Interaktive Webinare für Kunden und Interessenten: keine „modernen Kaffeefahrten“, sondern effizient, informativ und kurzweilig

Ich bin kein Freund von Fachveranstaltungen. Ach was, ich hasse Fachveranstaltungen. Dabei bin ich selbst einer der größten Dampf-Blablaisten, die ich kenne. Und ich bin immerhin schon seit etwa 20 Jahren ein professioneller "Sektglashalter". Es gelingt mir in der Regel leicht, neue Menschen kennenzulernen und ihnen etwas zu erzählen, das sie interessant finden. Ich sollte Events und Messen lieben. Aber ich tue es nicht.

Wir organisieren selbst gerade die nächste Runde unseres Atlassian Enterprise Clubs am 19. Mai 2016 in Wiesbaden. Wir haben mit Wendell Keuneman den ranghöchsten Confluence-Verantwortlichen am Start, einige unserer größten Kunden plaudern aus dem Nähkästchen über ihre Projekte, und Lars Vollmer erzählt was über die Wiederbelebung der Zusammenarbeit in Unternehmen. Eigentlich die perfekte Veranstaltung. Und wer kann und sich noch nicht für dieses offene Event angemeldet hat, sollte jetzt schnell sein, denn es sind nur noch ganz wenige Plätze verfügbar.

Aber da sieht man sie schon wieder, die Probleme: Man muss nach Wiesbaden reisen. Das ist für Lars, der aus Barcelona kommt, und für Herrn Wolzenburg von der Meyer Werft aus Papenburg schon ziemlich lästig. Und was soll erst Wendell aus Sydney sagen? Der muss einmal um die halbe Weltkugel, um uns hier etwas erzählen zu können. Das darf man doch mit gutem Gewissen als ineffizient bezeichnen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin fest davon überzeugt, dass nur wenige Dinge die Intensität einer persönlichen Zusammenkunft schlagen können. Das sehen unsere Kunden wohl auch so. Die Einzelsessions mit Wendell waren innerhalb von zwei, drei Tagen ausgebucht. Und das eigentliche Event wird es wohl auch voll sein. Da ist schon die nächste Herausforderung: Wir kriegen in unseren neu angemieteten dritten Stock maximal 100 Personen rein. Was, wenn das Interesse größer ist?

Noch gar nicht gesprochen haben wir vom organisatorischen Aufwand, den eine solche Veranstaltung verursacht. Wer sowas selbst schon mal gemacht hat, weiß wovon ich spreche. Und wer nicht, dem wünsche ich, dass er auch in Zukunft um diese Erfahrung herumkommt.

Zu einem Event müssen natürlich auch die Teilnehmer anreisen. Die Leute kommen aus München, aus London, aus Hamburg, aus Berlin und aus anderen Städten, die teilweise signifikante Reisezeiten bedeuten. Das ist bei allen anderen Veranstaltungen ja nicht anders.

Tja, und wenn unser Atlassian-Kundentreffen vorbei ist, wirft auch schon die von uns veranstaltete zweitägige Konferenz Tools4AgileTeams langsam ihre Schatten voraus.

Aber lassen wir das. Reden wir über die virtuellen Versammlungen, um die es in diesem Artikel eigentlich gehen soll: Webinare.

Die meisten Webinare sind heute moderne Kaffeefahrten. (Danke an Dr. Hoffmann für diese Analogie.) Irgendwer will Ihnen irgendwas aufschwatzen. Interaktion ist in der Regel auf die letzten fünf Minuten beschränkt. Man könnte auch sagen: "Hier sind meine Folien. Und so habe ich mir das Vortragen vorgestellt ..." (Sprechernotizen werden mit guter Betonung vorgelesen.) "... und während ich vortrage, könnt ihr Fragen stellen, die ich dann am Ende aufgreife."

Immerhin. Dieses Webinar-Format ist ein kleines bisschen besser als ein Video bei YouTube. Aber nicht viel. Denn auch dort kann man Kommentare hinterlassen und später Antworten bekommen, wenn man will. Ich mag diese Webinar-Formate nicht besonders, weil mir jemand aufdrückt, wann ich seinem Vortrag zu lauschen habe. Klar will ich das hören. Aber mit einem Video kann ich mir den Zeitpunkt selbst aussuchen. Und wenn ich Fragen habe, melde ich mich halt später. Wenn ich dann doch mal live an einem solchen Webinar teilnehme, stelle ich Fragen oft nur aus Langeweile.

Und jetzt wollen wir selbst auch Webinare anbieten. Aber nicht solche. Keine modernen Kaffeefahrten. Keine, die nur uns als Anbieter etwas bringen. Sondern solche, die für alle Beteiligten kurzweilig sind und die als Live-Veranstaltungen deutlich besser funktionieren als eine YouTube-Aufzeichnung.

Ich bin von der Vorstellung ziemlich begeistert, Ihnen unser Wissen und unsere Erfahrung sozusagen regelmäßig auf Abruf zur Verfügung zu stellen.

