein Grund, Ihre Strategie zu ändern – solange er Sie und das Wiki ignoriert. Wenn er allerdings in der Position ist, eine Entscheidung gegen das Wiki fällen zu dürfen, und dies auch tut, bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als das Wiki-Projekt zu stoppen.

Zwar kann ein hoher Einsatz im Einzelfall auch zum Erfolg führen, aber Sie werden natürlich sehr genau darüber nachdenken, ob Sie für eine Wiki-Einführung unter Umständen die eigene Position gefährden wollen. Es gibt Unternehmen, die auch im Jahr 2012 schlicht und ergreifend noch nicht reif für Enterprise 2.0 sind. Das muss man akzeptieren und dann gegebenenfalls zur Stelle sein, wenn der Kostendruck ein Einlenken unumgänglich macht.

Fazit

Diese Anregungen basieren auf Wiki-Projekten, die //SEIBERT/MEDIA selbst durchgeführt hat. Natürlich herrscht in jedem Unternehmen eine eigene Realität, und jeder Kollege ist ein Individuum mit einem ganz spezifischen Mix aus Ansichten und Auffassungen zum Themenkomplex Unternehmenskommunikation und Enterprise 2.0.

Es gibt keine Erfolgsgarantie und keinen Königsweg, um Zweifler und Gegner mit ins Boot zu holen: Auch wir haben Wiki-Propheten kennengelernt, die schließlich die bittere Pille schlucken mussten, dass die Unternehmensführung das Wiki nicht nur nicht unterstützt, sondern behindert.

Gerade die Unterstützung des Managements oder zumindest seine Neutralität gegenüber dem Wiki sind kaum verzichtbare Voraussetzungen einer erfolgreichen Wiki-Einführung. In vielen anderen Fällen stehen die Chancen dagegen gut, mit Geduld, Engagement und Sachlichkeit Berührungsängste und Bedenken zu zerstreuen.

Wiki-Einführung: Wir sind Ihr Partner

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Weiterführende Informationen

Erfolgsfaktoren für Wikis
Enterprise Wikis: Unser Fachbuch über Firmenwikis ist jetzt erhältlich
Architektur eines Wiki-Projekts
Return on Investment von Firmenwikis
Argumente gegen Wikis im Unternehmen


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