Vom Ablauf her planen wir aktuell ein Format, das etwa eine Stunde in Anspruch nimmt, von der aber maximal 30 Minuten tatsächlich mit von uns vorbereiteten Inhalten gefüllt werden. Der Rest ist von vornherein für Ihre Fragen, Anregungen und Beiträge reserviert.

Ich stelle mir das so vor, dass wir einen inhaltlichen Rahmen anbieten und dazu einen Gast einladen, der als Experte auftritt und in den ersten 10 bis 15 Minuten kurz und knapp darstellt, was seine Botschaft ist. Dabei sollte klar werden, welches Problem es gibt, wie es gelöst werden kann und was Sie selbst tun können, um in der Sache voranzukommen. Wenn jemand seine "Lösung" vorstellt, wollen wir auch über Alternativen sprechen, damit Sie einen Überblick bekommen und ausbalancierte Informationen erhalten.

Nach 10 bis 15 Minuten hoffe ich darauf, dass die Zuhörer - aktuell rechne ich mit 5 bis 25 Personen - die ersten Fragen stellen, damit wir darauf eingehen können. Der Rest der Stunde sollte dann eine von den Teilnehmern mit gesteuerte offene Diskussion sein.

Bei den Diskussionen ist es durchaus denkbar, dass auch Teilnehmer selbst in Ton und Bild (Video) vorkommen. Ich bin gespannt, wie fit unsere Zuhörer technisch sind, um diese Möglichkeiten dann auch spontan zu nutzen. In jedem Fall werden aber Fragen und Kommentare per öffentlichem Gruppenchat möglich sein. Das habe ich schon erlebt und es klappt gut. Besonders erfolgreich ist das Format aus meiner Sicht, wenn die Teilnehmer beginnen, sich gegenseitig Fragen zu beantworten.

Nicht selten haben sich bei vergangenen Terminen auch konkurrierende Berater und Lösungsanbieter eingefunden. Anders als die bisherigen Webinar-Kooperationspartner habe ich deren Beiträge als Bereicherung angesehen. Klar, ich bin kein SharePoint-Liebhaber. Aber warum sollten wir so tun, als wäre Microsoft kein großer Spieler im Umfeld der digitalen Zusammenarbeit? Solange konstruktiv agiert wird, seien hiermit auch Konkurrenten und Berater eingeladen.

Für mich persönlich ist das auch insofern ein Spaß, als dass Webinare das Tolle und für mich Wertvolle von Vor-Ort-Veranstaltungen mit der Effizienz, Geschwindigkeit und Unkompliziertheit des Internets verbinden.

Es gibt keine Bindung: Wer keine Lust mehr auf das Webinar hat, schaltet einfach ab. Dafür braucht man keinen Grund. Man muss sich nicht rechtfertigen. Es gibt hunderte von legitimen Gründen, warum man die Webinar-Teilnahme abbrechen will oder muss. Das sorgt dafür, dass wirklich nur die Leute teilnehmen, die auch tatsächlich interessiert sind. Gehen Sie mal aus einem prall gefüllten Saal, wenn der Vortrag gerade läuft. Das ist schon viel unangenehmer.

Unbemerkt wegdösen geht auch. Wenn ein Thema nicht vollkommen unspannend, aber gerade nicht aktivierend ist, kann man die Webinar-Teilnahme auf eine Art "Radiohören" zurückschrauben und mal schnell in die Mails zu schauen oder so. Man kann dann ja später das Tab mit dem Video wieder aktivieren und bis dahin nur mit einem Ohr lauschen.

Kurz gesagt: Ein Webinar ist ein ehrliches Format und für Kunden sehr angenehm. Einfach kurz reinschalten und jederzeit problemlos abschalten können.

Wir werden sogar noch einen Schritt weiter gehen und auch die Teilnahme ohne Voranmeldung ermöglichen. Das erlaubt dann den Interessierten zu entscheiden, ob sie sich nur für das Thema interessieren, an dem Termin aber gar nicht live teilnehmen wollen oder doch direkt mit dabei sind. Jeder erhält in jedem Fall alle Infos und Ressourcen. Und man kann seine Fragen sogar vorab einreichen und so auch ohne Teilnahme eigene Fragen behandeln lassen.

Soweit zu unserem Konzept. Jetzt würde ich zu gerne Ihre Meinung hören:

  • Sind Sie an unseren Webinaren grundsätzlich interessiert? Dann melden Sie sich auf den Detailseiten zu den Veranstaltungen als Interessent an: Die Teilnahme ist wie gesagt völlig unverbindlich.
  • Schreiben Sie mir doch mal, ob sie ein solches Format interessieren würde. Würden Sie daran teilnehmen und aktiv Fragen stellen?
  • Haben Sie Interesse daran, selbst mal als Gast teilzunehmen und ein eigenes Thema vorzustellen?
  • Kennen Sie andere Webinar-Formate, die Ihnen gefallen?
  • Zu welchen Themen wünschen Sie sich Webinare?

Und eine Bitte habe ich auch noch. Unter http://seibert.biz/webinare können Sie die bislang geplanten Webinare mit "Daumen hoch" und "Daumen runter" bewerten und so ganz schnell dazu Feedback geben, was interessant und was weniger spannend ist. Helfen Sie mir mit Ihren Stimmen? 🙂


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